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Minotaurus

Eiertanz im Deutschen Fußballbund

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Minotaurus
Geschrieben

Obwohl frisiert wie ein Fünfzehnjähriger und anscheinend in seinem Handlungsgebaren ebenso spätpubertär, greint da ein ehrgeiziger Schiedsrichter von 27, also mithin zumindest laut Geburtsurkunde erwachsen, er sei "sexuell belästigt" worden. Und das nicht einmal, nein, mehrmals über etliche Jahre hinweg. Er habe sich solcher Zudringlichkeiten nicht erwehren können (wollen? dürfen?), weil seine Karriere als Pfeifenmann wichtiger gewesen sein soll als die Unschuld seiner unschwulen Haut. Wie barmte dieser Michi Kempter doch? Der böse, böse Schiedsrichterunhold Amerell habe ihn, den pfeifenden Junghasen, "sogar auf den Mund geküsst". Ein Glück nur, dass Michi auf dem Fußballfeld nicht in Ohnmacht versunken ist, wenn nach einem geglückten Torschuss die Spieler jeweils in einer Kuss- und Knutschorgie übereinander herfallen als sei's eine Party im Schwulenclub.

Nun gut, zwei erwachsene Männer sind in irgendeiner Weise verbandelt, und das ist deren Privatsache. Wen geht's was an? Niemanden! Außer einem gewissen Franz-Xaver Wack, der als wackerer Hüter der fußballerischen Moral schon vor Jahren den DFB auf die Liaison Kempter-Amerell hingewiesen haben will. Es darf schon gefragt werden, was diesen vorgeblichen, aber außeramtlichen "Vertrauensmann der Schiedsrichter" umtreibt, welche Motive er für seine schäbige Denunzierung hatte und hat. Wie kommt es eigentlich, dass DFB-Präsident Zwanziger diesem dubiosen Herrn Wack mit dem bicolorierten Haupthaar interne DFB-Akten aushändigt, damit dieser in einer Nacht- und Nebelaktion Amerells Frau überfallen kann mit der Unheilsverkündung: "Spatzerl, Du weißt gar nicht, was los ist"?

Höchste Zeit wird es für die in dieser Hinsicht merkwürdig stille Presse, zum einen Wacks Interessenlage gründlich zu durchleuchten, und zum anderen der mediokren Gschaftlhuberei zwischen Wack und Zwanziger auf den Grund zu gehen. Wer sucht, der findet. Und ebenso merkwürdig mutet an, wie verschämt die Fußballfreunde hier auf der Seite dem Thema Kempter-Amerell bislang aus dem Wege gehen.


Geschrieben

Hmmm @ Minotaurus ...
Fußball ist in Deutschland eine heilige Kuh ...
Etwas gegen den DFB, deren Funktionäre oder den Bezahl-Fußball zu schreiben gleicht einem Suizid.

Wenn Gelder fließen ist es kein Sport mehr!

Geschrieben

Ich nehme mal an, da werden krampfhaft Gründe gesucht, um einen Menschen in Ungnade zu werfen, und da ist jedes Mittel recht. Es ist ja bekannt, dass besonders die Kombination Fußball und schwul bei der Fach- und Fangemeinde so gaaaar nicht geht, und da käme sowas sicher grade passend.

Andererseits gibt es Erwachsene, die sexuell belästigt werden. Nicht jeder lebt als sexgewandtes, mit allen Wassern gewaschenes Individuum, nicht jeder kann so einen Kram zwingenderweise ab. Leute haben Angst davor, von anderen für schwul gehalten zu werden, weil es negative Entwicklungen im weiteren Leben verursachen kann. Die Freundin kriegt es mit und denkt sich "igitt und mit dem bin ich zusammen?" oder sonst sowas. Andere Konstellation : Einer will den anderen nicht kränken, ihm nicht wehtun, oder sagt sich, solange er mich nur anquatscht, ist da kein Problem, wenn er dann anfängt mit Anfassen, sagt man ihm schon die Meinung -- bloß in der Wirklichkeit macht er's dann nicht, denn könnte ja die Freundschaft abseits der Privatinteressen / Gefühle des anderen bei draufgehen. Von Leuten, die einer Frau nicht mit einer blanken Abfuhr wehtun wollten, und wo das bis hin zu eigentlich unerwünschten Berührungen,Liebeserklärungs-Dulden und gar Küsschen ging, obwohl der Kerl keine Spur von Zuneigung empfand, hat man das doch öfter schon mitgekriegt.

Und wenn die Beiden heimlich zusammen hängen, es aber offiziell nicht zugeben können oder wollen, müssten eigentlich die Leute am üblen Pranger enden, die keinen Respekt vor Jemandes Privatsphäre haben.


Geschrieben

na wenigstens spielen sie sich nun an den eiern


Libra
Geschrieben

"Bist du schwul, bist du pfui!"

In der Arena der Männlichkeit: Wie der Fall Amerell die moralische Leere, den Materialismus und die fehlende Ethik im Fußball offenbart. Ein Essay von Adrian Lobe

"Amerell vs. Kempter" – so titeln die Gazetten des Landes in lakonischer Knappheit den Konflikt zwischen DFB-Funktionär Manfred Amerell und Bundesliga-Schiedsrichter Michael Kempter. Als ginge es um ein Box-Duell. Nur einer kann gewinnen – diese Botschaft klingt im Subtext mit. Sie ist symptomatisch für die raue Welt des Fußballs, in der Tugenden wie Härte, Robustheit und Siegeswillen dominant sind.

Die schmutzige Schlammschlacht wirft ein Schlaglicht auf Homosexualität im Fußball. Noch immer ist es ein Tabuthema. Keiner traut sich, offen darüber zu reden. Schwul zu sein gilt als Fauxpas, als No-go, als etwas absolut Undenkbares.

Es ist schon ein wenig grotesk: Da regieren in Berlin und Hamburg zwei bekennende homosexuelle Oberbürgermeister, erfolgreiche Entertainer wie Hape Kerkeling stehen zu ihrer Neigung, und auch Vizekanzler Guido Westerwelle ist schwul. Die sexuelle Vorliebe wird ihnen nicht als Malus attestiert, ganz im Gegenteil: Das öffentliche Bekenntnis von Klaus Wowereit etwa machte ihn zu einem populären Politiker der Berliner Bühne. Was er beruflich und privat tut, wird stets getrennt. Dieser Umgang zeugt nicht nur von politischem Feingespür, sondern auch von einem egalitären Geschlechterverständnis, wie es einer modernen, aufgeklärten Gesellschaft angemessen ist.

In Deutschland sind gleichgeschlechtliche Ehen gesetzlich anerkannt und heterosexuellen Lebensgemeinschaften gleichgestellt (Ausnahme: Adoption). Auch gesellschaftlich findet Homosexualität Akzeptanz. Freilich gibt es hie und da konservative Flecken auf der Landkarte, wo gleichgeschlechtliche Partnerschaften (noch) auf Vorbehalte stoßen. Generell ist aber zu konstatieren, dass das Thema offen angegangen wird und längst nicht mehr den "Igitt-Stempel" an sich trägt, wie es vor Jahrzehnten noch der Fall war.

Umso mehr verwundert es, dass Homosexualität im Fußball des 21. Jahrhunderts tabuisiert, ja skandalisiert wird. Woher rührt die ablehnende, mancherorts zum Teil feindliche Haltung gegenüber Schwulen?

In erster Linie hängt es damit zusammen, dass in den Fußballstadien der Republik andere Gesetze herrschen. Das mag floskelhaft klingen – es ist aber soziologisch belegt, dass in der Welt des runden Leders eigene Codes herrschen, spezielle Umgangsformen, die jeder gesellschaftlichen Gruppe zu eigen sind. Und in der Gruppe Fußball wird das Attribut Schwulsein als Stigma benutzt, um andere zu diffamieren. Man stellt es auf eine Ebene des Ruchbaren – auch um sich davon abzugrenzen.

Wenn Sprechchöre wie "Schwule Sau", herausgegrölt aus Tausenden Kehlen, durchs Stadion hallen, tritt ein Peinigungseffekt ein, der dem Betroffenen Schamgefühle suggerieren soll. Eine bizarre Erziehungsmaßnahme, mit der infamen Botschaft: "Bist du schwul, bist du pfui!" Der Torwart, der mit einem rosafarbenen Trikot aufläuft, muss sich Skandierungen wie "Da steht ein Schwuler im Tor!" gefallen lassen.

Nirgendwo sonst in der Gesellschaft wird es toleriert, wenn andere Menschen aufs Übelste beschimpft werden. Im Fußball hingegen wird keiner dumm angeschaut, wenn er infernalische Hassgesänge anstimmt und dem Gegner wünscht, er möge in der Hölle schmoren. Oder eben Spieler als "Schwuchtel" verunglimpft. Derlei Despektierlichkeiten gehören zum Repertoire großer Teile des Publikums.

Der Grund dafür, dass die Uhren im Fußball sprichwörtlich anders ticken, liegt darin, dass der Sport in eine vormoderne, gar urzeitliche Umgebung eingebettet ist. Motto: Der Stärkere behält die Oberhand, der Schwächere verliert. Ein Nullsummenspiel. Gefragt sind Fußballer mit "Eiern" (Oliver Kahn). "Fußball ist echter Männersport, und nichts für Tunten", sagte einmal der ehemalige Hertha-Profi Axel Kruse. Der Mann als Alpha-Tier, der sich tollkühn und kampfesmutig in den Ring stürzt – so betrachten sich die Sportler selbst, und so wollen sie die Zuschauer sehen.

Schwächen, Sorgen und Sentimentalitäten passen nicht ins Gefüge. Und in der Tat entspringt es ein wenig tradierten Männlichkeitsritualen, wenn Fußballer den Gegner niederbrüllen, Kopf an Kopf in Stiermanier Kräfteverhältnisse ausloten und sich dann als Helden feiern lassen. Die Schlachtrufe aus dem Publikum bilden dabei den Rahmen des archaisch anmutenden Schauspiels.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass das Fußballstadion die Funktion eines Ventils erfüllt: Fans können Dampf ablassen, sich Luft verschaffen von Demütigung im Beruf oder Alltag. Was man an Stress mit dem Chef oder der Frau nicht richtig verarbeitet hat, brüllt man im Stadion eben hinaus. Dass es mitunter derb und rustikal zugeht, entspricht dem Bild von Mannhaftigkeit. "Fußball ist das letzte Reservat echter Männlichkeit", sagt die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling.

Es scheint, als befänden wir uns in einem anachronistischen Raum, einer Arena des Kräftemessens mit einem informellen, machistischen Regelwerk. Die offiziellen Regularien sind nur eine vordergründige Fassade, Gleichheit vorzugaukeln. In Wahrheit ist die Welt des Fußballs in höchstem Maße materialisiert und moralentleert – es fehlt ein ethischer Unterbau. Wenn Sieg oder Niederlage über millionenschwere Preisgelder entscheiden, bleiben Werte wie Maßhalten, Gleichberechtigung oder Toleranz oft auf der Strecke.

Und in dem kraftmeierischen, vor Männlichkeit strotzenden Mikrokosmos haben homosexuelle Eigenschaften schlicht keinen Platz. Allein, mit ihnen zu kokettieren, wie es beispielsweise Englands Fußballstar David Beckham abseits des Fußballplatzes tat – für ihn wurde eigens das Label "metrosexuell" erfunden –, stellt einen Drahtseilakt dar. Vermeintlich weiche Neigungen gelten als erfolgsmindernd, als undizipliniert und mädchenhaft. Nur der hartgesottene, standhafte Profi kann Erfolg haben – das ist noch immer die trügerische Idealvorstellung, die den Sport prägt.

Demgegenüber gelten Schwule als Weicheier, Leidige und Sonderlinge. Das Zerrbild wird bei jeder Schmähung perpetuiert. Und darauf werden Hassmotive projiziert, dergestalt, dass sich dieses Zerrbild verfestigt und zum regelrechten Stigma mutiert. Homosexualität wird als Schwäche ausgelegt, die einem unabwendbar anhaftet. Sich ihrer zu entledigen? Undenkbar!

Da passt es nur zu gut, dass Ober-Macho Rudi Assauer, einst in Diensten des FC Schalke 04, vor wenigen Tagen schwulen Fußballern riet, sich einen anderen Job zu suchen. Assauer weiß: "Im Fußball funktioniert das nicht. Die, die sich outen, werden plattgemacht. Von ihren Mitspielern und von den Leuten im Stadion. Diese Hetzjagd sollte man ihnen ersparen." Es ist schon erstaunlich, dass ein ehemaliger Bundesligamanager sich zu solchen Aussagen versteigt. Gleichzeitig offenbart es aber auch, wie es um die Binnenstruktur des Fußballs bestellt ist.

Nimmt man die Zahl der Homosexuellen in der Gesellschaft – Schätzungen zufolge rund fünf Prozent – zum Maßstab, müsste es allein in der Bundesliga rund 40 schwule Fußballprofis geben. Outen möchte sich jedoch niemand – zu groß ist die Furcht, beim nächsten Spiel verhöhnt zu werden.

Aus Angst vor bösen Schmähungen und üblen Hetzkampagnen ist das knallharte Geschäft umgeben von einer Omertà, einer Mauer des Schweigens. "Wenn niemand etwas sagt, schweige ich auch" – dieses Credo lastet bleischwer über der abgeschotteten Welt des Fußballs. Denn auch innerhalb des Fußballzirkus erwächst Druck: Keiner weiß, wie Fans, Betreuer oder Mannschaftskollegen reagieren würden, wenn sich ein Profi offen zu seiner Homosexualität bekennt. Vermutlich drohten dumme Sprüche, Mobbing, im schlimmsten Fall Isolation.

Vor diesem Hintergrund ist es nur logisch, dass die Angst vor dem ersten Schritt umhergeistert. Zwar könnten dem ersten Coming-out viele andere folgen. Doch derzeit scheint die Zeit dafür nicht reif. Zumindest noch nicht.

Geschrieben

Meine Zeit als Fußballer liegt schon einige Zeit zurück und meine Kariere war auch verletzungsbedingt nicht alzu lang.
Jedenfalls gab und gibt es immer Schwule, die sehr gut Fußball spielen können.

In meiner Laufbahn kenne ich zwei Spieler die nur auf Männer standen und das wurde von den Mitspielern akzeptiert, manchmal mit Blödeleien wie das so üblich ist. Das dämliche Gehabe kam dann erst in der 2. Liga im Osten, was jetzt in etwa der 3. Liga entspricht, also schon Profi. Irgendwann wird einem dann empfohlen weiter unterklassig, trotz guter Leistung, zu spielen.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf.
Ich hoffe nur, das die schwulen Fußballer in der Bundesliga, und die gibt es, am Druck nicht zerbrechen.


Geschrieben

Ich finde dass man eine Chance, sich in der Öffentlichkeit mit diesem Thema auseinanderzusetzen, wieder einmal verpasst hat. Gerade die Medien, auch die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender, hätten den Schiedsrichterskandal aufgreifen und allgemein über die Verträglichkeit von Homosexualität und Sport berichten müssen. Schön war es z. B. dass die in Köln sitzenden Zeitungen, aber auch die Bild, durchaus ausführlich über die diesjährigen Gay Games berichtet haben. In der einzigen Tageszeitung unserer Region, kein Wort davon.

Ich kann mir durchaus vorstellen dass es viele gibt, die in Sport- oder Fußballvereinen Mitglied sind und die eigentlich vor hatten sich zu outen, sie es jedoch wegen der einseitigen Berichterstattung in den Medien dann doch haben bleiben lassen. Ob es hier ein Stadt-Land-Gefälle gibt kann ich nicht objektiv beurteilen, dazu kenne ich zu wenig Fakten. Ich denke jedoch dass es auf dem Land etwas schwieriger sein wird als in einer Stadt.


Schwester
Geschrieben (bearbeitet)

Das TucheL ist bester BVB Trainer seit 30 oder 40 Jahren. Damals lieferten sich noch Bremer Pfeffersäcke mit den Bayern echte Duelle. Da war die BL noch spannend. Zu Lebzeiten als König Otto Rehhagel, stellte ihn der Kaiser Franz Beckenbauer ein und entließ ihn demütigend (wie später das Klinsmann wegen der Aussortierung Ollis), vorzeitig.

bearbeitet von Schwester

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