Traumurlaub schon geplant? Ansonsten bietet die Internationale Tourismus Börse – ITB Berlin 2017 zwischen 8. und 12. März in den Messehallen der Hauptstadt bestimmt wieder die richtigen Tipps. Die Branche hat nämlich das Thema 'Gay & Lesbian Travel' als „eines der wachstumsstärksten Segmente in der internationalen Reiseindustrie“ für sich entdeckt, wie die Gastgeber bestätigen. Und so präsentiert die größte Reisemesse der Welt auch wieder ein großes Angebot für die Community. Die Wahl des richtigen Reiseziels sollte allerdings besonders für unsere Zielgruppe bedacht erfolgen. Im diesjährigen ITB-Partnerland Botswana etwa sind homosexuelle Handlungen unter Strafe gestellt – bei weitem kein Einzelfall.

von Peter Dettmer

Fotos: ITB Berlin

"Andererseits sind LGBT-Traveler in vielen Regionen der Welt noch nicht willkommen", schränken auch die Gastgeber in Berlin ein. Abseits der schwulen Urlaubsklassiker wie Ibiza, Mykonos oder Gran Canaria kann in vielen Ländern das gleichgeschlechtliche Techtelmechtel nämlich günstigstenfalls hinter Gitter führen, oder schlimmstenfalls am Galgen enden. Und dabei muss einen die Reiselust noch nicht einmal zu ausgesprochen exotischen Zielen locken. Auch das Auswärtige Amt warnt beispielsweise auf seiner Homepage offiziell: „Homosexuelle Handlungen sind in Tunesien strafbar.“ Auf Zypern dagegen seien schwule Männer zwar nicht von Gefängnis bedroht, „die soziale Akzeptanz für offene Homosexualität ist aber gering.“

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Botswana ist in diesem Jahr Partnerland der ITB Berlin. Als 'Gay friendly' kann man das Reiseziel allerdings nicht unbedingt empfehlen.

Generell kann man schwulen Urlaubern von islamischen Ländern als Reiseziel nur abraten. In zahlreichen Staaten findet die Scharia Anwendung. Schwule Männer wurden in Marokko bereits verhaftet. In Katar gilt die Todesstrafe für außerehelichen Sex, egal welcher sexuellen Orientierung, in Saudi Arabien werden Homos gesteinigt, während sich der Sudan noch human zeigt: Nach den ersten beiden Vergehen wird der Täter „nur“ ausgepeitscht und – aller guten Dinge sind bekanntlich drei – erst nach dreimaligem Verstoß mit dem Tode bestraft. Alles in allem werden gleichgeschlechtliche Handlungen in über 70 Ländern, die als Reiseziele in Frage kommen könnten, mit mehrjähriger Haft- bis zur Todesstrafe geahndet, darunter auch die überaus beliebten Malediven.

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Die Malediven - hier mit einer kulturellen Darbietung im Rahmen der Tourismusbörse - bilden auch im Spartacus Gay Travel Index die 'Horror-Insel' für Gays.

Die 1993 gegründete internationale Reiseorganisation Gay & Lesbian Travel Associaton (IGLTA), in der auch die ITB Mitglied ist, präsentiert sich seit mehreren Jahren auf der Reisemesse. Die Experten für den schwulen Urlaub haben auch die passenden Tipps für eher entspanntes LGBT-Travel: Japan, Argentinien, Brasilien... es gilt jede Menge Länder in der großen weiten Welt mehr oder weniger risikolos zu entdecken. Die Zielgruppe hat seit 2010 auch einen festen Platz im Kongressprogramm der Messe, wo aktuelle Themen des Segments von Fachleuten aufgegriffen und diskutiert werden.

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Der Gay Travel Index zeigt, dass es um die Rechte von Homosexuellen vor allem in afrikanischen und asiatischen Staaten nicht gut bestellt ist.

„Im Rahmen der Geschäftspolitik der ITB Berlin versteht sich die Messe als Botschafter für Menschenrechte und Toleranz. Daher geht unser Engagement im Bereich LGBT-Travel auch weit über die Messe hinaus“, erklären die Messesprecher und stoßen damit bei den Anbietern auf offene Türen. Praktisch alle großen Veranstalter versuchen mit ihren Gay-Reiseangeboten in der Zielgruppe zu punkten und erweitern ihr entsprechendes Angebot stetig. Fragt man in der Suchmaschine Begriffe wie 'Gay Travel' oder 'schwuler Urlaub' ab, eröffnet sich ein schier unendlich vielfältiges Angebot. Doch wie eingangs erwähnt: Vorher besser gut über die landestypischen Sitten und Gebräuche informieren und ganz sicher nicht schon von vornherein 'kopflos' in das vermeintliche Urlaubsvergnügen aufbrechen.

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Die ITB Berlin 2017 findet von Mittwoch bis Sonntag, 8. bis 12. März, statt. Von Mittwoch bis Freitag ist die Messe nur für Fachbesucher geöffnet. Parallel findet der ITB Berlin Kongress von Mittwoch bis Samstag, 8. bis 11. März 2017 statt, der weltweit größte Fachkongress der Branche.

 


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hasesh1

Geschrieben · Melden

Wo würdet ihr denn hin verreisen? Und wohin auf keinen Fall?

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Die561

Geschrieben · Melden

Am 4.2.2017 at 12:21, schrieb Jacob_Gadget:

Typisch. Wir reduzieren uns scheinbar nur auf Sex und Fun. Eine Wahrheit steckt allerdings auch in dem Slogan: Das die Welt sich rasant verändert hat, Homophobie immer mehr um sich greift und auch liberale, aufgeklärte europäische Kulturländer in einer Rückentwicklung begriffen sind, macht mir persönlich Angst. Ich glaube es wird Zeit, wieder für (Grund-)Rechte einzutreten und nicht billige PR zu der Bedrohung als Gag zu maskieren.

Es ist tatsächlich so - und dies bestätigen alle entsprechenden Befragungen ausnahmslos - das Sex für die große Mehrheit der Gay Traveller eine wichtige Rolle spielt. Ich persönlich finde daran nun auch nichts verwerfliches, Hetereo-Männer, die ohne weiblichen Anhang  auf Tour sind, bilden da auch keine Ausnahme. 

Viel entscheidender bei der Wahl dieses Themas war für mich die zunehmende Bedrohung durch die Radikalisierung der Muslime in fast allen islamischen (Urlaubs-)Ländern, in die früher auch Gays reisen konnten, ohne sich damit in Lebensgefahr zu begeben.

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Frisbi83

Geschrieben · Melden

ja das finde ich auch das alles nur auf sex reduziert wird . und ich finds auch trurig das die Homophobie immer noch so weit weit verbeitet ist .Das wird sich glaubich auch nicht ändern die Homophobie wirds immer geben.

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Geschrieben · Melden

Typisch. Wir reduzieren uns scheinbar nur auf Sex und Fun. Eine Wahrheit steckt allerdings auch in dem Slogan: Das die Welt sich rasant verändert hat, Homophobie immer mehr um sich greift und auch liberale, aufgeklärte europäische Kulturländer in einer Rückentwicklung begriffen sind, macht mir persönlich Angst. Ich glaube es wird Zeit, wieder für (Grund-)Rechte einzutreten und nicht billige PR zu der Bedrohung als Gag zu maskieren.

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