Schon seit Jahrzenten ist ein gewisser Druck unter Homosexuellen zu spüren, dass man körperlich in ein bestimmtes Raster passen muss. Neben dem Fitness-Wahn wird auch Bodymodification immer beliebter in der schwulen Community. Bodymodder, wie solche Menschen genannt werden, verändern ihre Körpersubstanz durch Tätowierungen, Piercings und Cuttings. Doch was steckt wirklich hinter diesem schmerzhaften Trend?

von Sven Rickert

 

Boddymodding ist eine Form um sich einzigartig zu fühlen und von der Masse abzuheben. Der Körper wird dabei als Leinwand betrachtet, auf der der Künstler sein Werk aufträgt. Die meisten Körpermodifikationen sind aber dauerhaft und verändern das körperliche Aussehen nachhaltig. Welche Eingriffe gehören zu diesem neuen Körperkult und was wird dabei mit dem Haut gemacht?

 

Piercings – Bohr dir etwas Metall durch die Haut!

Körperschmuck in Form von Piercings ist schon seit langer Zeit bekannt, erlebt aber in neuster Zeit wieder eine Hochphase. Egal an welcher Körperstelle und in welcher Form, Piercingstudios sind an Terminen weit ausgebucht. Der Kreativität ist beim Piercen wenig Grenzen gesetzt – neben typischen Stellen, wie den Ohren oder an der Nase, werden auch immer häufiger die Brustwarzen oder Körperstellen im Intimbereich durchstochen.  Gerade in den 90iger Jahren lagen auch Augenbraun- und Zungenpiercings absolut im Trend. Studien besagen, dass fast 40 % der Bevölkerung in Deutschland festen Schmuck an ihrem Körper tragen. Aber Vorsicht ist geboten: Hygiene ist besonders wichtig damit es nicht zu Schwellunge, Infektionen oder allergischen Reaktionen kommt. Die ganz Mutigen unter uns Männern lassen sich auch ihr bestes Stück durchstechen und tragen z.B. einen Ring an der Eichel. Mir selbst läuft ein kalter Schauer den Rücken herunter, wenn ich nur daran denke, dass jemand meinen Penis mit einem Metallwerkzeug durchbohren möchte. Der Hang geht auch beim Piercing zu extremen Formen - Männlicher Rekordhalter als meistgepiercter Mann der Welt ist der Deutsche Rolf Buchholz.

 

Cuttings – „Reichen Sie mir das Skalpell, Schwester!“

Bei dieser Körpermodifikation handelt es sich nicht um das „Ritzen“, das meistens Ausdruck psychischer Krankheiten darstellt und ein Schrei nach Hilfe bedeutet. Cuttings ist eine Form des Körperkults bei dem die obere Hautschicht rausgeschnitten wird. In der Folge dieser Behandlung bleiben Narben zurück, die ein Muster oder Bild ergeben können. Cuttings sind definitiv die blutigste Art der Bodymodification – nichts für zart besaitete Menschen. Man spricht auch von Skarifizierung und Cuttings werden von deren Fans wie Tattoos am Körper getragen. Der Skalpell-Führer muss dabei ein besonders feines und ruhiges Händchen haben. Bodymobber sprechen bei der Durchführung häufig von einer Art Rausch und Glücksgefühl, wenn sie den Schmerz spüren. Bodymodification hat immer wieder auch einen sexuellen Hintergrund, denn Viele spüren Befriedigung bei einer erneuten Veränderung ihres Körpers. Die Gründe sich für ein Cutting zu entscheiden sind genauso bunt, wie das Leben selbst. Individualismus und Ausdruck innerlicher Gefühle spielen eine starke Rolle in der Bodmod-Szene. 

 

Branding – Gib mir ein Brandzeichen, Gebieter!

Was bei Pferden oder Kühen in der Viehhaltung ein dauerhaftes Zeichen hinterlässt, wird auch irgendwann ein Trend bei den Menschen. Bei diesem Schönheitsideal des Brandings handelt es sich ebenfalls um eine Skarifizierung, denn die verbrannte Haut vernarbt und hinterlässt ein bleibendes Muster. Es existieren zwei Varianten: Bei der Heißbrand-Version wird ein Eisen erhitzt und auf die Haut gedrückt. Es gibt allerdings auch eine Kaltbrand-Variante. Hierbei wird das Eisen im flüssigen Stickstoff auf Minus 80 Grad Celsius heruntergekühlt und auf die Haut gepresst. Die Wahl steht einem also frei ob man Verbrennungen oder Erfrierungen haben möchte. Bei Bodymodication ist die Grenze zwischen ernsthaften Verletzungen des Körpers und einer Kunstform sehr klein und Professionalität des Praktizierenden ist höchstes Gebot. Brandings sind sehr aufwendig, denn die verwendeten Eisenmuster, werden auf Wunsch individuell auf den Kunden angefertigt. Mittlerweile gibt es aber auch in Branding-Studios Brenn-Kugelschreiber, die es möglich machen ein Verbrennungs-Muster live beim Vorgang zu gestalten und zu verändern. Brandings gehören nicht zu den dauerhaften Veränderungen der Körpersubstanz – meistens halten sie fünf bis sieben Jahre auf der Haut. 

 

Tätowierungen – Farbe gehört unter die Haut nicht aufs Blatt Papier!

Tattoos sind fast so alt wie die Menschheit selbst und mittlerweile trägt jeder vierte Deutsche eins dieser Bildchen unter der Haut. Dabei hatten die Bilder und Zeichen auf der Haut verschiedene Funktionen und Bedeutungen. Sie dienten der Kennzeichnung, Verschönerung oder galten als Brandmarkung. Jahrzehnte lang als Symbol von Gefängnisinsassen verschrien, ist heutzutage eine Tätowierung in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der Körperschmuck, bei dem mit feinen Nadeln Farbe unter die Haut gestochen wird, gehört zum Alltag dazu und ist selbst in vielen Berufen kein Problem mehr. Die meisten Menschen lassen sich im Alter zwischen 25 und 34  Jahren tätowieren. Aber Tattoos sind unvergänglich unter der Haut und nicht Wenige bereuen ihre Entscheidung sobald sie merken, dass ihr Körperschmuck dauerhaft ist und es ihnen nicht mehr gefällt. Die Entscheidung sich tätowieren zu lassen, sollte also immer gut überlegt sein und das Motiv sollte etwas zeitloses sein. Auch die richtige Wahl des Tätowierers und Tattoostudios kann die Freude über das gestochene Kunstwerk beeinflussen. Mit dem Trend der Tätowierungen wurden auch Laser-Behandlungen zur Entfernung oder Cover-Up-Techniken, bei denen ungeliebte Tattoos überstochen werden, immer gefragter. 

 

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Implantate – eine besondere Form der Schönheits-OP!

Der meistgepiercte Mann der Welt Rolf Buchholz ist ein perfektes Beispiel eines Bodymodders. Neben den vielen Piercings hat er ebenfalls Implantate in seinen Körper eingesetzt. Auf seiner Stirn zieren hornähnliche Implantate seinen Kopf, die an eine Art Ziegenbock oder sogar den Teufel erinnern könnten. Der Philosophie der Bodmod-Fans wird bei ihm deutlich: Die körperliche Form soll bei diesem Körperkult so verändert werden, dass man der menschlichen Gestalt immer unähnlicher wird. Bei Implantaten werden Kugeln, Stäbe oder jegliche andere Formen unter die Haut geschoben, sodass Wölbungen entstehen, die mit der natürlichen Form des Körpers wenig zu tun haben. Neben den von Haut überzogenen Implantaten gibt es auch Transdermals. Hierbei wird eine Metallplatte unter die Haut operiert, durch die dann wiederum eine Schraube gebohrt wird. Die sichtbare Schraube dient dann zur Installation von Körperschmuck, ähnlich wie bei einem Piercing. Ein berühmtes Beispiel von Implantat-Trägern ist z.B. der Tiger-Man, der sich durch Tätowierungen, Implantaten und Transdermals der Form eines Tigers immer mehr angleicht.  

 

Habt ihr selbst schon eine Körpermodifikation durchführen lassen? Was haltet ihr von diesem Körperkult? Hinterlasst uns eure Meinung und diskutiert in den Kommentaren ob dies eher eine Verstümmelung oder doch Kunst ist.


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11 Kommentare

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phobus911

Geschrieben

es sollte ansehnlich sein, :)

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Andy1001

Geschrieben

Es sollte alles in Maßen sein.

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Yugoboy91

Geschrieben

Unnötig stört nur beim Sex

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Karsten29

Geschrieben

Punktuell ja . Aber nicht den kompletten Körper zupflastern.

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danny737

Geschrieben

Hat was .)

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Brain2711

Geschrieben

Ein Piercing oder auch Tattoo geht in Ordnung. Aber wenn es zu viele werden finde ich es nicht mehr schön. Aber jedem das was und wie er/sie es mag.

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Elias0815

Geschrieben

Universum67 wers mag. Aber ich gebe dir recht, wenn richtig, dann. Profi. Ich nicht Tattoo, Percing aso. Das tut weh ...

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BiNylonica

Geschrieben

Ich finde Piercings total geil aber nur bis zu einer bestimmten Größe und es sollte nicht zu viel sein.Intimschmuck gefällt mir gar nicht.

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Claudiatv54

Geschrieben

Es ist Geschmackssache, ich trage Ringe und auch Ohrschmuck, wo bei es sich nicht um Herren sondern Damen Schmuck handelt. Weil es mir gefällt und anscheinend auch Frauen und Männern gefällt, sonst würden nicht viel Frauen und Männer mir freundliche blicke zu werfen.

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micha4569

Geschrieben

ich glaube das ist Geschmackssache! einigen steht es und vielen nicht! ;)

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Universum67

Geschrieben

Das ist etwas, was jeder selber für sich entscheiden muss. Wenn er es tut, sollter es aber professionell machen lassen. Ob jemand damit hübsch, attraktiv, verführerisch oder geil aussieht? liegt in der Entscheidung des Betrachters. Sollte sich dadurch der Träger beeinflussen lassen? nö. In dieser Frage: jedem wie es ihm gefällt!

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