Manchmal macht es den Anschein, dass hetero- und homosexuelle Männer eine ganz eigene Spezies sind, aber wahrscheinlich sind wir uns alle viel ähnlicher als man denkt. Was uns selbst fremd ist, ist zunächst unbehaglich und wir haben oft Vorurteile. Doch Gay.de nutzt genau diese Stereotypen, um mit den Fragen aufzuräumen, die Hetero-Männer schon immer einmal Homos stellen wollten und umgekehrt. Vielleicht bekommst du Antworten auf Fragen, die du auch schon immer mal einem anderen Mann stellen wolltest. Robert und Sven haben sich zum gegenseitigen Interview getroffen und haben bei ihren Fragen und Antworten kein Blatt vor den Mund genommen.

von Sven Rickert 

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Homo: Hast du schon oder wie oft gab es schon Situationen, in denen du andere Männer als attraktiv oder gut aussehend empfunden hast? Und wurdest du schon von einem anderen Mann angeflirtet? Wie hat sich das für dich angefühlt? Ist es eher ein Kompliment oder greift es dich in deiner Privatsphäre an?

Hetero: Ich bin definitiv kein Mann, der nicht offen zugeben kann, dass ein anderer Mann gut aussieht. Egal, ob ich Kleidung, Frisur oder allgemein das Aussehen besonders finde. Ich denke, dass Männer das generell denken, aber nur wenige sich trauen, es auch auszusprechen. Und ich wurde auch schon ein paar Mal von Männern angeflirtet. Damit habe ich aber auch gar kein Problem, denn ich sehe das total als ein Kompliment an. Vielleicht würde ich sogar behaupten, dass ein Kompliment von einem Mann viel ehrlicher ist und höher anzusehen ist als ein Kompliment vom anderen Geschlecht. Fühle mich in der Hinsicht absolut nicht belästigt oder unangenehm berührt. Ein Kompliment ist doch immer schön, ganz egal von wem es kommt.

 

Ein Beitrag geteilt von Robert Hintz (@rob_hi90) am

Hetero: Unter heterosexuellen Männer gibt es fast schon einen Kult um „Titten“. Das Symbol für attraktive Weiblichkeit sind die Brüste und viele Männer haben diese fest im Blick, wenn sie einer Frau begegnen. Was ist das schwule Äquivalent zu weiblichen Brüsten?

Homo: In der Gay-Szene gibt es eine starke äußerliche Fixierung und quasi eine Art Körperkult, aber ich glaube, dass es nicht nur ein körperliches Merkmal gibt, dass unter allen hoch im Kurs steht. Je nach favorisierter sexueller Rolle ist es unterschiedlich. Es gibt die Arsch-Fixierten und die Size-Queens, die auf Schwänze abfahren. Es geht also eher um die Rundungen, die du in der Hose vorne oder hinten finden kannst. Aber auch eine gut-definierte Männer-Brust könnte mich zum Schwitzen bringen.

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Homo: Nach langem Kampf ist es endlich soweit, dass die Ehe für Alle kommen wird. Glaubst du, dass das Recht der Ehe für Homosexuelle, die Ehe für Heterosexuelle irgendwie schmälern oder angreifen wird? Wie stehst du zu dem neuen Recht der Eheschließung?

Hetero: Klar war die „Ehe für Alle“ in letzter Zeit verstärkt in den Medien, aber ich habe mir da noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich bin von Grund auf ein sehr toleranter und offener Mensch und deshalb freut mich, dass es dieses neue Gesetz gibt. Jeder soll so leben, wie er möchte und wie er glücklich ist. Es geht doch nur darum, dass der Mensch glücklich ist und ob das nun gleichgeschlechtliche Personen sind oder nicht ist mir völlig egal. Ich würde mich da mit jedem Liebesglück von Schwulen genauso mitfreuen und habe auch noch nie schlechte Erfahrungen mit Homosexuellen gemacht. Ganz nach dem Prinzip „Leben und leben lassen“ handele ich und deshalb greift das den Wert und Status der Ehe in keiner Weise an, wenn nun zwei Männer sich das „Ja“-Wort geben dürfen.

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Hetero: Vielleicht können Heteros auch noch was von den Homos lernen, was guten Sex angeht: Gibt es Tipps für einen guten und befriedigenden Analverkehr? Und wenn wir beim Sex-Thema sind, Ist es ein Vorurteil oder ist der „Fekalsex“ weit verbreitet in der Homoszene?

Homo: Wow. Nun bin ich etwas überrascht. Ich glaube der Begriff „Fekalsex“ ist nicht mal in meinem Wortschatz vorhanden. Aber klar, wenn ich darüber nachdenke, dann gibt es schon auf Dating-Plattformen häufig auch Angabe zu „Dirty“-Sexvorlieben, wie zum Beispiel Anpinkeln. Ich bin da allerdings Jungfrau und habe bisher auch keine Absichten in diese Richtung. Ich bin sicherlich nicht repräsentativ für die Gay Community, aber ich glaube, dass „Fekalsex“ nur unwesentlich stärker verbreitet ist als bei Heterosexuellen. Generell glaube ich, dass Schwule wesentlich offener sind und auch gerne mal experimentieren mit ihren Sexualpraktiken. Und ganz in diesem Sinne würde ich auch sagen, dass jeder Hetero seinen Arsch kennenlernen sollte. Oberstes Gebot ist für mich Reinlichkeit und wenn die gegeben ist, dann würde ich sagen, schnapp dir deine Partnerin und probiere einfach alles aus. Mit dem Finger, mit der Zunge, mit Sex-Toys. Jeder mag andere Dinge und hier macht definitiv die Übung den Meister. Immer locker lassen, sollte das Liebesspiel ebenfalls stark erleichtern.

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Homo: Lesben in einen Porno zu zusehen, ist für viele heterosexuelle Männer normal und sehr anregend. Aber auf der anderen Seite ist es anders, wenn Männer zwei Kerle sehen würden. Warum ist das so ein Unterschied? Beim Gedanken an schwulen Sex oder an küssende Männer, was empfindest du dann? Erregung? Abscheu? Inspiration? Neugier?

Hetero: Ja, das stimmt wohl. Also ich finde auch zwei Frauen in Pornos sehr antörnend und gucke mir das gern an. Klar, da sind die Fantasien ganz andere bei einem heterosexuellen Mann. Ich habe noch nie bewusst einen schwulen Porno gesehen, aber ich denke, dass ich da schon eher offen für bin. Ich würde mir aus Spaß auch mal zwei Männer beim Sex angucken. Ich glaube aber, dass ich dadurch keinerlei Erregung verspüren würde. Abscheu klingt zu hart, dennoch bin ich dann nicht inspiriert oder neugierig, dass ich es auch mal versuchen muss.

 

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Hetero: Männer gucken wahnsinnig gerne und viel Pornos. Welche Rubrik bei erotischen Filmen ist bei Homosexuellen am beliebtesten? Woher kommt die Latex- und Leder-Assoziation bei Schwulen?

Homo: Die Frage ist auch ziemlich schwer zu beantworten, denn die Vorlieben und Geschmäcker sind so wahnsinnig verschieden. Es gibt eine ganze Reihe von Rubriken mit unterschiedlichen Ethnien. Große Penisse, Gruppen-Sex, Outdoor-Pornos, bisexuelle Dreier, Twinks & Daddys und vieles mehr. Ehrlich gesagt, kommt es auch total auf die Tages-Stimmung an. Nicht jeder Tag ist ein „Big Cocks“- oder „Gang Bang“-Tag. Am liebsten sind mir allerdings Amateur-Videos, da diese nicht so künstlich und übertrieben sind. Und zur zweiten Frage: Die Latex- und Leder-Szene ist definitiv Teil der Gay Community, aber viele Schwule werden noch nie einen Drang verspürt haben sich in Latex oder Leder einzukleiden. Zum Beispiel die bärigen Kerle tragen häufig Leder. Die Assoziation oder der Stereotyp des Schwulen in Latex und Leder kommt sicherlich aus den Anfängen der Emanzipation der Schwulen-Szene. In typischen Gay-Vierteln gab es auch immer Fetisch-Clubs und vor allem in den 80er Jahren waren die Materialien generell sehr beliebt. Vielleicht bin ich langweilig, aber ich hab nur eine Lederjacke. Aber wie schon erwähnt, man sollte ja offen sein für neue Erfahrungen.

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Homo: Schwuler Freundeskreis? Hast du überhaupt homosexuelle Freunde in deinem Umfeld? Woran liegt es, wenn das nicht der Fall ist? Ist es unangenehm mit schwulen Männern zusammen was zu unternehmen? Beim Sport, auf Gay-Parties oder im Spa?

Hetero: Ich war in München mal in einem Gay Club feiern und muss ehrlich sagen, dass das ein super cooler Abend war. Ich hatte wirklich viel Spaß. Ich hab mich sehr wohl gefühlt und wurde auch nicht ausgestoßen oder so, wenn ich gesagt habe, dass ich nicht auf Männer stehe. Genauso wenig wurde ich doof angegraben oder habe mich dort belästigt gefühlt. In meinem engen Freundeskreis nicht, aber im Bekanntenkreis habe ich auch Homosexuelle. Darüber hinaus hab ich auch einen schwulen Onkel, der zwar in Australien lebt, aber mit dem ich mich auch sehr gut verstehe. Ich bin also keine Jungfrau, wenn es darum geht, dass ich auch zu Homosexuellen Kontakt habe.

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Hetero: Warum steht man auf einen femininen Mann, wenn man doch schwul ist und auf Männer steht? Oft gibt es in den Medien so ein Bild von einem Schwulen, das so tuckig und weiblich ist. Wäre das dann nicht eher unattraktiv, wenn man doch auf einen Mann steht?

Homo: Viel erschreckender, als dass es Männer gibt, die auf einen femininen oder tuckigen Typ stehen, finde ich die Formulierung, dass ein Schwuler „hetero-like“ sein muss, damit er ins Beuteschema passt. Schwul sein ist eine sexuelle Identität bzw. Orientierung und nicht ein Adjektiv über das Aussehen oder den Habitus des Mannes. Mit einer Drag Queen im Freundeskreis habe ich nun auch miterlebt, dass es viele Männer gibt, die auch auf Typen in Fummel und High-Heels stehen. Ich glaube immer noch daran, dass es weder 100 % homosexuell noch 100% heterosexuell gibt. Jeder ist eine Grauabstufung zwischen Schwarz und Weiß und kann ebenso weibliche als auch männliche Attribute attraktiv finden. Ich glaube, dass bei femininen Typen auch immer eine devote und passive Rolle einhergeht und diese für besonders dominante Männer anziehend sind. Schwule mögen es aber eben auch mit den Geschlechter-Rollen zu spielen und die Grenzen verschwimmen zu lassen. Ein Mann muss also nicht wirklich maskulin sein, um ein Mann zu sein. Gerade auch Pansexuelle verlieben sich überhaupt nicht in das Geschlecht, sondern vordergründlich in den Menschen.

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Homo: Coming-Out - Wie würde dein privates Umfeld darauf reagieren, wenn du ihnen sagen würdest, dass du schwul bist? Kannst du nachempfinden, warum das Coming-Out auch heute noch ein schwieriges Thema für Homosexuelle ist? Und wie würdest du reagieren, wenn eines deiner Kinder sich als homosexuelle outen würde?

Hetero: Es wäre schon eine große Überraschung, da ich in meinem Freundeskreis eher der Frauenschwarm bin. Aber ich glaube, da hätte keiner ein Problem mit. Meine Freunde sind genauso wie ich auch sehr locker und tolerant. Ich wüsste niemanden, der damit ein Problem haben könnte. Wenn es nun um meine eigene Kinder geht, muss ich gestehen, dass ich noch gar keine Kinderpläne habe. Ich denke, aber dass ich auch zu meinem eigenen Fleisch und Blut sehr offen und tolerant wäre und Homosexualität gar kein Problem wäre.

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Hetero: Haben Homosexuelle auch einen Wunsch nach Familie und vor allem Kindern oder ist das in der Homoszene nicht so stark verbreitet? Wenn Homo-Paare doch Kinder bekommen wollen, welche Möglichkeiten haben Schwule überhaupt?

Homo: Also ich kenne auch viele schwule Bekannte, die keine Kinder haben wollen und mit Kindern nicht viel anfangen können. Aber ich habe auch Freundinnen, die keinen Nachwuchs kriegen wollen. Ich selbst will auf jeden Fall Vater werden und Kinder haben. Als schwuler Mann ist das auf jeden Fall nicht so einfach. Mit der Gleichstellung der Ehe haben zumindest nun auch homosexuelle Paare das Recht ein Kind zu adoptieren. Wenn das Kind aber die eigenen Gene haben soll, dann ist eine Leihmutterschaft in Deutschland verboten. Dafür reisen Schwule häufig in andere Länder, in denen das möglich ist. Doch bevor ich genau über die Möglichkeiten drüber nachdenke, muss ich erst mal einen Partner haben, der ebenso dieselben Wünsche hat.

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1 Kommentar

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Frisbi83

Geschrieben · Melden

ich finde es schade da man da immer noch so viel unterschide macht, das man wenn schul oder bi ist direkt zu einer ander vergleichen muss .

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