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Schwul oder Bi?


dakafe

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Hey liebes Gays Forum,

Ich komme heute zu euch mit dem Problem, dass ich mir nicht genau sicher bin, ob ich schwul- oder bisexuell bin. Ich möchte mir deswegen ein paar Ratschläge zur Selbstfindung einholen. Der Grund dafür ist der, dass ich mich natürlich vor meinen ganzen Freunden outen möchte, nur wäre dies blöd wenn ich sagen würde ich bin schwul und dann doch mit einer Freundin aufkreuze.
Damit ihr mich nicht falsch versteht:
Meine Vorlieben liegen größtenteils beim männlichen Geschlecht, doch muss ich ehrlich gestehn das ich Frauen auch Sexuell attraktiv finde. Ich kann mir nur überhaupt keine Beziehung mit einer Frau vorstellen, was auch daran liegen könnte, dass ich mich in einer Beziehung nicht als Mann, sondern eher als die Frau sehe
Wenn ich Pornos schaue sind es fast immer nur Gay-Pornos und bei einem Straight-Porno bin ich mir nicht sicher, ob ich nur auf den Mann achte oder ob ich nicht auch an der Stelle des Mannes wäre...

Ich hoffe ich konnte das Problem genau beschreiben und hoffe ihr könnt mir ein paar Ratschläge geben...

Liebe Grüße
Dakafe


Geschrieben

Zit.:** Der Grund dafür ist der, dass ich mich natürlich vor meinen ganzen Freunden outen möchte,**

..und warum möchtest Du Dich 'natürlich outen'? LG L.

Geschrieben

Lieber @Dakafe:
Als ich so etwa in Deinem Alter war, hatte ich ein ähnliches Problem: Ich war auf der Suche nach meinem Ich. Mir war seinerzeit lediglich bewusst, dass ich "anders" war, als meine restlichen Freunde / Kumpels, welche sich für Mädchen interessierten. In einer Leihbücherei fand ich, neben verschiedenen Sexualratgebern, ein Buch mit dem Titel. "Mein Sohn ist schwul - na und?!?" ( so, oder so ähnlich lautete der Titel). Ich fühlte mich sofort angesprochen. Nach dem Lesen des Buches stand für mich fest: "Ich bin schwul" und nix anderes.

Ich machte damals den Fehler, mich meinen Freunden zu offenbaren. Mit dem Ergebnis, dass ich urplötzlich keine "Freunde" mehr hatte...zugegeben, in den 90'er Jahren war Homosexualität noch viel mehr ein Tabuthema als heute. Doch allzuweit ist es mit Homophobie heutzutage auch nicht her. Daher überlege Dir gut, ob Du Dich wirklich outen möchtest. Und frage Dich auch, wie @Lederduft schon bemerkte: Warum willst Du Deine Form zu leben und zu lieben öffentlich machen???
Hast Du jemals in Deinem bisherigen Lebenslauf einmal die Erfahrung gemacht, dass ein Heterosexueller zu Dir angerannt kam und sagte: "Du, übrigens, ich weiß nicht, aber wusstest Du eigentlich, dass ich heterosexuell bin. Ich hoffe, das stört Dich nicht und Du hast keinerlei Probleme damit, dass ich als Kerl auf Frauen stehe?!?"

Wie sprach doch ein berühmter Philosoph (Quelle wird nachgereicht): "Liebe - und tu was Du willst". Mit anderen Worten, finde einfach den Partner / die Partnerin, den / die Du voll und ganz lieben kannst. Mache Dir um die Bezeichnung dieser Beziehung keinen Kopf. Lebe Dein Leben,ohne Dir einen Stempel aufdrücken zu lassen.

Geschrieben

Hallo,

In deinem Alter haben die meisten eine sehr starke Libido. Als Schwuler kann man dann noch gut Sex mit Frauen haben, da sich das gegenseitige Streicheln und Berühren einfach irre gut anfühlt.
Sag deinen Freunden, dass Du schwul bist aber auch offen für andere sexuellen Kontakte bist.

Schöner Tag noch, HM


Geschrieben

Dieser Bericht bekräftigt eine Sichtweise, die sich in mir schon seit längerem zu entwickeln begann, nämlich die, dass im Grunde nicht die sexuelle Ausrichtung von Bedeutung ist, sondern viel mehr die jeweilige Wesensart.
Die klassische Unterteilung "fühlt sich zu Mädchen/Frauen hingezogen = heterosexuell" / "fühlt sich zu Jungs/Männern hingezogen = ein Schwuler" / "fühlt sich zu beiden hingezogen = bisexuell" ist meiner zunehmenden Überzeugung nach möglicherweise ein furchtbarer Irrweg! Offenbar gibt es nicht wenige Männer, die trotz ihrer Vorliebe für Frauen von ihrer Wesensart her im Grunde "schwul" sind. Dazu gehört u. a. das in obigem Bericht erwähnte Übernehmen der Rolle der Frau und durchaus auch der regelrechte Drang sich irgendwie "outen" zu müssen (die schwule Welt hat dafür den Begriff "Pride" (engisch für Stolz) erschaffen), sowie, ich höre den Aufschrei schon, ein gewisser Drang sich der passiven analen Befriedigung hingeben zu wollen. Da ist es dann kein Wunder, dass ein Mensch mit dieser eher typisch "schwulen" Wesensart, sich dann irgendwann selbst fragt ob er vielleicht tatsächlich schwul ist. Bisexuell ist meiner festen Überzeugung nach übrigens im Grunde jeder, wobei der Grad der Tendenz zu m oder w natürlich variabel ist. Der eine unterdrückt das (bewusst oder unbewusst), der andere nicht.
Vieleicht ist es dem User dakafe eine Hilfe, wenn ich berichte wie das so bei mir ist:
Erkenne ich bei einem Mann eine schwule Wesensart, dann fühle ich mich (Instinktiv?) unmittelbar von ihm abgestoßen. Jede weitere Annäherung seinerseits wäre vollkommen sinnlos, völlig egal wie alt er ist oder wie er aussieht. Männer und Frauen von z. B. 40, 60 oder 80 Jahren kann ich beide gleichermaßen attraktiv finden, wenn sie denn auch attraktiv sind. Attraktivität im fortgeschrittenen Alter besteht allerdings primär aus Würde, was den vollkommenen Verzicht auf das voraussetzt, was man allgemein als "sich gehen lassen" bezeichnet (Ungepflegtheit, Übergewicht, mürrisches Auftreten, Zynismus etc.). Was Männer und Frauen dieser Altersgruppe jedoch beide gleichermaßen nicht auf mich ausüben, ist jegliche sexuelle Anziehungskraft. Ein Gefühl des Begehrens wird nicht ausgelöst - und das ist meiner Ansicht nach von der Natur durchaus auch so gewollt.
Nehmen wir nun den jungen Menschen von z. B. 20 Jahren, dann sieht es bei mir so aus, dass ich mich von einem attraktiven Mädchen/Frau ebenso angezogen fühle, wie von einem attraktiven Jungen/Mann. Ist bei einer imaginären Wahl zwischen zwei "Bewerbern" das Mädchen/Frau attraktiver, dann würde ich mich für sie entscheiden. Ist der Junge/Mann attraktiver, dann wäre er meine Wahl. Meine Idealvorstellung ist aber unbedingt ein attraktiver schlanker Junge/Mann! Was in der logischen Schlussfolgerung auch wohl dazu führt, dass ein für mich attraktives Mädchen/Frau auch nur einen jungenhaft schlanken Körper und ein entsprechend feines schmales Gesicht haben kann.
Alles überzogen "weibliche" (vollkommen egal ob bei einem Jungen/Mann oder bei einem Mädchen/Frau) wirkt auf mich abstoßend. Somit auch die o. g. schwule Wesensart.
Vielleicht ist es dem User dakafe eine Hilfe sich ebenfalls bezüglich seiner Vorlieben oder Ideale einmal eingehend zu prüfen. Aber, wie gesagt: Bisexuell ist meiner Überzeugung nach ohnehin jeder, der eine mehr, der andere wenige, der eine mehr in diese Richtung, der andere mehr in die andere. Absolute Ablehnung des einen oder des anderen ist entweder von der Gesellschaft aufgesetzt oder selbstgebacken (ohne es zu wissen).

Nachtrag: Bzgl. eines "Outings" wäre ich äußerst vorsichtig! Was versprichst Du dir davon?


Geschrieben

Erstmal Danke für die umfangreichen Beiträge!

Ich fand es sehr interessant und spannend eure Texte zu lesen und habe mir dabei auch selber viele Gedanken gemacht!

Da mich jetzt viele wegen es Outings fragen, das hat den Grund:

Ich möchte einfach vor jedem offen damit umgehen und mich nicht verstecken oder aufpassen, dass ich ja keine "schwule" bemerkung mache etc. Ich habe mich schon vor meiner Mutter, Besten Freund und ein paar ausgewählten Freunden geoutet und das kam in allen Fällen gut an und wurde akzeptiert. Zudem kommt natürlich das Thema Homosexualität schon manchmal in Gesprächen auf wenn man was trinken ist oder so. Aus denen ging meist nur hervor das Homosexuelle vollkommen akzeptiert werden.
Also habe ich nicht wirklich soviel Angst mich zu Outen!


  • Moderator
Geschrieben

Bravo @dakave, das ist die richtige Einstellung. In dieser zeit sollte niemand mehr wirklich Angst haben so zu sein wie man eben ist. Intoleranz und Homophobie ist allenfalls von geistig unreifen oder religiös verblendeten Menschen zu erwarten, und solche Menschen sind zum Glück mittlerweile eine Minderheit. Hetero, schwul oder bi, das sind ohnehin nur "Schubladen" in die wir uns selbst einordnen. Sexuelle Anziehung oder gar Liebe, im Idealfall beides, sollte keine Frage des Geschlechtes sondern eine Frage der Gefühle sein die sich zwischen zwei Menschen entwickeln können.


Geschrieben

Bevor wir dann jetzt in eine gesellschaftspolitische Richtung abschweifen würde ich gerne noch einmal auf die eigentliche Fragestellung von dakafe zurückkommen, was seine eigene Selbstfindung betrifft.
dakafe, bevor Du jetzt in Euphorie verfällst und dir sicher zu sein glaubst, solltest Du dich wirklich eingehend prüfen, in welche Richtung dein Begehren wie stark geht. Und noch etwas: Was ich oben geschrieben hatte, betraf meine eigenen eher körperlichen Begehren. Liebe hingegen kann ich nur für einen Jungen/Mann empfinden. Zuneigung oder auch sexuelles Begehren jedoch für beide (nach den oben beschriebenen Regeln).
Ich schreibe das aus einem ganz bestimmten Grund. Vor Jahren kannte ich einen Jungen (zufällig genau 20), der sich als schwul ansah und der auch eine typisch schwule Wesensart hatte (Rolle der Frau / aktiv in der Schwulenbewegung tätig / Vorliebe für eine bestimmte Sexpraktik etc.). Dieser Junge war im Alter von 15 Jahren bei einem Strandurlaub sexuell von einem Mann benutzt (mit der o. g. Sexpraktik) und nach dem Akt unmittelbar fallengelassen worden. Der Junge lebte dann sein vermeindliches oder auch nicht vermeindliches Schwulsein aus, teilweise wirklich exzessiv - und: Er outete sich bei jeder nur möglichen Gelegenheit. Aber: Er hatte mir erzählt, dass er niemals einen Mann lieben könne - Liebe könne er nur für ein Mädchen/Frau empfinden. Gleichzeitig behauptete er aber nur über besagte Sexpraktik einen Orgasmus bekommen zu können - alles andere wäre definitiv erfolglos.
Der Junge (heute natürlich ein Mann) ist inzwischen längst verheiratet und hat, man staune, zwei Kinder mit seiner Frau. Aufgrund seines Vorlebens war er allerdings natürlich gezwungen sein komplettes Lebensumfeld zu ändern. Das bedeutet Wegzug in ein anderes Bundesland, Aufgabe fast seines gesamten Freundeskreises etc..
Alles hat immer zwei Seiten. Sich hier so jung bereits öffentlich festzulegen sollte gut überdacht werden.


  • Bizarr

    Eine ausgefallene Art, meist für andere ungewöhnlich - oft im Zusammenhang mit sexuellen Spielweisen genutzt.

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