Einige werden in der Szene bei Gesprächen im Bekanntenkreis, beim Online-Dating oder auf Info-Ständen beim CSD schon den Begriff „PrEP“ gehört haben. Doch nicht jeder kennt sich ausreichend mit der „Pille gegen HIV“ aus – das Halbwissen über dieses Medikament birgt Gefahren beim Geschlechtsverkehr. Auch wenn es PrEP nun in Deutschland gibt, ist dies noch nicht der Freifahrtschein für den Bareback-Sex und wilde Orgien ohne Schutz. Dieses Arzneimittel ist nicht für die breite Masse gedacht, sondern in erster Linie für Männer mit einem hohen Ansteckungsrisiko.

von Sven Rickert

PrEP feiert einjähriges Jubiläum auf dem europäischen Medikamentenmarkt, denn im August 2016 hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) gegen HIV die Zulassung erteilt. Seit Oktober letzten Jahres ist die Pille für den sexuell-aktiven, schwulen Mann auch in Deutschland erhältlich und muss nicht mehr über das Internet aus Indien oder Afrika bestellt werden. PrEP ist eine Revolution in der Aids-Bekämpfung und ein großer Schritt in der medizinischen Forschung. Durch die Kombination aus den Reverse-Transkriptase-Hemmern Tenofovirdisoproxil und Emtricitabin (Truvada®) ist es möglich, sich gezielt medikamentös vor der HIV-Infektion zu schützen.

 

Leben mit HIV: 70.000 Menschen in Deutschland sind HIV+

In Deutschland leben knapp 70.000 HIV-Erkrankte und seit dem Beginn der Epidemie hat die Immunkrankheit mehrere zehntausend Menschenleben in der Bundesrepublik gefordert. Obwohl jeder Mensch sich anstecken kann, galt Aids lange Zeit als die „Schwulen-Seuche“. Bereits seit den 80iger Jahren wurde nach Heilmitteln gesucht und Millionen an Spenden-Geldern flossen in die Forschung zur Bekämpfung der Krankheit. Es hat sich einiges getan - mittlerweile können Menschen mit entsprechender Therapie ein langes und erfülltes Leben führen. Die Ansteckung muss nicht mehr bedeuten, dass man daran auch sterben wird. Mit der PrEP ist nun ein Mittel erhältlich, dass dazu dient, sich vor dem HI-Virus zu schützen. Als Prophylaxe vor einem sexuellen Kontakt mit einem infizierten Partner wird regelmäßig und kontinuierlich ein Wirkstoff eingenommen, der sich über mehrere Tage im Blut anreichert. Die Wirkung ist diese, dass die Viren sich nicht mehr im Körper festsetzen, sich nicht vermehren können und abtransportiert werden. 

 

Ist PrEP ausschließlich für Schwule?

Zusammenfassend und in einfachen Worten gesagt:  HIV-negative Menschen nehmen HIV-Medikamente ein, um sich nicht mit HIV anzustecken. Das Medikament zur PrEP ist auch wirklich nur für Männer vorgesehen. Speziell für MSM, was so viel wie „Männer, die mit Männern Sex haben“ bedeutet. Die Deutsche Aids-Gesellschaft (DAIG) hat für die PrEP klare Empfehlungen für die Zielgruppe herausgegeben. Ausschließlich HIV-negative Menschen profitieren von einer PrEP, weshalb vor einer Behandlung mit dem Medikament eine bereits vorhandene HIV-Infektion mit Sicherheit ausgeschlossen werden muss. Ebenfalls wird in den Empfehlungen von einem hohen Ansteckungsrisiko gesprochen. In diese Kategorie fällt man, wenn man innerhalb der letzten 3-6 Monate analen Geschlechtsverkehr ohne Kondom mit mehr als zwei Partnern hatte und diesen wahrscheinlich auch in den nächsten Monaten haben wird. Ebenfalls zählen MSM dazu, die ungeschützten Sex haben und mindestens einer der Partner im letzten Jahr eine neu diagnostizierte STI (sexuell übertragbare Infektion) hat/hatte. Aber ganz entscheidend ist natürlich, PrEP soll davor schützen, wenn HIV-negative mit HIV-positiven Menschen ungeschützten Verkehr haben und deshalb ein erhöhtes Ansteckungsrisiko besteht.

 

Der Schutz vor einer HIV-Ansteckung beträgt keine 100%

Die Studie iPrEx (Pre-exposure Prophylaxis Initiative) war die erste weltweite Studie zur Wirksamkeit der PrEP. Das Ergebnis war: PrEP schützt HIV-negative MSM bei zuverlässiger täglicher Einnahme von Tenofovir/Emtricitabin (Truvada®) zu 90% vor einer HIV-Infektion.  Risikofaktor des Medikaments und in der Wirksamkeit ist die Kontinuität der Einnahme. Ist die Regelmäßigkeit durch das tägliche Schlucken der Pille nicht gegeben, so sank der Schutz vor HIV rapide. Bei weniger als 4 Tabletten pro Woche war der Schutz gar nicht mehr nachweisbar, da der Wirkstoff im Blutspiegel zu niedrig war. Positiv wurde festgestellt, dass Resistenzen von HIV gegen das vorbeugende Medikament nicht auftraten und die Verträglichkeit des HIV-Medikamentes nur durch vereinzelte Nebenwirkungen sehr gut war. 

Zwei neuere europäische Studien (PROUD1 und IPERGAY2) haben der PrEP noch eine höhere Wirksamkeit nachgewiesen, aber ebenfalls die Einflussfaktoren betont. In den Untersuchungen sank das Risiko für eine HIV-Infektion im Durchschnitt um 86 Prozent. Die Therapietreue ist und bleibt der entscheidende Faktor: Wer die Tablette gemäß der Vorschriften kontinuierlich einmal täglich einnahm, konnte einen nahezu vollständigen Schutz von bis zu 99 Prozent erzielen. Die Studien besagen ebenfalls, dass PrEP als ein zusätzliches Verhütungsmittel genutzt werden soll. Die Empfehlungen beraten den Nutzer zu einer weiteren "Safer-Sex"-Maßnahme, wie dem Kondomgebrauch. Die positiven Befunde der Wirkung von PrEP lassen jedoch vermuten, dass MSM das Medikament benutzen um „ohne Gummi“ Sex zu haben. Ganz abgesehen von HIV, ist ungeschützter Geschlechtsverkehr immer noch ein Risiko für alle anderen STI vor denen das Präparat nicht schützen kann. 

 

Eigene Vorbeugungen und Vorkehrungen sind immer noch der beste HIV-Schutz

Eine PrEP-Einnahme bringt ebenfalls eine ganze Hand voll Pflichten und Verantwortungen mit sich. Um mögliche Nebenwirkungen auszuschließen, ist in viertel- bis halbjährlichen Abständen die Nierenfunktion zu überprüfen. Außerdem sind regelmäßige Arztbesuche und HIV-Test unabdingbar um die Wirksamkeit der PrEP zu gewährleisten. Der unsachgemäße Gebrauch des Arzneimittels wird ebenfalls durch den hohen Preis des Präparats bedingt. So fallen bei regelmäßiger Einnahme von Truvada® Kosten von monatlich etwa 800 Euro an. Ähnliche Mittel aus dem Ausland sind zwar kostengünstiger, können jedoch nicht denselben Schutz garantieren. Beim Geschlechtsverkehr mit einem PrEP-nehmenden Partner ist immer auch das Vertrauen ein Einflussfaktor. Denn, wenn die „Pille gegen HIV“ nicht richtig eingenommen wird, lässt der Schutz sofort nach. Im sexuellen Spiel mit seiner Gesundheit sind eigene Vorbeugungen und Vorkehrungen immer noch der beste Schutz. 

Die Forschung in der HIV-Prävention ist dennoch und gerade deshalb weiter aktiv. Der Hersteller von Truvada, Gilead, will einen Truvada®-Nachfolger mit dem Namen Descovy auf den Markt bringen und verordnungsfähig machen. Descovy soll noch verträglicher sein als sein Vorgänger und wird gerade in einer Studie auch in Deutschland getestet.


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12 Kommentare

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micha4569

Geschrieben · Melden

war wohl nicht dick genug. :)

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YoshiFtM

Geschrieben · Melden

Am 12-8-2017 at 07:45, schrieb micha4569:

Was ist PrEP?

Steht doch am Anfang ganz dick als Erklaerung ;-)

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Wichtel79

Geschrieben · Melden

Meine Meinung zu solchen Sachen... Wieder ein weg das die Pharma Lobby Geld verdienen kann. Ich finde für mich solche Präparate so Sinnvoll wie Impfungen. Kann Helfen, kann nützlich sein. Aber Nebenwirkungen, Gesundheitlich Aspekte, Risiko! Wäre mir zu Hoch ! Ich kenne sehr sehr sehr viel Studien zu Medikamenten und Impfungen. Sorry, aber das ist alles so sicher wie Kondome und Schwangerschaft, kann Schützen muss es aber nicht! Es gibt immer ein Restrisiko und das liegt einfach daran das jeder Mensch anders gebaut ist.

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susi49

Geschrieben · Melden

schön das ihr euch hier mit eurem wissen ausstechen wollt. aber der junge wollte einfach nur wissen was PrEP ist und keine Doktorarbeit schreiben.

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LostSoul69

Geschrieben · Melden

Kondome schützen nicht vor Hep durch GV? 🙄 Das erklär mal bitte..

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gaymalets

Geschrieben · Melden

PreP ist eine weitere Möglichkeit sich vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Allerdings sollte man sich nicht von nem Bekannten ne Truvada geben lassen und glauben, man sei jetzt vor HIV geschützt. 

Eine PrEP sollte nur im Rahmen einer ärztlichen Betreuung genommen werden.

Dazu gehört sich auf jeden Fall vorher auf HIV testen zu lassen, um das Medikament für eine Mögliche Behandlung im Falle einer Infektion benutzen zu können. Genauso sollte vorher die Nierenfunktion getestet werden, damit es keine Komplikationen gibt, da das Medikament von den Nieren abgebaut wird.

Und vor allem sollte man sich, wenn man häufig Sex mit wechselnden Sexpartnern hat, d.h. auch während einer PrEP Einnahme, regelmäßig auf andere STIs (Hepatitis, Syphilis, Clamydien, ...) testen lassen, da die PrEP nur vor einer HIV-Infektion schützt.

Hast Du Interesse an einer ärztlich betreuten Einnahme einer PrEP, wende dich vertrauensvoll an einem Arzt aus einer Schwerpunktpraxis (Ärzte die eine HIV-Behandlung anbieten).

Weitere Informationen zur PrEP findest du auch bei auf der mancheck Seite bei FB oder direkt bei mancheck-berlin.

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gaymalets

Geschrieben · Melden

vor 10 Stunden, schrieb ems029:

Ist ja gut und schön, und was machen die Hepatitis Vieren? Die sitzen daneben und lachen sich einen. Entweder fester Partner, oder Kondom beim Sex ist meine Meinung.

Kondome schützen nicht vor einer Übertragung von Hepatitis

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chinesepablo

Geschrieben · Melden

Hab gehört es gibt Nutten die das nehmen... soll arsch-teuer sein und das Herzinfaktrisiko erhöhen

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Moehrchen152

Geschrieben · Melden

Hallo Micha4569, hier meine Antwort auf deine Frage was PrEP ist. Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist eine biomedizinische Präventionsmaßnahme, bei der HIV-negative Personen präventiv Medikamente der antiretroviralen HIV-Therapie einnehmen, um sich vor einer möglichen HIV-Infektion zu schützen. Als Medikament für eine Präexpositionsprophylaxe wird meist Emtricitabin plus Tenofovir (Truvada) eingesetzt, welches ansonsten Bestandteil einer HIV-Therapie bereits infizierter Personen ist. Weitere getestete Wirkstoffe sind Tenofovir (Viread) allein und Maraviroc (Celsentri). Seit dem 22. August 2016 ist Truvada zur PrEP in der EU zugelassen.

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JustMe1968

Geschrieben · Melden

vor 4 Stunden, schrieb micha4569:

Was ist PrEP?

Das ist ja oben ausführlich erklärt. :confused:
Nicht zu verwechseln mit PEP (POST-Exposition-Prophylaxe). Die HIV-Postexpositionsprophylaxe (PEP oder HIV-PEP) ist eine vierwöchige antiretrovirale Behandlung, um eine HIV-Infektion nach potentieller Exposition zu verhindern.

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ems029

Geschrieben · Melden

Ist ja gut und schön, und was machen die Hepatitis Vieren? Die sitzen daneben und lachen sich einen. Entweder fester Partner, oder Kondom beim Sex ist meine Meinung.

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micha4569

Geschrieben · Melden

Was ist PrEP?

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