Schimpansen-Jungs genießen es, sich gegenseitig einen zu blasen, Schafböcke, die sich gezielt für Analverkehr entscheiden und - farblich passend - zwei männliche Flamingos, die ein verlassenes Ei einer Artgenossin adoptieren und gemeinsam ausbrüten. Nur drei Beispiele aus bisher über 1.500 Tierarten, bei denen Wissenschaftler Homosexualität nachgewiesen haben. Wohl bemerkt alles keine Notlösung mangels weiblicher Angebote, vielmehr beruht solches Verhalten auf einer freien Entscheidung. In großen zoologischen Gärten werden sogar passende Führungen zum Thema angeboten.

Wenn das nächste mal jemand auf die Idee kommen sollte, Beleidigungen wie 'schwule Sau' rauszulassen, oder einer dieser Ewiggestrigen glaubt, Homosexualität sei pervers und wider die Natur, dann macht solche Zeitgenossen ruhigen Gewissens auf diese Tatsache aufmerksam. Schon die alten Griechen und Charles Darwin (1809 – 1882) dokumentierten, dass Tiere sich nicht nur in Sachen Fortpflanzung vereinigen. Vielmehr suchen diese auch Selbstbefriedigung oder eben einfach 'nur' Spaß – auch mit dem eigenen Geschlecht. Das diese Wahl durchaus keine Notlösung darstellt, belegt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Die Wissenschaftler: „Nach einer weiteren These kommen Tiere zum homosexuellen Verkehr, wenn es an Angehörigen des anderen Geschlechtes mangelt. Doch auch dieser Erklärungsansatz hinkt: Es gibt Tierarten wie zum Beispiel ein bis zwei Prozent der Sträuße, die uneingeschränkt homosexuell sind.“

Schwule Pinguine. Im Bremerhavener Zoo leben sechs von 20 Humboldt-Pinguinen homosexuell. Foto und Titelbild: Zoo Zürich 

Die Experten großer zoologischer Gärten bestätigen die alltägliche gleichgeschlechtliche Zuneigung ihrer tierischen Bewohner. So bieten beispielsweise der Zoo Zürich oder Artis – der königliche Zoo Amsterdam, ihren Besuchern entsprechende Themenführungen an. „Die Idee entstand anlässlich der Austragung der 'EuroGames' im Jahr 2000 in Zürich. Sie wurde zunächst jeweils im Rahmen des schwullesbischen Kulturmonats Warmer Mai angeboten, 2005 dann aber ganzjährig in unser Programm aufgenommen“, beschreibt Rita Schlegel vom Zoo Zürich im Gespräch mit gay.de den Hintergrund des speziellen Angebotes. Anfangs sei dieses durchaus nicht nur positiv aufgenommen worden: „Es gab sogar Proteste der Euro-Games-Gegener“, erinnert sich die Zoo-Sprecherin. Heute stoßen die Führungen leider nur noch auf mäßiges Interesse. Nur zehn der rund 3.000 Buchungen jährlich gelten dem Thema. Auch der Artis Zoo Amsterdam bestätigt im Rahmen solcher Führungen, dass „unter Tieren Homosexualität immer wieder ganz natürlich gelebt wird.“

Affen treiben es eigentlich überall und immer untereinander - egal, ob mit männlichen, oder weiblichen Artgenossen. Foto: Zoo Zürich

Unter dem Titel Sex als Motor der Evolution präsentierte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) eine Ausstellung, die sich 2013 bis 2014 im LWL-Museum für Naturkunde in Münster der schönsten Nebensache der Welt widmete. Fazit der Organisatoren: „Fast immer kommen hetero- und homosexuelle Verhaltensweisen nebeneinander vor, denn sie erfüllen unterschiedliche Funktionen. Bei einigen Tieren etwa gehören gleichgeschlechtliche Verhaltensweisen zum Sozialverhalten. Entgegen früherer Vorstellungen handelt es sich nicht um abnormales Verhalten, sondern um einen Teil des normalen Verhaltensrepertoires vieler Tierarten.“

Homosexualität kommt im Tierreich häufig vor, wie diese Regenbogenfahne aus Arten zeigt, bei denen schwule Handlungen nachgewiesen wurden. Foto: LWL/Oblonczyk

Against Nature? ('Wider die Natur?') taufte das Naturhistorische Museum Oslo seine Ausstellung über die Homosexualität im Tierreich, die von 2006 bis 2007 im Haus gezeigt wurde. Hier staunte das Publikum „über Fotos schmusender Killerwal-Männchen oder einem Modell einer Delfin-Dame, die das Geschlechtsorgan ihrer Partnerin zärtlich mit der schmalen Schnauze stimuliert“ (Focus Magazin). Alle Experten, wie auch das Publikum kamen im Anschluss an ihren Besuch zu einer eindeutigen Antwort auf das provokante Motto: „Widernatürlich? Nein!“ Ein Fazit, das in den Ohren mancher konservativer Zeitgenossen fast so schmerzhaft klingen mag, wie Sex zwischen schwulen Igeln: Auch die Herren unter den Stacheltieren treiben es schließlich ganz gerne mal miteinander...

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Weiterführende Links:

Youtube-Videos: Homosexualität im Tierreich

Wikipedia-Beitrag: Homosexuelles Verhalten bei Tieren

Kölner Stadt-Anzeiger: CSD im Kölner Zoo

Spiegel Online: Schwule Pinguine adoptieren Küken

(Beitrag von Peter Dettmer im Auftrag für Gay.de) 


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2 Kommentare

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tim66bonn

Geschrieben · Melden

Leben und leben lassen

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Roney

Geschrieben · Melden

Schwule Paare in der Tierwelt? Selbstverständlich! Der Beitrag in unserem Magazin zeigt Beispiele auf und bestätigt, dass Homosexualität nicht unnatürlich ist.

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