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outen ja oder nein

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

ich bin 32 Jahre alt und bin schon eigentlich schon immer Schwul, ich verschweige das schon die ganze Zeit ( Vater weiß es Mutter nicht ) hat einmal eine Mail gelesen, da sah ich sein trauriges Gesicht. Ich habe Angst mich zu outen, weil ich nicht meine Familie und Freunde verlieren will. Bin Tischtennistrainer Assistentz in Schüler und Jugendbreich und will nicht daß verlieren. Lieber würde ich mein Job verlieren. Was soll ich tun, soll ich das so lange wie möglich für mich behalten oder nicht. Das kostet ganz schön viel Kraft sich zu outen oder nicht. Jeden Tag über lege ich ob ja oder nein bitte um ehrliche Hilfe


Geschrieben

Hallo Micha 32,

ich weiss,dass es schwer ist sich zu outen.Ich bin 38 und auch schwul.Ich habe mich aber bereits mit 16 Jahren meiner Familie und den besten Freunden gegenüber geoutet.Es war damals echt schwer für mich.Aber hinterher habe ich mich total befreit gefühlt.Ich konnte offener als Schwuler leben,musste mich nicht mehr verstecken.Meine Freunde haben es sehr gut akzeptiert,meine Eltern eher verhalten.Aber mittlerweile können sie gut damit umgehen.Also,an Deiner Stelle würde ich mich outen.Man fühlt sich dann wirklich befreiter.Denk drüber nach.

LG


Geschrieben

lieber micha,
ich bin bestimmt kein missionar in sachen outing und frage lieber erstmal nach allen möglichen details und umständen, aber das outing ist meiner meinung nach die grundlage für deine gesunde und freie schwule zukunft. ok, ich lebe nicht in meiner heimat, ich habe nicht das zu verlieren, was du befürchtest, verlieren zu können. aber ist es das wert, um sich zu verleugnen, einen wesentlichen teil von dir selbst zu verstecken, zu unterdrücken, als makel herum zu tragen? und wenn du deine wünsche und träume nicht auslebst, meinst du, dass du das aushältst? vielleicht wirst du aber gar nichts verlieren. wir haben 40 jahre emanzipation in deutschland erlebt. die leute sind oft weiter als man denkt. vielleicht musst du es ihnen nur zumuten und sie reagieren ganz anders, als du erwartest? hm, ich stehe dir gern für ein gespräch zur verfügung, habe offene ohren.
lg lino


Enkolpius
Geschrieben

Hi Micha!

Nur zu gerne würde ich sagen können, dass auch im Sport, ob Tischtennis oder andere, die Emanzipation der Schwulen durchgekommen ist. Ich möchte nicht mal das Gegenteil behaupten, aber ich denke schon, dass im Vereinswesen da doch noch Nachholbedarf besteht, vor allem, wenn Du Jugendtrainer bist. Es gibt halt noch genug homophobe Väter und besorgte Mütter, die ihre Kinder ungern in den Händen von Schwulen wissen. Weil, es könnte ja sein, dass... und so weiter.

Ich möchte Dir ehrlich raten, ein Outing zu machen, aber in kleinen Schritten. Du sagst, Dein Vater wüsste oder ahnte es. Sprich mit ihm darüber. Sprich mit Deiner Mutter darüber. Und auch wenn das nicht immer einfach ist, hättst Du den größten und wichtigsten Schritt bereits getan. Eltern verstoßen ihre Kinder nicht einfach so, und wer weiß, vielleicht hörst du dann das so oft zitierte: "Ach, das habe ich ja schon längst geahnt."

Im Freundeskreis musst Du auch kein explosives Outing setzen. Sag es denen, denen Du bedingungslos vertraust, und dann irgendwann wirst Du merken, dass es anderen gegenüber immer leichter wird zu sagen: Ach ja übrigens, ich bin schwul.

Ein Outing auf einmal ist schwer, besonders, wenn man schon über dreißig ist. Ein Outing in kleinen Schritten ist jedenfalls leichter, und du kommst trotzdem zum Ziel.


Mein Tipp. Alles Gute!


Geschrieben

Hallo, möchte dazu auch etwas schreiben. Bin 64 Jahre alt, das mal vorgeschickt.
Bin, so glaube ich, seit meiner Pubertät schwul. Aber zu meiner Jugendzeit gab es so etwas einfach nicht, fertig. Alle Freundinnen, die ich dann so hatte, haben mir den Laufpass gegeben, weil ich zu brav war! Habe dann mit 23 geheiratet, weil es so sein musste. Und weil ich geglaubt habe, dann wird alles anders und….Die ersten Jahre meiner Ehe war alles ganz normal, aber es wurde immer weniger mit dem sex, habe schon über 30 Jahre lang keinen sex mehr mit meiner Frau gehabt.
Über die Jahre hin haben sich bei mir immer stärkere Depressionen entwickelt, so dass ich dann mit 58 Jahren voll berufsunfähig wurde. Ich war kaum noch fähig, mit anderen Menschen zu kommunizieren, jemanden anzusprechen war völlig unmöglich. Bin nun seit vielen Jahren in Psychotherapie und habe mich zu Beginn dieses Jahres gegenüber meinem Therapeuten geoutet. Man soll es nicht glauben, welch eine Befreiung das war!!!!!!!!!!!!!! Hatte dann auch Kontakte zu Männern, aber das furchtbar schlechte Gewissen machte mir sehr zu schaffen. Und so habe ich an mir gearbeitet, bis ich an Pfingsten mich gegenüber meiner engsten Familie ( Frau und Sohn ! )geoutet habe. Es war wohl ein großer Schock, aber es war heraus. Und nun macht meine Befreiung dermaßen große Fortschritte, dass ich kaum noch Antidepressiva nehmen muss. Ich stehe manchmal vor dem Spiegel und kenne mich nicht wieder. Hätte ich das doch schon vor 40 Jahren gemacht, dann wäre mir und meiner Frau doch vieles erspart geblieben.
Darum kann ich nur den Rat geben, oute Dich und Du wirst Deine Befreiung erleben.


Geschrieben

Danke, für Deine Geschichte. Zum Teil kenne ich das jetzt schon, weil ich jeden Tag bei meiner arbeit daran Denken muß soll ich mich outen oder nicht und was ist, wenn ein Kollege mich auf diesen Seiten sieht, nachher hängt ein Foto von mir ( nackt oder nicht auf dem schwarzen Brett) wo alle Arbeiter mich sehen könnten. Noch einmal vielen Dank für Deinen Tip. Ich werde es nach und nach beherzigen.


Geschrieben

hi, nachdem ich Deinen Beitrag gelesen habe, möchte ich nicht das gleiche erleben wie Du und den ersen Schritt gemacht, vordem schlafen gehen habe ich es meiner Mutter erzählt und wir haben dann uns 15 Minuten unterhalten und dann war das Thema erledigt für uns, noch einmal vielen Dank dafür.


Hansel55
Geschrieben

Gratuliere das war bestimmt nicht leicht


viva67
Geschrieben

Hallo Micha,

ich habe mich auch erst recht spät geoutet und ich muß dir ebenso sagen, dass es gut gehen kann, aber es kann auch Probleme z.B. bei der Arbeit oder dem Verein geben. Mach aber weiter.......... du gewinnst mehr als du verlieren kannst.

Du bist doch dann auch von Heute auf Morgen kein anderer Mensch für dein Umfeld geworden. Es ist ja "nur" eine andere Sexualität. Du bist wer du bist und das werden die Anderen auch merken. Dein Selbstwertgefühl wird steigen und so wirst du dich vielleicht auch wundern, wenn auf einmal ein anderer Kollege oder Sportsfreund auf dich zukommt und sich dir als schwul offenbart. Es gibt überall schwule Männer, mehr als es scheint. Wer dann ein Problem mit dir hat, dem ist nicht zu helfen und es ist dann dessen Problem und nicht deins. Du solltest über der Sache stehen und du wirst sehen, nach einigen Wochen interessiert das Thema niemanden mehr. Das Geschwätz läßt nach und du wirst dann deine neue Freiheit genießen können. Die Anderen werden zwar manchmal Witze machen, aber man(n) muß auch über sich selber lachen können.

Es ist gut, daß es du deiner Mutter gesagt hast, wobei ich glaube, daß sie es schon geahnt oder gewußt hat. Eine Mutter spürt was da los ist und ich kann mir nicht vorstellen, daß bei dir viele Freundinen zu Besuch waren.
In deinem Verein oder bei der Arbeit wird es doch bestimmt Menschen geben, mit denen du dich gut verstehst. Wenn es Leute mit Charakter sind, werden sie es akzeptieren. Du wirst auch so manche Antwort hören "das habe ich mir doch gedacht" oder so ähnlich................ mach weiter, arbeite an deiner Freiheit so zu sein wie du bist und du wirst sehen, am Schluß hat sich dein Schritt auf alle Fälle gelohnt.

Gruß ............ Thomas



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