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Minotaurus

Kein Schaden für KInder

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Minotaurus
Geschrieben

Na endlich! Auch Politiker müssen allmählich lernen, sich mit den Anforderungen des Grundgesetzes vertraut zu machen. Wieder einmal hat das Bundesverfassungsgericht (BVG) dem Gesetzgeber verordnet, sich den Regeln der Verfassung anzupassen. Mit Spannung war das Urteil des Gerichts erwartet worden, ob das Adoptionsrecht auch für homosexuelle Lebenspartnerschaften gilt. Ja, sagten die Richter in Karlsruhe, denn den Kindern in sogenannten Homoehen entstehe kein Schaden, im Gegenteil. Denn nach Ansicht des BVG ist die Adoption geeignet, bei den Kindern "stabilisierende entwicklungspsychologische Effekte zu entfalten"..
Das Urteil, seine Begründung und die nun notwendige gesetzliche Regelung fasst ein Artikel bei SPIEGEL ONLINE zusammen. Bitte lesen!

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Geschrieben

@Minotaurus Offenbar will in dieser Sache vorläufig niemand mit Ihnen streiten. Hier meine Meinung : Es gibt viele Kinder , die nur von einer Mutter oder von einem Vater aufgezogen werden. Viele müssen auf beides verzichten. Für solche bietet das Aufwachsen in einer Familie mit zwei Vätern oder zwei Müttern sicher bessere Entwicklungschancen.-Immerhin handelt es sich aber um ein gewaltiges soziales Experiment. Die Natur sieht die Aufzucht durch Vater und Mutter vor. Welche Folgen andere Konstellationen haben, wissen wir noch nicht so recht. Das Urteil des Verfassungsgerichtes erlaubt Adoption durch den gleichgeschlechtlichen Partner vorläufig auch nur in sehr engen Grenzen.
Ich wundere mich nur, was alles so aus der Wundertüte Grundgesetz hervorgezaubert wird. An solche Möglichkeiten hat sicher im Parlamentarischen Rat niemand gedacht. Aber aus gewissen Allgemeinheiten lässt sich offenbar alles ableiten.


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Minotaurus
Geschrieben

@Nuwas, das Streiten über dieses Thema überlasse ich liebend gern den konservativen Geistern in der CDU, denen die sogenannten Stammwähler mehr am Herzen liegen als die notwendige Rechtssicherheit für Kinder von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften. Wer das Urteil des BVG aufmerksam liest, wird entdecken, dass es sehr wohl schon seriöse wissenschaftliche Studien gibt über Kinder und deren Entwicklung in sogenannten Homoehen.

Wenn schon wieder einmal die "Natur" bemüht wird, um die "Aufzucht durch Vater und Mutter" als die richtigste zu begründen, so muss darauf hingewiesen werden, dass es in der "Natur" die unterschiedlichsten Formen von Nachwuchsbetreuung gibt, auch bei höheren Säugetieren.
Und eines sei dabei nicht vergessen: Das leidige "Natur"-Argument wurde und wird gerne benutzt - von Politik und/oder Religionen - , um die Homosexualität zu verteufeln. "Widernatürlich", "anomal" oder "krankhaft" sind die Vokabeln, mit denen Schwulenfeinde nach wie vor operieren. Dass Biologen und Verhaltensforscher schon längst die Vielfalt der "Natur" aufgezeigt haben, wollen und können gesellschaftspolitisch versteinerte Ideologen einfach nicht wahrhaben. Deshalb auch ziehen sie gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zu Felde, genauso wie diese Menschenverächter das getan haben, um die rechtliche Gleichstellung von ehelichen und unehelichen Kindern zu verhindern. Auch da bedurfte es erst der höchstrichterlichen Entscheidung, den "Bastarden", "Bankerten", "Kindern der Sünde" zu ihrem elementaren Recht der gesetzlichen Gleichstellung zu verhelfen. Das deutsche Grundgesetz, immerhin eine der besten Verfassungen, scheint konservativen Politquerköpfen offenbar ein Dorn im Auge zu sein.


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Geschrieben

In diesem Falle darf ich @Minotaurus, was selten genug vorkommt, wohlwollend beipflichten. Nicht dass es mir etwa um das Glück schwuler Paare und die Legitimation ihrer Adoptionspläne ginge – beides ist mir vollständig gleichgültig. Angesprochen werden muss aber das mittlerweile reichlich angestaubte und gedanklich unsaubere "Natur"-Argument, das ein Autor wie @Nuwas, der gern auf seine philosophische Bildung hinweist, nicht verwenden sollte.

Was ist die "Natur"? Sie ist entweder der Inbegriff des Wissens, über das die nach ihr benannten Wissenschaften verfügen – und die berichten sowohl von gesetzhaften Verläufen als auch von unerschöpflicher, spielerischer Vielfalt: ein Wille, eine Absicht, ein Plan ist nirgendwo erkennbar. Oder aber sie ist eine Idee, ein Leitgedanke, von Menschen ersonnen. Jedenfalls ist "Natur" nicht das, was wir sehen, wenn wir aus dem Fenster schauen; etwas, das "da" ist und dessen Regelmäßigkeit wir einfach nur folgen müssten, um, wie es naive Schwarmgeister glauben, dann eins mit ihm zu sein. "Natur" ist eine Perspektive, eine Betrachtungsweise. Dass sie eine immanente Vernunft und Zweckmäßigkeit habe, ist eine philosophische Aufprägung, aber nichts, das ihr abzulesen wäre. Wenn der Mensch zeitweise animalischem Triebleben folgt, so tut er es, weil er es will; weil es zu einem von ihm selbst entwickelten Lebensgesetz oder Ideal passt. Sein ganzes Dasein aber ist Abweichung von der Natur, die er "da draußen" wahrzunehmen meint. Er lebt ausschließlich in der von ihm geschaffenen künstlichen Umwelt. Mit Natur nach Art wilder Tiere hat er nichts mehr zu schaffen – außer wo er es selbst will.

Kurzum, die "Natur" sieht, was das Aufwachsen und die Erziehung von Menschenkindern angeht, schlichtweg gar nichts vor; alles ist menschliches Ideal und menschliches Maß. Was die Gestaltung unserer Lebens- und Gesellungsformen angeht, haben wir weder von Graugänsen, noch von Wölfen, noch von deutschen Eichen etwas zu lernen.

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Minotaurus
Geschrieben

O je, da wird FDP-Brüderle aber traurig sein, wenn er nicht mehr die rhetorische Figur der standhaften deutschen Eiche ausspielen kann gegen die Biegsamkeit des asiatischen Bambus. Doch Spaß beiseite.

Die notwendige gedankliche Trennschärfe für den zumeist schwammig verwendeten Begriif "Natur" hat @Empedokles sehr schön auf den Punkt gebracht. Weil nun im Zuge der Adoptionsdebatte auch wieder die "Natur" herhalten muss, um die Ablehnung sowohl der sogenannten Homoehe samt Adoption als auch der Homosexualität generell zu begründen, sollte ein weiterer Gesichtspunkt Beachtung finden. Die "Natur" wird von religiös orientierten Menschen als das Ergebnis eines göttlichen Willens betrachtet. Diese "Leitidee" (wie @Empedokles treffsicher formuliert) muss aber konsequent zu Ende gedacht werden. Denn wenn ein Gott nicht nur ein hohler Popanz mit menschlichem Antlitz und ebensolcher Engherzigkeit sein soll, sondern eine allumfassende Wesenheit darstellt, dann ist alles, von der Instabilität des Universums bis zum molekularen Aufbau einer Bakterie, ein Bestandteil eben dieser Göttlichkeit und damit auch "Natur" schlechthin. Schon Meister Eckart entwivckelte diese als Pantheismus bezeichnete Vorstellung, die jedoch das Missfallen der Amtskirche erregte und deshalb als Ketzerei verworfen wurde.

Die ungeheure Anmaßung, mit der Politiker, Kirchenleute und Millionen anderer Menschen die "Natur" als angeblich triftiges Argument gegen Homosexualität anführen, gehört jedoch ebenso zur "Natur" , wie das auf chemische Kommunikation geeichte Kleinhirn der Ameise, Mozarts Musik oder der Einschlag eines Asteroiden. Die "Natur" ist und hat kein Willensprinzip und erweist sich schon allein deshalb als völlig untauglich zu jedwedem Begründungsversuch.


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Geschrieben

Es sei noch ergänzt, dass es sich bei der Berufung auf die "Natur" nicht selten um einen unlauteren Kunstgriff derer handelt, die zuvor von "Gott" gesprochen haben. Das Wort "Gott" würde aber bei einem biologistischen und materialistischen Publikum auf taube Ohren stoßen, während dasselbe Publikum aufhorcht, wenn von "Natur" die Rede ist, da diese Rede die Assoziation zur "Naturwissenschaft" herstellt, auf deren sicherem Boden jenes Publikum stehen will. Die "Naturgesetze", also die mathematisch formalisierbaren Regelhaftigkeiten innerhalb einer ausschnitthaft beobachteten, kraft einer bestimmten Methode erfassten Erfahrungswelt, verwandeln sich dann ganz unmerklich zurück in die "Normen und Werte", für die zuvor die Allwissenheit Gottes verantwortlich zeichnete. Und so bekommt der Biologist per naturalistischem Fehlschluss genau das, was er verdient: wissenschaftliche Pfäfferei sozusagen.


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Geschrieben

Mir gefällt das ganz gut, was hier zum Naturbegriff geschrieben wird. Ergänzend kann man sagen, ist der Einschluss der Idee von der Existenz von Göttern und ähnlichem als Produkt der Natur. Also dadurch, dass der menschliche Geist diese Idee hervorgebracht hat, der im Menschen Teil der Natur ist. Wer die Vielfalt in der Natur eindringlich genug beobachtet hat, erkennt, dass stets eine große Anzahl von Varianten und stufenlosen Übergängen vorhanden ist. Sich davon eine gefällige Variante herauszusuchen, und diese für den einzig richtigen Weg zu erklären, hat mehr was von einem Eklektizismus. So nennt man es wohl.

Es ist schön zu sehen, dass dieser menschliche Geist sich auch noch weiter entwickelt, und sich nicht an Sichtweisen aufhängt, die seit langer Zeit mehr oder weniger gleich blieben.


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fellatio
Geschrieben

Die Evolutiontheorie stellt ein Erklärungsmodell für das Entstehen der rezenten und ehemaligen Biodiversität dar.Die Evolutionstheorie ist ein in sich stimmiges Modell,welches Daten aus Biologie (u.a. Molekulargenetik,Biochemie,
Populationsgenetik,Ökologie,...),Chemie,Physik (Atomphysik,Kosmologie,Astrophysik),Geologie ( u.a. Plattentektonik,Geomagnetismus),Archäologie und (Bio-)-iInformatik,aber auch aus der Verhaltensforschung und So-
zialwissenschaft einbezieht.Viele Erkenntnisse aus einem Fachgebiet werden dabei durch Erkenntnisse aus anderen Fachgebieten unterstüzt. Wissenschaft und Religion basieren auf unterschiedlichen Aspekten menschlicher
Erfahrungen Wen sich Erklärungen außerhalb der Ebene der Natur stützen ,so haben Wissenschaftler keine Möglichkeit,diese Erklärungen zu bestätigen
Religion beruht nicht auf empirischen Belegen.Der christliche Glaube an einen liebenden Gott,der die Menschen als sein Volk geschaffen hat,der seinen Sohn am Kreuz geopfert hat,um die Menschen von ihren Sünden zu erlösen,,
dieser Glaube wird nicht im geringsten von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen berührt.In diesem Sinne sind
Glauben und Naturwissenschaften getrennt und sprechen Aspekte menschlichen Verstehens unterschiedlich an.
Darum hatte man bei kath.net angefangen,Bibelzitate und wissenschaftliche Argumentation zu vermischen,das kann nicht gut enden.Wissenschaft und Religion passen einfach nicht zusammen.


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Geschrieben

Ich werde nun hier im Schwulenchat gewiss nicht über die (mindestens) acht Bedeutungen von "Natur" in der philosophischen Begriffsbildung diskutieren , auch nicht über die Frage des "Fortschritts" in der Philosophie. Denn das Problem des Fortschritts stellt sich hier anders als in der Medizin z.B. Sollte ich noch einmal Medizin studieren, würde ich keine Stunde verschwenden, um mich mit den Methoden von Dr. Eisenbart abzugeben. In der Philosophie ist das anders, da kann eine Fragestellung in einem Dialog Platons angemessener sein als die Argumentation nach der neuesten Regel.Dies zum Thema "Verstaubtheit".
Die Metaphysica specialis handelt von drei Themen: von Gott, der Welt und der menschlichen Seele. Ich habe nun voll verstanden, dass hier das Jahrtausendthema "Gott" keine Rolle mehr spielt. Neu war mir, dass auch Welt (Natur) hier an Bedeutung verloren hat. Hier wird die "Weltfreiheit" voll akzeptiert.Man weiß, dass man nicht der Welt als solcher begegnet, sondern nur unserer Wissenschaft von ihr.. Na dann , emanzipierte Menschen, frei von Gott und Natur, ausgestattet mit souveräner moralischer Autorität, gebt euch Regeln und erschafft euch eure Menschenwelt selbst. Sie werden dann hoffentlich mehr sein als ein reines Werkzeug individueller Wünsche und individuellen Willens. Auf die Begründung bin ich sehr gespannt.
@Empedokles " ein Autor...,der gern auf seine philosophische Bildung hinweist" Pfui Teufel!

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Geschrieben

Der folgende Beitrag gehört sicherlich nicht in ein Gayforum, und wer sich durch ihn gelangweilt fühlt oder ihn zu speziell findet, möge ihn einfach übergehen. Ich glaube aber, dass er im Zusammenhang dieser Diskussion wichtig ist.

Es darf konzediert werden, dass es in der Philosophie keinen "Fortschritt" gibt, wie ihn die Naturwissenschaft kennt, die sich die empirische Überprüfbarkeit ihrer Theorien zum Maßstab setzt. Bezeichnend für philosophisches Denken ist immerhin, dass es sich kaum der Notwendigkeit entschlagen kann, stets ganz von vorn zu beginnen. So entsteht nicht ein großes System des Wissens, sondern viele einander widerstreitende und einander sogar die Berechtigung ihrer Fragestellung bestreitende Systeme und Methoden wechseln einander ab. Gleichwohl hat es in der Geschichte der Philosophie entscheidende Brüche und Wandlungen gegeben, die unhintergehbar waren; d. h. sie verstellten bestimmte Denkansätze mit einer Endgültigkeit, von der jene sich nicht mehr erholten. In der Neuzeit wären zu nennen: die "Kopernikanische Wende" Kants, die Psychologismuskritik Husserls und der "linguistic turn" im Gefolge Wittgensteins. @Nuwas trägt hier allen Ernstes die Berechtigung einer metaphysica specialis etwa in dem Sinne vor, wie sie Christian Wolff (beispielsweise im Discursus praeliminaris de philosophia in genere, 1728) formulierte: als Wissenschaft von Gott, der menschlichen Seele und den Dingen der Welt (res materiales), dreier Genera des Seienden, die der menschlichen Erkenntnis vorangehen sollen; unabhängig von ihr existieren sollen. Aus dieser Einteilung entspringen nach Wolff die Wissenschaften der Theologie, Psychologie und Physik. Das aber heißt, die Metaphysik glaubte Letztgültiges über Ursprünge und Zusammenhang der sinnlichen Welt durch Spekulation (oder, wie Kant sagt: aus reinen Begriffen, ohne Grundlage in der Erfahrung) aussagen zu können; denn die Wolffsche Physik war eben keine exakte Physik. Unglücklicherweise waren bereits 1686 Isaac Newtons "Principia mathematica philosophiae naturalis" erschienen. Sie bedienten sich einer neuen Methode, die "Natur" zu erforschen, indem sie die Erscheinungen verallgemeinerten und in Prinzipien und Gesetze fassten. Dabei wurden nur empirisch verifizierbare Ereignisse betrachtet und Religion und Moral aus der Naturerforschung verbannt. Kant sah es, nicht zuletzt unter dem Einfluss dieser Methode, nun als seine Aufgabe an, die Metaphysik Wolffscher Prägung "vom Kopf auf die Füße zu stellen": er bewies, dass jede vernünftige Aussage über Gott und seine Eigenschaften, von der Unsterblichkeit der Seele, von der Unendlichkeit der Welt usw. in unaufhebbaren Widerspruch mit sich selbst geraten muss und daher nicht geeignet ist, Wissen zu liefern. Alles das, was ist, ist es kraft unserer Erkenntnis und nicht aus sich selbst; also gilt es, diese nach ihren logischen Voraussetzungen zu prüfen und nicht unsere Zeit damit zu verschwenden, die Existenz von erkenntnisunabhängigen Entitäten (Dingen an sich) zu behaupten. Folglich ist alle Erkenntnis der erfahrbaren Realität immer nur empirisch, also durch naturwissenschaftliche Methoden gewonnen, während die Rede von einem geheimnisvollen verborgenen Weltgrund und ähnlichen bisher von der Metaphysik gepflegten Gegenständen zu verstummen hatte. Kant leitete damit ein, was später der "Zusammenbruch der Metaphysik" genannt wurde. Die Beschreibung und Erklärung der "Natur" oblag fortan nicht mehr der Naturphilosophie, sondern den exakten Wissenschaften; "Natur" ist der Inbegriff ihrer Erkenntnisse und nicht etwas Beseeltes, Mystisches oder gar Göttliches. Von diesen letzten Dingen reden Gläubige, Dichter und Entrückte; aber wissen können wir über sie nichts. Die Natur als exakt beschriebene und somit entzauberte liefert uns folglich auch keine Gesetze unseres Handelns, sie schreibt uns nichts vor, sie gibt kein Leitbild ab, es sei denn, wir wollen es so. Weder kann aus ihr abgelesen werden, dass die gleichgeschlechtliche Liebe eine Entartung der Sexualität darstellt, noch dass Kinder, um unbeschadet aufzuwachsen, stets einer herkömmlichen Familienstruktur bedürfen. Hier versuchen Ideologen sich moralische Argumente auf unlauter vorgespiegeltem Naturgrund zu verschaffen, die man ihnen entziehen muss – um der eigenen Freiheit und Selbstgestaltung willen.

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Geschrieben

Mein Gott, was für ein überflüssiger Aufwand! Du tust so, als ob ich in die Zeit der Wolffschen Schulphilosophie zurückführen wollte. Wir haben uns doch ein paar Jahre auch über Kant unterhalten- Und an einer blinden Naturverehrung würde mich schon der Schopenhauersche Pessimisnus hindern. Mir scheint aber, dass die Einbettung des Menschen in die Natur größer ist, als es eine Vorstellung vom Menschen als Zielsetzer und Utopist wahrhaben will.Das heißt ja nun nicht, dass wir uns die "Natur" zum Vorbild nehmen sollten Aber der Mensch mag noch so sehr aus der Natur herausstehen, sie reflektieren, er ist von der Zugehörigkeit und Zuordnung zum Ganzen der Natur nicht ausgenommen. Sein Rang ist wahrscheinlich sehr untergeordnet, und die Welt der Natur verändert sich nicht nach Maßgabe unserer immer unterschiedlichen Weltauslegungen.. Mir scheint, dass die übertreibende Vorstellung von der Macht des Bewusstseins immer noch eine Spätfolge der christlichen Einstellung ist: der Mensch als Liebling Gottes hat ein ganz anderes Geschick als die Natur. Daraus dann die Weltverachtung bei manchen christlichen Autoren.


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Geschrieben

Yo. Der Mensch mit seinen Ansichten, Weltanschauungen, ob von anderen seltsam oder nicht empfunden, ist nur ein Teil der Natur. Sie braucht ihn nicht, aber er sie. Der Mensch ist von Natürlichem abhängig, davon, dass es harmonisch und seinem Leben zugeneigt förderlich als auch verwendbar bleibt. Natur kann er sich auch zum :Feind: machen, dann sorgt das Gefüge fast automatisch dafür, lebensfeindliche Umstände herbei zu führen. Natur ist ein Sammelbegriff für das Vorkommen, Interagieren, Zusammenhänge und Funktionen von Existentem, durch Überprüfung Feststellbarem.

Einige begrenzen Natur als System auf den Planeten Erde oder gar biologische Systeme. Das gibt es sogar bei den Wiesenschafen. Die Natur eines Pulsars, von Gammablitzen, sowas allem bleibt davon dann ausgenommen. Ist immer die Frage, wie weit man die Rahmen aufspannt.

Erklärt mal, warum das so bedeutend für Homosexuelle und das Adoptionsrecht ist, bitte. Dass das Bewusstsein von der Natur und ihrer Vielfalt der Ausprägungsvarianten endlich mal angekommen ist, wurde echt Zeit.


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Geschrieben

@Nuwas: Du argumentierst aber leider wie ein folgsamer Wolffianer (einer, der gelegentlich Gehlen gelesen hat) und darfst deswegen auch für einen gehalten werden: die Philosophie habe sich mit Gott, der menschlichen Seele und der Natur zu befassen; Gott sei leider kein Thema mehr, und das Naturthema verliere ebenfalls an Gewicht, weshalb der Mensch nur noch von sich selbst rede und sich zum Maß aller Dinge mache. Auch in Deinen weiteren Ausführungen behältst Du diese Position bei, indem Du "die Natur" de facto als "unabhängig von aller Erkenntnis geheimnisvoll waltend" setzt. Was aber ist "Natur" anderes als "Naturerkenntnis" – nicht Deine oder meine, sondern Erkenntnis schlechthin? Welcher Naturbegriff wäre darüber hinaus begrifflich zu erhellen? Wie insbesondere könnten der Natur "Normen und Werte" abgelesen werden?

Den Menschen in seiner Sterblichkeit und Begrenztheit als "der Natur unterworfen" zu bestimmen, bedeutet eine triviale Einsicht unter das Volk bringen. Einerseits macht der Mensch sich klein, anderseits ist er groß genug, sich selbst in seiner ganzen unzureichenden Anlage zu erkennen. Einerseits "ist sein Rang sehr untergeordnet", anderseits maßt er sich an, eben dieses Urteil auszusprechen und für es Geltung zu beanspruchen. Merkt jemand was?

Die Wissenschaft kennt kein "Totum" (Ganzes) der Natur. Sie kennt nur die Ergebnisse unterschiedlicher methodischer Zugänge zu empirisch erhobenen Daten. "Natur" ist eine Konstruktion jenseits der Wissenschaft, als das, was nicht vom Menschen geschaffen wurde. Aber auch als solches ist es Setzung, Gegenstand der Erkenntnis, mit ihrem Maß gemessen. Die Behauptung, dass alle Erkenntnis "Naturvorgang", "durch die Natur begrenzt" usw. sei, setzt die Hypostasierung eines untergeschobenen Naturbegriffs vor aller Erkenntnis voraus, genauso wie es die alte Ontologie handhabte und wie es der moderne Biologismus, wenn auch mit anderem Fundament und anderer Zielrichtung, betreibt. Wie weit die Grenzen der Erkenntnis gezogen sind und ob es "die Natur" ist, die sie begrenzt, darüber ist keine rationale Einsicht möglich, sondern nur Geschwätz mit ideologischer Intention.


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Geschrieben

@Empedokles Du machst auf die Sonderrolle des Menschen aufmerksam. Einerseits kann er vom Universum zermalmt werden, erweist seine Überlegenheit aber dadurch, dass er davon weiß. Ferner weist du auf Kant und seinen modernen Weltbegriff hin, der, wenn er von der Welt (Natur) als Ganzem spricht, dieses Ganze als "synthetisch" versteht, als Leistung der menschlichen Vernunft, die alle Erscheinungen der Natur in der regulativen Idee, der keine dingliche Realität entspricht, zusammenfasst..---Ich will aber offen gestehen, dass ich bei der Verwendung des Wortes "natürlich" nicht an die Bedeutung gedacht habe, die der Begriff in Wissenschaftstheorie und Naturphilosophie hat, sondern mehr an seine lebensweltliche Bedeutung. Und da formuliert er Zweifel , die sich aus nicht unerheblicher, jahrhundertealter Erfahrung ergeben.Du hast aber schon deutlich gemacht, dass dir an dem Problem der Adoption durch Schwule wenig liegt. Vielleicht geht es dir wie dem User @Hansarothe im anderen Thread., der die Schwulen "tief unter sich weiß" ("Maybe"!). Sicher hast du auch gesehen, dass meine Einlassung zu diesem Thema betont zaghaft vorgetragen wurde und eigentlich nur erfolgte, um den Thread in Gang zu bringen.
@Minotaurus Ihre Befürchtung, die CDU könnte mit Rücksicht auf ihre konservativen Stammwähler bestimmte Bastionen zäh verteidigen, ist nun wohl glänzend widerlegt. Die Partei ergeht sich in schrankenlosem Opportunismus, räumt eine Bastion nach der anderen, um ihre Stellung als Nachhut des Zeitgeistes zu überwinden.Wir werden sehen, wie es ihr bekommt.
Im Übrigen möchte ich, was mein Vorredner schon Ende Dezember gewünscht hat, in Zukunft jeden Kontakt vermeiden, auch den in diesem Forum.


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Geschrieben

Nun, verehrter @Nuwas, wenn wir uns überhaupt noch an Diskussionen in diesem Forum beteiligen wollen, werden gelegentliche Begegnungen sich vielleicht nicht vermeiden lassen. Sie sollten sich aber so unpersönlich wie nur möglich vollziehen.


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Geschrieben

Die 'Sonderrolle' bildet sich Mensch allerdings allzugern ein. Sehr häufig, weit verbreitet und mit selbstüberzeugter Standhaftigkeit, als wärs seine herzallerliebste Krankheit.

Diese Sonderrolle hat aber auch die Ameise inne. Kaum ein Mensch könnte das zehnfache seines Eigengewichts ohne Schwierigkeiten schleppen.

Oder die Höhlenschwalbe. Welcher Mensch kann sich allein mit seinem Speichel, Steinchen und Kram ein Heim bauen?

Vielleicht ist gar der Wattwurm was einzigartig Besonderes. Dadurch dass er seine paar Kubikmeter Sand im Jahr filtert und keinem anderen Wesen ein Haar dabei krümmt.

Der Mensch ist bloss was eingebildet. Das ist in der Natur gewiss nichts Besonderes.


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