Transgender Menschen sind heutzutage mehr in den Nachrichten als je zuvor. Und das ist gut so. Sie sind Teil unserer Gesellschaft und genauso normal wie „Du und Ich“!

Aber wenn wir echte Fortschritte machen wollen, dann müssen wir alltägliche Themen, Das Miteinander und vor allem die Redefreiheit für alle aufgreifen. Gay.de Autor Alex Hopkins blickt über den Tellerrand.

1459779060shutterstock_115700113.jpg.jpg


In der Stadt Kinder ich aufgewachsen bin hat jeder zu Wissen gemeint, wer transsexuell ist und wer nicht. Das Gerede und Getuschel über die Frau, die die Hauptstraße hinunter ging wurde wöchentlich um neue Details erweitert. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt versteht sich.
Ich erinnere mich noch genau an eine Situation vorm Supermarkt, als sie - die Eine - an mir vorbei ging, während eine Gruppe Jugendlicher sie mit Kraftausdrücken betitelte. Sie nannten sie einen Freak, sie verachteten sie.
Andere - meine Eltern inbegriffen - vermieden diese Bissigkeit und glänzten mit Mitleid: „Ich kann es einfach nicht verstehen. Doch, es ist nicht ihre Schuld“, sagte meine Mutter einmal und ergänzte: „aber ES ist sehr mutig.“.

Dreißig Jahre später haben Transgender Menschen enorme Fortschritte gemacht. Sie sind sichtbarer als sie jemals waren und über ihren mutigen Kampf wird regelmäßig in queeren Magazinen berichtet – auch die Mainstream-Medien titeln darüber.
Es war lebensbejahend zu sehen, wie Trans*-Menschen – die Jahrelang wie Aussessige behandelt wurden – sich langsam ihren Platz erkämpften. Die Akzeptanz in der Gesellschaft, die sie verdienen, ist noch nicht vollbracht, aber der Weg ist das Ziel.

Die Kampagnen für internationale Trans*-Rechte sind in vollem Gange. So wurde zum Beispiel im Jahr 2009 die Global Action for Trans Equality (GATE) gegründet, ein #ThinkTank für Transgender Rechte. Sie betreibt Lobbyarbeit für die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation und hat das beigetragen, dass Menschenrechte unabhängig von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität im UN-Menschenrechtsrat behandelt werden.
Die Rechte transgender Personen werden seither auch von Amnesty International als unabstreitbare Menschenrechte betrachtet.

International ist Argentinien Vorreiter. Im September 2015 verabschiedeten sie ein bahnbrechendes Gesetz, indem die Provinz Buenos Aires dazu verpflichtet wird, mindestens 1 Prozent der staatlichen Stellen mit Trans-Menschen zu besetzen. Diesem folgte eine weiteres beispielloses Gesetz im Jahr 2012: Das Geschlechtsidentitäts Gesetz. Dies erlaubt den Bürgerinnen und Bürgern ohne Nennung triftiger Gründe, ihr Geschlecht jederzeit zu ändern.

Auch in Europa haben wir erhebliche Fortschritte zu verzeichnen. Mit Spanien - als erstes katholisches Land - hat im Jahr 2007 das erste Land Europas ein Gesetzt verabschiedet, das Trans*-Menschen es ermöglicht offiziell ihre Geschlechtsidentität zu ändern.
Ähnliche Rechtsvorschriften wurden in Portugal, Malta, Kolumbien und Irland verabschiedet. Auch wenn die Situation für Trans* im eigenen Land gefährlich ist. In Kolumbien sind Übergriffe und Mord - aus Hass und Abneigung - keine Seltenheit.

Meiner Meinung nach haben Schwule, Lesben und bisexuelle Menschen – die bereits gegen historische Vorurteile gekämpft haben und jetzt „einige“ Freiheiten genießen – eine moralische Verantwortung Trans*-Personen bei ihrem „Kreuzzug für Akzeptanz, Sicherheit und Gleichberechtigung“ zu unterstützen.
Unsere Pflicht ist es, solidarisch gegenüber Trans*-Personen zu sein. Sie als einen Teil unserer Community zu verstehen und zu schätzen. Auch wenn es vielen von uns schwer fallen wird, da es immer wieder Trans*-AktivistINNEN gab, die gegen uns Homos gewettert haben. Transphob war und ist keiner von uns - Nur ist es als schwuler Mann schwer zu wissen was eine Trans*-Person eigentlich will.
Ich unterstütze gerne, kann aber keine persönlich vertreten. Ich bin schwul.

Reife und Respekt ist auf allen Seiten erforderlich - und das müssen sich auch Trans*-Aktivisten eingestehen. Andere Ansichten bedeuten nicht, dass man nicht zusammen an einem Strang ziehen kann. Sich selbst ins Abseits zu drängen, drängt zurück und entfremdet einander in der großen weiten LGBT-Community.
Trans*-Sichtbarkeit ist wichtig und muss aktiv gefördert werden. Aber es erfordert intelligente Befürworter, die die Gleichberechtigung nicht nur für andere Trans*-Menschen einfordern, sondern für alle Minderheiten.

Vor fast einem Jahr outete sich der ehemalige Athlet Bruce Jenner als Trans*-Frau und änderte seinen Namen zu Caitlyn. Seitdem ist kaum eine Woche vergangen in der nicht von ihr in den Nachrichten berichtet wurde und mittlerweile ist sie als Modell für H&M Sport und als Partnerin für MAC Kosmetik aktiv.
Eine Trans*-Person im Mainstream sollte begrüßt werden, denn sie hat das Potenzial die Ansichten von verschiedene Generationen gegenüber Trans*-Menschen zu ändern und ist ein großer Schritt nach vorne.
Es wird dringend ein neuer Sprecher, der den Kampf auf die nächste Stufe schafft, ohne andere Menschenrechte zu verunglimpfend, gesucht. Ein Idol, ein Botschafter, einer aus unserer Mitte.
Bis dahin steckt die „Trans*-Befreiung“ in einem Schwebezustand - der bereits Erreichtes nicht wieder zerfallen lassen darf…



Beiträge im Gay.de Magazin, die dich interessieren könnten:
Ist die Szene vom Aussterben bedroht?
Mein erstes Mal auf einem CSD
Sexueller Rassismus - Wie weit darf Mann gehen?
LGBT vs. LSBTTIQ - Netzwerken vs. Menschenrechte
 


Vielleicht auch interessant?

6 Kommentare

Dieser Inhalt muss durch einen Moderator freigeschaltet werden

Gast
Du kommentierst gerade als Gast. Solltest du bereits einen Account haben, logge dich bitte ein.
Schreibe einen Kommentar …

×   Du hast einen formatierten Text eingefügt. .   Restore formatting

  Only 75 emoticons maximum are allowed.

×   Your link has been automatically embedded.   Display as a link instead

×   Your previous content has been restored.   Clear editor

×   You cannot paste images directly. Upload or insert images from URL.



Geschrieben · Melden

Ich bin ein Transvestit und bin Schwul....wo soll ich jetzt hingehören????? In der Gay oder Transen Szene?????

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen
Gast

Geschrieben · Melden

ich habe ein geburtsfeler, aus mier sollte es eine frau geben, aber das komische ist an mier ich habe keinen fleischigen, wie die normalen und gesunden menschen, aber ich besitze nur weibliche hormohne, keine mändlichen aber ich besitze einen ganz kleinen penis so wie ein kleines Kind, nur wen ich eregt werde egal mann/ oder frau.ich habe dan eine grösse fon ca 14cm. das ist sehr komisch, ich hatte viele Frauen, keine hatt erwänt das ich schlecht war im bett, mit Männer hatte ich auch sex aber ich wurde insgeheim (AUSGELACHT ICH WAR SEHR TRAURIG.!!) ABER EIN GEBURTSFELER ZU HABEN IST FÜHR MICH AUF DER GANZEN LIENIE EINE SCHMACH.?? und ich lebe sehr zurük gezogen, mit meinem chihuahuamädchen mein Hund easy.? so meine leidesgenossen, wünsche euch viel glück, und ein langes leben.???

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen
sabine01

Geschrieben · Melden

Ich weiss nicht mehr wo, aber irgendwo auf der Welt gibt es ein Land, oder eine Gegend, da gelten TransGender Menschen als heilig, weil sie beide Geschlechtsmerkmale in sich vereinen. Diese Sichtweise sollten alle Läner übernehmen.

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben · Melden

Als Betroffener kann ich Kiel_oben nur Recht geben. Schöner Kommentar :)

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Geschrieben · Melden

Ein wichtiger, wenn auch wenig ausführlicher Aufruf, wie ich finde. Gerade in Zeiten, in denen in den USA menschenverachtende Gesetze erlassen werden, die Trans-Menschen etwa verbieten sollen, die für sich richtig gewählte Toilette zu benutzen, müsste man eigentlich viel mehr Aufklärung über sexuelle und identitäre Vielfalt betreiben. Leider sind ja noch nicht mal viele bereit, sich überhaupt mit Transgender, Trans-Identität oder Gender-Varianten auseinanderzusetzen. Wenn man mitkriegt, wie viele Gays schon etwa Transgender und Crossdresser, Transvestiten nicht auseinanderhalten können, muss man sich nicht wundern. Da besteht noch jede Menge Aufklärungsbedarf, bevölkerungsweit, würde ich mal sagen. Auch was weitere Variationen im Geschlecht angeht, oder Intersexualität, welche in medizinischen Büchern oft als "Störung der sexuellen Entwicklung" verkauft wird, also schon an diagnostischer Stelle mit einer Art Makel belabelt wird. Diese Pathologisierung von Menschen, die anders normal sind ( Norm-Varianz) muss zu einem Ende kommen, und auch da ist die Wissenschaft aufgefordert,ihre Hermeneutik und die Modelle von der Illusion um die biologischen Normative zu überdenken! Normal ist, dass jedeR anders ist!

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen
tanne

Geschrieben · Melden

och,das ist nun wieder linsen zählerei----soll jeder selbst entscheiden wo er oder sie hin gehört,da sollte man keinen bevormunden---

Diesen Kommentar teilen


Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Aus unserem Magazin

Ähnliche Themen