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Am Ende / Jenseits der Geilheit

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

... oder wie man das eigentlich nennen soll. Vielleicht, das Leben verbringen.

Wie gestaltet der (schwule) Mann von heute sein Leben jenseits der Date- und Partnersuchwelt?
Was zählt für die Person, wenn's mit dem Schürzen- bzw. Hosenboden-Jagen nicht mehr so klappt oder die Geigen nicht mehr im Himmel spielen?

Irgendwann kommt ja mal jeder dort an, einige vielleicht auch krankheitsbedingt, wo der Tanz um den Schniedelwuz nicht mehr Primärangelegenheit ist. Vielleicht war er es auch noch nie, und die Sache rund um das Dating noch nie mehr als ein Nebenaspekt des Seins.
Auch wenn es sich bei den meisten der dazu je Gelesenen nicht so anhört, vielleicht kennt man das nur, wenn man auf der Seite der Libido-Losen oder geringfügig sexuell Interessierten lebt.

Älter werden kommt ja dann irgendwo doch mit bestimmten Einbußen, seien es die Zipperlein und das Kneifen im Bandscheiben-Segment oder andere sachte beginnende Gebrechen.

Bei bestimmten Konditionen gibt der blöde Eumel irgendwann auch nicht mehr den Ton an, kann nicht mehr den Ablauf auf der Piste bestimmen, nicht mehr zwischen die Lebenspläne funken, und mit dem Klarmachen der nächstbesten Schnitte läuft es dann auch nicht mehr so.

Glücklich lebt, wer schon immer ein reichhaltiges, ausbalanciertes Leben hatte, eine ihn erfüllende Beschäftigung, oder eine, die wenigstens den Kühlschrank füllt, einen erlesenen Zirkel sozialer Kontakte, seine bestmögliche Gesundheit und Zeit für sich selbst.

Viele Schwule definieren sich oder ihre Prioritäten anscheinend über ihre Sexualität.
Wie gestalten sie ihr Leben abseits davon, oder am Ende der dafür nötigen Befähigung?
Wahrscheinlich ist ja nicht jeder mit Lesen, DVD's gucken oder vielleicht 3 Bier nach Feierabendgleich glücklich.

Geht ihr auf Reisen? Versucht ihr mal ganz was Neues? Egal ob Spitzen klöppeln, Golf oder vielleicht japanisch Bogenschießen. Bekommen Familienangehörige, Freunde oder der Hund mehr Gewicht im Leben? Also ich meine, werden sie bedeutender, und nicht, dass ihr sie mehr füttert. Was bietet euch das Leben, die welt jenseits der Sexualität?

Vielleicht wird's ja interessant.


Geschrieben (bearbeitet)

Ein interessantes Thema, wie ich finde. Stellt sich nur die Frage, wie viel von seinem Leben jeder hier preis geben möchte.

Sei's drum...Mit 60 stellt sich natürlich das eine oder andere Zipperlein ein und man überlegt einmal mehr, ob es sich lohnt nach der Straßenbahn zu rennen oder lieber die nächste zu nehmen. Auch trifft das Thema nicht so ganz auf mich zu, denn mein "Eumel" verlangt noch immer Aufmerksamkeit, und glücklicherweise kann ich das auch ausleben. Nun ist das weder Fluch noch Segen und schon gar kein Verdienst, es ist einfach so.

Du fragst aber auch: Wie beherrscht die Sexualität unser Leben und was gibt es jenseits davon?

Für mich kann ich sagen, dass Sex wichtig war und ist, je nach Lebenssituation mehr oder weniger. Aber eine beherrschende Rolle hat das wohl nicht eingenommen.

Mein Beruf füllt mich aus, obwohl das anfangs eine Notlösung war. Für die angestrebte Seetauglichkeit fehlte leider die notwendige Sehtauglichkeit. Ich habe mich gefügt und bin am Ende nicht so ganz erfolglos geblieben.

Bücher, Musik und Theater gehören von Kind an zu meinem Leben.

38 Jahre war ich Mitglied eines Amateurtheaters, das ich die letzten 13 Jahre geleitet habe. Im Laufe der Jahre habe ich festgestellt, dass mit zunehmendem Alter das Lernen des Textes immer mehr Zeit in Anspruch nimmt und sich ein vorher nicht gekanntes Lampenfieber einstellt. So habe ich mich schweren Herzens entschlossen, Anfang dieses Jahres das Theater aufzugeben. Hinzu kam, dass berufliche Dinge im Moment größere Aufmerksamkeit erfordern, und die füllen mir den Kühlschrank.

Ich habe einen kleinen Freundeskreis, der aber seit Jahrzehnten Bestand hat, wo Schwule und Heteros zu finden sind. Mein ältester Freund ist Hetero, hat Familie und trotzdem kein Problem mit meinem Schwulsein. Wir kennen uns buchstäblich unser ganzes Leben, unsere Kinderwagen standen schon nebeneinander.

Neben all den geschilderten Aktivitäten ist mein sexuelles Leben nicht zu kurz gekommen. Und auch gescheiterte Beziehungen gehören dazu.

Also: In meinem Leben war und ist Sex wichtig, aber es gibt auch noch etwas davor und danach. Und ich halte mich nicht für den Schwulen, der sich über seine Sexualität definiert.


bearbeitet von eriksson
xy
Geschrieben

Danke eriksson für diesen schönen Beitrag.

Es muss ja nicht zu sehr in persönliche Details gehen, allgemeine Beschreibungen oder "anonymisiert" ist ausreichend.
Ich würde mein Leben auch nie mit Erkennungswerten offenbaren, man liest da schon genug sonstwo draus, bestimmt.

Menschen mit einem Leben finde ich großartig, mit Facetten und in gelebter Buntheit. Ich freue mich immer,wenn sich noch mal Welche erkennen lassen, die nicht in der "Sexmühle" hängen geblieben sind, oder fast nur dafür brennen.


Geschrieben

Sehr gerne Kiel_oben,

mir hat die Idee zu diesem Thema gefallen.

Ich lebe offen schwul, und für Leute, die mich kennen, habe ich nichts Neues geschrieben. Andere lass ich gerne an diesem kleinen Ausschnitt meines Lebens teilhaben, wenn es sie interessiert.


Geschrieben

Das ist ein sehr gutes Thema und gleichzeitig eine gute Frage. Genau genommen hab ich mir da eigentlich noch nie so richtig Gedanken darüber gemacht. Ich bin von Haus aus kein so geselliger Mensch. Ich mag nicht so das Weggehen und auch Feste sind mir ein Greul. Hab zwar ein oder zwei gute Freunde aber da lasse ich den Kontakt sehr locker. Momentan beschränke ich mich auf die Arbeit, Internet, Fernsehen und Bücher. Hab aber auch schon gemerkt wenn ich mal zwei Tage frei habe was mache ich? Zu Bekannten oder so will ich nicht unbedingt da ich ihr Familienleben auch immer etwas beneide. Ich bin Bi- Sexuell und nicht geoutet. Dieser Umstand macht es nicht leichter. Es ist nur so das ich jetzt noch arbeiten gehe. Aber wenn ich mal in Rente gehe was dann? Diese Frage von dir erschreckt mich selbst etwas. Ich habe keinen Plan für die Zukunft aber ich glaube ich sollte mir doch mal einige Gedanken darüber machen. Der sexuelle Aspekt ist dabei nicht so wichtig. Klar will ich schon noch gelegentlich Sex haben aber aufgrund von meiner Diabetes ist das eh schon eingeschränkt. Mehr beschäftigt mich jetzt doch der Gedanke was mache ich später ein mal sinnvolles wo mich ausfüllt? Dein Thema macht mir jetzt schon etwas Sorge.Danke.


Geschrieben (bearbeitet)

Für mich ist das ja deshalb so interessant, weil mir immer mal wieder diese Unterschiede zwischen meiner Gewichtung für Lebensbereiche und der anderer Leute auffällt.
Im Bereich schwul ist der Unterschied ganz oft riesengroß, weil ich schon über Jahre mitschneide, dass sich ewig viele zentriert um das ganze Partner & Sexlife - Ding bemühen, aber selten was über ihr sonstiges Leben beisteuern.

Bei mir läuft das wohl so ähnlich wie in manchem Doppelleben ab, wobei der Teil, der nichts erkennbar Schwules enthält, den überwiegenden Anteil des Lebens einnimmt.
Interessenlagen und Hobbies, das 'ganz normale' Leben, Arbeiten an Projekten und (von einander getrennte ) Bekanntenkreise, besonders aber Sport,nehmen die wohl wichtigsten Seiten des Alltags ein.

Das, was ins Schwulsein gehört, war und blieb immer mehr so eine Kopfsache, oder auch Träumerei, Spinnerei, bestenfalls dummer Jungentraum, wie ich das anderswo mal schrieb.
Aufgrund Handicap und später Diabetes blieb da auch Vieles auf dem nicht umsetzbaren Stand hängen.
Partnervermittlung und -umschau habe ich nach der Erkenntnisbildung rund um die Sinnlosigkeit aufgegeben, es war aber nie mit wirklichem Realismus verbunden. Es ist wie eine Knospe, die nie zur Blüte kam, die Knospe blieb, aufgrund natürlicher Barrieren oder vielleicht Fehler beim Blühenkönnen.

Erfahrung auf der Schiene der Liebe fehlt mir so völlig. Für Demisexuelle mit Fetisch-Plus ist das in der aktuellen Zeit nicht so einfach. Outet man sich als Fetischist, wird man häufig für Plemplem erklärt, auch von den lieben Schwestern, und bestimmte Behinderungen sind nüchtern gesagt nutzlos.
Ich fand lebensbegleitend vielleicht mal 2 oder 3 Männer in der Gesamtperson interessant, die alle Hetero sind und Familien haben. Jegliche geringe Idee an einen zögerlichen Flirtversuch wäre vergebens. Der einzige wirklich faszinierende Mann, von dem ich wüsste, dass er (asexuell)+Gay ist, ist der Mann meines Bruders. Die leben in einer stabil asexuellen Beziehung im Ausland.
Wenn sich in meinem Leben eine Zuneigung zu jemandem zu entwickeln anfing, blieb mir nie anderes übrig, als sie rigoros abzuwürgen. Hetero-Männer reagieren zwar nicht auf eventuelle Anzeichen davon, weil sie diese nicht wahrnehmen,aber nie beantwortete Zuneigung kann auch unschöne Auswirkungen auf die eigene Psyche annehmen.

Bücher bestellen einen großen Pol meines Lebens, nicht nur das Lesen, sondern das Schreiben von Welchen, oder die Mitarbeit dran. Ein anderer ist die Musik, und das Musikschaffen. Zum körperlichen Ausgleich und der Bestärkung des Seelenheils dient mir der Wassersport, in dem auch meine "Wahl-Familie" der Sozialkontakte verankert ist. Mit diesen Leuten verbringe ich, auch ungeouted, gut 70% meiner freien Zeit. Im Internet bin ich besonders auf Webforen, Sach-Foren, Sport- und Musiker-Foren unterwegs, und nutze es für meine Recherchen,Informationsbeschaffung, Austausch mit wissenschaftlich Interessierten oder mit Interessen-Kollegen.

Real Life-Kontakte zu Schwulen sind mir nur beim Flaschen Sammeln in einem Park begegnet, wo tagsüber viele Studenten und Besucher grillen. Mit dem Geld von den Flaschen habe ich mir immer wieder Sportgeräte geholt, Skateboard, Snowboards, Windsurf-Segel, zuletzt einen chicen Wohnwagen für den Camping-Platz.
Mit einigen Rentnern und Obdachlosen, die sich als Schwule offenbarten, ergeben sich in dem Park hin und wieder Gespräche. Alles andere gibt es nur an Foren wie dem hier auf Gay.de. Das Segment *Porno* habe ich so gut wie links liegen gelassen, es ist mir zu langweilig bzw. Zeitverschwendung.

Kleine Einblicke


bearbeitet von Kiel_oben
Ich vergaß ein Komma.
Geschrieben

Da hast du aber schon einiges wo du deine Zeit auffüllen kannst oder wo dich beschäftigt. Bei dem Punkt Porno gebe ich dir recht. Ist ja auch immer wieder das gleiche. Wird mit der Zeit langweilig. Bin ja auch unter anderem auf dieser Seite um so eine Art Sexfreundschaft zu finden. Also nicht nur Sex alleine sondern auch um die Freizeit anders zu gestallten als sie jetzt ist. Habe zum Beispiel schon öfters daran gedacht mal in Urlaub zu fahren. Alleine will ich nicht. Wenn ich dann aber darüber nachdenke mit wem ich fahren könnte gehen mir alle die ich kenne auf den Geist. Also lasse ich es einfach sein. Mein kleiner Bekanntenkreis besteht nur aus Hetros und mein noch kleinerer Freundeskreis ( wenn überhaupt existent ) ebenfalls. Zudem sind da zwei darunter in die ich schon mal verliebt war. Wenn ich diese dann mal treffe ( was ich zu verhindern versuche ) kommen alte Gefühle wieder auf. Solange ich verheiratet war solange war auch die Welt für die anderen in Ordnung. Jetzt kommen als schon mal komische Blicke und hier und da auch Andeutungen. Darauf kann ich auch verzichten. Somit bleiben mir doch recht wenige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung mit anderen. Bei dir liest es sich ja schon gut aber es muss einem ja auch liegen. Zwanghaft etwas machen nur damit man beschäftigt ist bringt nichts. Zum Glück habe ich noch etwas Zeit mir was passendes zu suchen. Und vielleicht ergibt sich ja doch noch etwas in Sachen Freundschaft. Gebe mal die Hoffnung nicht auf.


BillyBoyRuhr
Geschrieben

Am Ende ist man erst dann, wenn man sich selber aufgibt. Das ist gechlechtsunäbhänging und somt egal.
Auf einen selber kommt es an.


oldysuchtjungy
Geschrieben

Lieber Kiel_Oben, Du schreibst am Anfang u.a. "Viele Schwule definieren sich oder ihre Prioritäten anscheinend über ihre Sexualität." Du hättest ebenso schreiben können das viele Menschen, abgesehen von Ihrer Veranlagung, sich über ihre Sexualität definieren. Der Mensch hat nun mal den Sexualtrieb und bei dem Einem ist er stärker, bei dem Anderem nicht so stark ausgeprägt. Selbst Asexuelle haben ab und an Sex.
Wenn man dieses aktzeptiert, dann reduziert sich Deine Frage auf "Wie gestaltet der Mann von heute sein Leben jenseits der Date- und Partnersuchwelt?" Aber auch so gesehen ist die Fragestellung noch nicht stimmig. Ich kenne Männer die, trotz Geberchen usw., noch mit 80. Jahren ein Leben führen, wo Sex auch noch seinen/einen Platz hat. Ansonsten finde ich Deinen Beitrag doch sehr interessant, zeigt Er doch, dass wir oftmals nur den Teil einer Person (hier) sehen, und auf Grund dieser Sicht, jemanden zu unrecht falsch einordnen (betrachten). So gesehen, zeigen die weiteren Beiträge hier, die Vielfalt unseres Seins auf. Man gewinnt neue Einsichten und ist dann bemüht eventuelle Urteile (über Personen) zu revidieren.


Geschrieben

Tja, der Schrägstrich sollte bedeuten " Am Ende der Geilheit bzw. Jenseits, abseits von ihr."

In Deutschland liest man anders, offenbar.


Geschrieben

@tomi52,

Ja, da sind noch viel mehr Dinge als das, aber die alle aufzuzählen würde andere langweilen, zudem kommt man zu manchem nur hin und wieder, wie Fossilien sammeln, Gartenarbeit oder Fortbildungslehrgänge u.Ä.

Ich hätte Dir Vereine für Bi-Gay-Trans-Werauchimmer-Leute empfohlen, weil es da vielleicht Leute gibt, die sowohl Freizeitgestaltung als auch Freundschaft-Plus verbinden. Aber ich kenne mich da zu wenig aus, Vereinsmeierei ist auch nicht jedermanns Sache.
Wenn Dir Menschen gern zu viel werden, ist die Sache mit der Reise
wohl nicht so praktikabel. Vielleicht besser allein fahren, und dann irgendwo hin, wo sich Begegnungen, wie sie Dir zusagen, ergeben können.
Einige Pornos habe ich mal angesehen, um zu testen, was mir das geben kann. Anscheinend bin ich nicht schwul genug, oder nicht sehr sexuell. Von Windsurfer-Clips auf Youtube habe ich bedeutend mehr. Vermutlich sogar von einer Doku über geschichtliche Ereignisse. Ohne die Geschichte zu kennen, wie sich die Darsteller kennen gelernt, und aus welchen Gründen die sich in einander verliebten, fehlt mir der Zugang zum Geschehen total.

Moin Oldysuchtjungy,

Zitat "Du hättest ebenso schreiben können das viele Menschen, abgesehen von Ihrer Veranlagung, sich über ihre Sexualität definieren." Zitat_Ende

Das habe ich ganz bewusst nicht so geschrieben, weil es mir an den Schwulen insbesondere auffällt, und an meiner Hetero-Sozialisation nicht gleich hoch vorhanden ist. Ich habe natürlich nicht alle Gesellschaftsschichten durchgecheckt oder in jedem Land geschaut, ob es da nicht da ein anderes Verhältnis gibt. Kann auch sein, die behalten das nur in ihrer Privatsphäre.

Asexuelle gibt es ( Grey-Asexuals) die durchaus, oft zuliebe sexueller Partner, dabei mitmachen. Es gibt ebenso Asexuelle, die abstinent leben, also keinerlei Bedürfnis danach verspüren. Etwa so, wie geschlechtslos Geborene. Asexualität ist in der Regel mit einem Desinteresse an sexueller Interaktion verbunden. Kommt wohl drauf an, ob es gleichzeitig Aromantiker sind.

Man muss aber nicht zwingend asexuell sein, um sich für Sex nicht besonders zu interessieren.
Auch gibt es für Viele bereits ein Ende der Funktionalität in verhältnismäßig jungen Jahren. Oder sie hat sich nie entfaltet. Dass solche Leute neben potenten 80Plus-Jährigen nicht gesehen werden, liegt in der Natur der Dinge.


Geschrieben

Ich denke das Thema ist schon klar definiert. Klar kann man sich selbst ( und auch andere ) anlügen und allen erzählen wie toll man ist und was man alles macht. Ob sexuell oder sonst was. Aber sind wir mal ehrlich. Prahlerei hört man immer wieder weil sich doch die wenigsten eingestehen wollen das sie ab einem gewissen Zeitpunkt nichts mehr mit ihrem Leben anzufangen wissen. Hab das durch manche Gespräche rausgehört. Die sexuelle Prahlerei gehört ebenso dazu wie ein dickes Auto fahren oder teure Klamotten tragen. Das ist in vielen Fällen nur ein täuschen von sich selbst und auch anderen. Im inneren sieht es ganz anders aus. Bei Menschen wo der Sex nie eine große Rolle gespielt hat ist es wahrscheinlich nicht so dramatisch. Aber bei den anderen schon eine Katastrophe. Für mich zählt aber auch dazu wie gestalte ich meine Freizeit danach. Lege ich mir irgend ein Hobby zu, erweitere ich meinen Bekanntenkreis oder reise ich mehr usw. Ich glaube mit dem Ende der Geilheit können die wenigsten umgehen.


Geschrieben

Na ja, machen sicher einige, aber was bringt die ganze Lügerei und ein So-tun-als-ob, außer dass die sich selbst dadurch einen reinwürgen.
Ein anderer durchschaut das doch spätestens, sobald er bei dem Typ mal eingeladen ist, der so prahlt.
Wenn dann die Klamotten halt auch nur bei Ebay geschossen sind und beim BMW Z-3 schon die Bodenkarosse angefressen ist, kommt dasvon alleine raus.

Auf den Dating-Portalen ist es so eine Art ungeschriebenes Gesetz, sich selbst darstellen zu müssen und nur die besten Seiten hervor zu zeigen. Die meisten wollen sich ja verkaufen und anpreisen. Darüber hatte der verstummte ( warum auch immer ) fellatio schon mal einen guten Artikel irgendwo.

Dioe wenigsten stehen dazu, schätze ich mal, dass die Geilheit oder das ganze Partnersuchgedöns ein Ende haben kann. Und wenn das zu Ende ist, fallen die ohne Interessen oder Hobbies, oder ohne soziales Netz in ein ziemliches Loch.
Dieses Loch sieht man oft schon daran, wenn die sich hauptsächlich um sexuelle Themen drehen, solange das 'Ende' noch nicht da ist.

Daher frage ich mich, ob die kreisende Beschäftigung mit dem Sexuellen nicht sowas wie ein Halteseil für einige sein mag.


Geschrieben

Davon gehe ich aus. Kommt für mich aber auch etwas dem Realitätsverlust nahe. Wenn man sich selbst nicht eingestehen kann das etwas nicht mehr klappt. Auch gebe ich dir Recht in dem Punkt Loch fallen. Da habe ich im meinem Ersten Schreiben gemeint. Da mache ichmirschon Gedanken darüber wie das bei mir mal sein wird.


Geschrieben

@tomi52, sicher findet man auf vielen Dating-Portalen Prahlerei. Jeder will sich so gut "verkaufen" wie möglich. Und manch einer vergisst dabei, dass spätestens beim erhofften Date der Moment gekommen ist, die Hosen runter zu lassen, in jeder Hinsicht. Dann stellt sich heraus, inwieweit die angepriesenen Verhältnisse der Realität standhalten, so wie @Kiel_oben das auch schon beschrieben hat.
Für Menschen, die Sex als den bestimmenden Lebensinhalt betreiben, wird es ganz sicher schwierig, wenn es auf dem Gebiet, aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr so läuft.
Für mich kann ich sagen, dass ich ein nach meinen Bedürfnissen, sagen wir mal, befriedigendes Sexleben geführt habe und noch führe. Aber immer war das nur EIN Bestandteil meines Lebens, wie ich es ja schon beschrieben habe.
Neben anderen Interessen hat, wie beschrieben, das Theater eine große Rolle in meinem Leben gespielt und auch den größten Teil meiner Freizeit eingenommen. Obwohl ich die aktive Mitwirkung im Moment beendet habe, lasse ich aber die Fäden nicht abreißen. Ich stehe mit Rat zur Verfügung, übertrage nach Anfrage Texte vom Hochdeutschen ins Niederdeutsche...es handelt sich nämlich um plattdeutsches Theater, ist also regional eingegrenzt. Da ich mich beruflich so langsam auf die Zielgerade begebe, erhält mir das den Weg zurück zur aktiven Mitarbeit.

Du hast ein wenig deine Lebenssituation beschrieben Und ohne sie wirklich beurteilen zu können, kann ich mir gut vorstellen, dass du mit deinen sexuellen Präferenzen nicht mit wehenden Fahnen vorpreschen möchtest. Aber vielleicht gibt es doch einen Menschen, dem du dich anvertrauen könntest? Das könnte dich evtl. aus deiner Zwickmühle befreien. Oder du findest hier oder woanders einen ernst zu nehmenden Menschen, der in einer ähnlichen Situation ist wie du. Das ist bestimmt nicht einfach, aber unter Umständen ergibt sich ein Kontakt, der Perspektiven eröffnet. Manchmal ergibt es sich ja doch in einem Gespräch, das über Sex hinaus geht, dass man gemeinsame Interessen entdeckt.
Ich habe vor Jahren selbst die befreiende Erfahrung gemacht, wenn man das Herz in die Hand nimmt und sich jemandem offenbart. Es war mein jüngerer Bruder, absolut Hetero, der gar nicht überrascht meinte, dass ich ihm nicht Neues erzählte und die ganze Familie bereits "im Bilde" sei. Oft ahnt das Umfeld etwas und reagiert am Ende besser als wir fürchten.

Bitte versteh mich nicht falsch, das sind einfach nur Gedanken, die mir beim Lesen deiner Beiträge gekommen sind, mehr nicht.

Geschrieben

Danke für die gut gemeinten Ratschläge lieber eriksson. Das mit der Familie könnte stimmen. Es kommen ja immer wieder Andeutungen wo ich das Gefühl habe das auf eine entsprechende Reaktion meinerseits gewartet wird. Direkt hat noch keiner was gesagt. Liegt aber auch vielleicht daran das ich eine nicht so tolle Ehe hinter mir habe. Durch die Schichtarbeit ist es aber auch nicht gerade einfach jemanden zu finden. Ist schon schwer genug wenigstens den Kontakt zur Familie aufrecht zu halten. Von Bekannten will ich da mal absolut nicht sprechen. Das mit den Vereinen ( wie von Kiel oben angesprochen ) habe ich früher schon mal versucht.Ist nicht mein Fall. Bin einfach jemand der gerne für sich ist. Mag auch keine festen Termine. Treffen zu dem Zeitpunkt jeden Freitag um soundsoviel Uhr. Nicht mein Ding. Aber da ich noch etwa 13 einhalb Jahre arbeiten muss bin ich noch guter Dinge das ich was passendes in Sachen Freizeitgestaltung finden werde. Das Sexuelle ist nicht so zwingend das es mein Leben bestimmt. Sicherlich hat man des öfteren Lust aber es ist nicht zwingend. Wenns klappt gut wenn nicht dann eben nicht. Ich bewundere das von Dir und Kiel_oben. Mein Opa hatte auch noch seine Weinberge. Da hatte er auch immer was zu tun. Aber es muss einem eben liegen. Mit Gewalt was machen ist füHabe erst vor kurzem mit einer Kollegin gesprochen dei ist schon über das Rentenalter hinaus. Jetzt hat sie mich gefragt ob sie nochmal ein Jahr dranhängen sollte. Dabei kam so durch das sie einfach Angst da sie nicht weis was sie sonst machen sollte. Das will ich halt nicht.


Geschrieben

Gerne, lieber tomi52. Ich glaube schon, deine Situation ein wenig zu verstehen. Du schreibst ja selbst, dass du nicht so viele Kontakte hast. Schichtarbeit macht das Ganze nicht leichter. Auch ich brauche öfter mal Zeit nur für mich, und solange man noch arbeitet ist das ja okay. Problematisch wird es, wenn nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben keine sozialen Kontakte mehr übrig bleiben und man in eine Art Isolation rutscht. Deine Angst davor kann ich gut verstehen.

Ebenso kenne ich gerade durch das Theater Momente, wo man sagt: Sch..., heute ist Vorstellung und eigentlich hätte ich gerne ein wenig Ruhe. Man ist aber verpflichtet, sich aufzuraffen. Es gibt eine Verantwortung der Truppe und dem Publikum gegenüber. Und du kannst mir glauben, ich habe mich jedes Mal gut gefühlt, wenn ich über den Schatten gesprungen bin. Das gehört dann eben auch dazu.

Du schreibst, dass du noch 13 Jahre arbeiten musst. Genügend Zeit, den Blick schweifen zu lassen, um etwas zu finden, was dich interessiert und dir Spaß macht.

Mein schon erwähnter Bruder z.B. ist Seemann und hat dadurch auch wenig Kontakte an Land. Er ist zwar nicht schwul, lebt aber allein. Er liest sehr viel und hat im Internet ein Portal gefunden, wo er mit allen möglichen Leuten gelesene Bücher bespricht. Da ist es auch schon mal zu persönlichen Kontakten gekommen. Auch 'ne Möglichkeit.

Ich glaube, wenn man ein Thema gefunden hat, bietet auch das WWW mannigfache Möglichkeiten, mit Menschen in Kontakt zu kommen. Wenn man das ernsthaft betreibt und nach dem Berufsleben auch die Zeit dafür da ist, ergibt sich vielleicht manch ungeahnte Perspektive.


Geschrieben

Das ist ein sehr guter Tipp. Hab ja schon viel gelesen und bin auch immer für Anregungen für ein gutes Buch dankbar. Filme wären auch ein Thema. Ich schreibe hier auch viel mit anderen. Das mit dem Schatten stimmt schon. Man kommt da auch schnell in eine gewisse Routine und da wieder rauszukommen ist schwer. Man neigt auch gerne wegen der Bequemlichkeit sich damit abzufinden. Mir bringt das Schreiben hier auf dieser Seite schon viel. Hab mir deshalb einen mobilen WLAN_ Router gekauft damit ich wie jetzt auch während der Arbeit schreiben kann.


Geschrieben

Filme sind für mich immer ein gutes Thema. Kürzlich habe ich einen 2-teiligen Film über die alternde Königin Elisabeth I. entdeckt, mit Helen Mirren in der Titelrolle. Für mich eine Schauspielerin zum Niederknien.

Elisabeth hat ja zumindest ihr Liebesleben, wenn nicht sogar ihr Sexleben ( wer weiß es genau?) dem persönlichen Machterhalt geopfert. Passt sogar zu unserem Thema, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen. Sie hätte ja gekonnt, sicher hat sie auch gewollt, und wir wissen eben nicht genau, ob sie nicht doch hat. ;-))
Der Film sagt: Ja sie hat, und ich gönne es ihr.


Geschrieben

Es kommt ja immer darauf an welche Quellen dazu herangezogen werde. Hab heute mal was über Marco Polo angeschaut. Das eigene Büchlein von ihm selbst war sehr klein. Ein 1930 veröffentlichtes Buch viel dicker und umfassender. Darin wurde viel mehr ausgeschmückt und Texte hinzugefügt wo bei Marco Polos Buch überhaupt nicht vorkamen. Bei Katharina der Großen hat man auch viel erzählt über ihr Sexleben. Wenn man dem Glauben schenkt dann hat sie bis fast zu ihrem Ende ein sehr anregendes Sexualleben gehabt. Ganz der Gegensatz zu Elisabeth. Aber da steht halt auch die Macht dahinter wo sich niemand getraut nein zu sagen. Wenn das Leben davon abhängt ist es etwas anderes. Wiedas Sexleben aussah ist auch nicht so bekannt. Die vielen Spielarten von heute gab es damals ja noch nicht. Es wird leider immer sehr viel in sowas hinein interpretiert. Und der Fokus richtet sich oftmals leider sehr auf das Liebesleben dieser Menschen. Aber wie war ihre sogenannte Freizeit wirklich? Kein Fernsehen, keine Computer und Internet. Vielleicht war das mit ein Grund für die eventuellen Orgien.


TeufelchenSU
Geschrieben (bearbeitet)

Was soll ich dazu sagen?
Bin Rollstuhlfahrer mit inkompletten Querschnitt und suche hier bisher erfolglos nette Realkontakte


bearbeitet von TeufelchenSU
Geschrieben

Auch Du wirst Dein Glück finden,auch wenn es unwahrscheinlich klingen mag.Verliere niemals Deine Hoffnung.Sei optimistisch.Alles alles Liebe und Gute für Dich für Deine Suche oder gefunden werden.


Geschrieben

Mehr beschäftigt mich jetzt doch der Gedanke was mache ich später ein mal sinnvolles wo mich ausfüllt?

Keine Bange, die Abarbeitung des Terminkalenders mit den Besuchen bei Fachärzten diverser Art kommt früher oder später. Da eine bestimmte Art vorherrscht, erledigt sich das hier so bedeutsame Thema 7-5 sowieso. Für Nichtgeoutete kommt noch hinzu, dass irgendwann das Blankrasieren entfällt, das komische Gucken des Fingerträgers beim Beugen geht einem irgendwann auf den Sack, im bester Bedeutung des Wortes.



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