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Schwules Risiko


Minotaurus420

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Die Weltgesundheitsbehörde WHO warnt wieder einmal vor dem Risiko einer HIV-Infektion. Rund 35 Millionen Menschen weltweit sind infiziert, der größte Teil davon lebt in Afrika in den Ländern südlich der Sahara. Schon der statistischen Wahrscheinlichkeit nach sind die meisten Infizierten heterosexuell und nicht schwul. Gleichwohl aber weist die WHO auf Homo- und Transsexuelle, Prostituierte und Gefängnisinsassen hin, bei denen das Ansteckungsrisiko signifikant höher sei. Auf das ungleiche Zahlenverhältnis zwischen Hetero- und Homosexuellen geht die WHO gar nicht ein. Dass dennoch die Infektionsraten in den afrikanischen Ländern sehr hoch sind, findet seine Erklärung in Untersuchungen, die in Kenia angestellt worden sind - mit mehr als überraschendem Ergebnis.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) erläutert ausführlich, weshalb die HIV-Infektionsrate so hoch ist und welche männlichen Sexgewohnheiten dafür verantwortlich sind.

Hier lesen

Geschrieben

wer aktiv beim sex ist, ist nach kenianischem verständnis nicht schwul. da geht’s nur um befriedigung!

ohne dit für eine schräge humoristische einlage zu werten, ereilt uns damit ein weiteres indiz für eine extreme unterversorgung von essenziell wichtiger aufklärung! wenn die who das (sexuelle) wohl der menschen wirklich als primäres ziel verfolgt, sollte sie in diesen regionen intensive, ehrliche und vollumfängliche aufklärungsarbeit leisten - inkl. verhütung bzw. "hiv-schutzmaßnahmen". stattdessen versucht man sich mit desinformationen oder halbwahrheiten in homophob eingefärbter rhetorik.

Geschrieben

Mich hat der Artikel in der FAZ überrascht, da er zwei Informationen enthält, die ich bisher bestritten hatte. Der Artikel spricht von farbigen Schwulen und schätzt die Zahl der Schwulen in Kenia so hoch wie die Zahl in Europa.Es sei dahingestellt, ob die Zahl nun bei 4% liegt. Meine Erfahrung mit vielen Afrikanern war, dass sie Schwulsein verlachten und als unafrikanisch ansahen.Schwul konnten für sie nur Europäer sein.
Weiter unterstützt der Artilkel die These von @Minotaurus, dass erst die englische Kolonialverwaltung ( und heute die amerikanischen Pfingstkirchen) den Kampf gegen Schwule forciert habe. Auch in dieser Hinsicht war ich anderer Meinung.Da ich etliche Leute aus den Kolonialgebieten Frankreichs kenne, die entschieden homosexuelle Handlungen ablehnen, bleibt mir hier noch ein Problem.


Geschrieben

Lieber @Nuwas,
Ethnologen wie Margret Mead, Bronislaw Malinowski, Eibl-Eibesfeld und viele andere haben schon vor vielen Jahrzehnten hingewiesen auf die unheilvolle Rolle sowohl der christlichen Missionare als auch der Kolonialmächte, gerade in Bezug auf die Indokrination der jeweiligen Völker und Stämme. Dabei wurden teils mit roher Gewalt, teils durch strafbewehrten Zwang die repressiven Sozialnormen und die Gesetzgebung der jeweiligen europäischen Besatzungsmächte durchgesetzt. Im speziellen Fall haben vor allem die Briten im 19. Jahrhundert ihr Strafrechtssystem in den Kolonien eingeführt, das Strafrecht, das u.a. Homosexualität mit hohen Strafen bedrohte. Nachgewiesenermaßen aber war in jenen Ländern Homosexualität zuvor nie strafbar gewesen, weder in Indien und Ceylon noch in den orientalischen oder afrikanischen Ländern.

Leider ist nicht wegzudiskutierende sozialhistorische Wahrheit, dass es vor allem die protestantischen englischen Missionsgesellschaften und die von ihnen finanziell unterstützten schweizerischen und deutschen Missionsgesellschaften (z.B. die Basler Mission) waren, die ihre fundamentalistisch-sexualfeindliche Sündentheologie den fremden Völkerschaften überstülpten. Nicht von ungefähr wird beim heterosexuellen Sexualakt von der sogenannten Missionarsstellung gesprochen. Denn sehr zur Verwunderung der "Eingeborenen", die zumeist bei der Kopulation den "Doggystyle" praktizierten, hatten die Missionare ihre Begattungsart mitgebracht und darauf bestanden, dass nur diese Kopulationstechnik "gottgefällig" und damit sittlich gerechtfertigt sei. Die zuvor von den "Eingeborenen" geübten Sexualpraktiken (dazu gehören auch Cunnilingus und Fellatio) wurden als widernatürlich und als Vergehen gegen Gottes Wille gebrandmarkt. Teilweise wurde die Missionarsstellung sogar per Gesetz angeordnet. Als besonders verwerflich und gotteslästerlich wurde die Homosexualität bezeichnet. Die Briten benutzten dafür zumeist den sprachlich verräterischen Ausdruck "moral insanity", der 1835 von dem englischen Psychiater Prichard erfunden worden war.

Die Abscheu und das Entsetzen vor der "Zügellosigkeit" und den "sündhaften Gebresten" der "Eingeborenen" spiegelt sich vor allem in unzähligen Missionsberichten und Briefen, die wohlverwahrt, aber durchaus zur Einsicht für Forschungszwecke freigegeben, in den Missionsarchiven schlummern. Selbst in den illustrierten Missionszeitschriften (Hermann Hesses Großvater hat auch einige davon herausgegeben) wurde immer wieder betont, welch schwere Arbeit es sei, die "Eingeborenen" zum "Heiland zu bekehren, auf dass sie lassen von der Sünde immerdar" .

Ähnlich wie ihre protestantischen Kollegen zogen auch die katholischen Missionare gegen die Sexualität zu Felde, damit die "Unwissenden [gemeint sind die 'Eingeborenen'] den Klauen Satans entrissen werden." Auch hierbei wurde mit aller Schärfe stets die Homosexualität als "himmelschreiende und Todsünde" [den theologischen Begriff hatte Petrus Canisius eingeführt] verurteilt. Bei der Eroberung Amerikas waren es die spanischen Mönche der Inquisition, welche die ungehemmte Sexualität der Ureinwohner geißelten; die Berichte dieser Missionare sind voll von solchen Schilderungen. Die katholischen Moraltheologen des 19. Jahrhunderts wetterten genauso erbarmungslos gegen "Versuchungen des Fleisches" und erst recht gegen die mannmännliche Sexualität. Kein Wunder also, dass auch in den ehemaligen französischen Kolonien bis heute die Giftpflanze der Homophobie wuchert.

Ergänzung: Die Körperfeindlichkeit der christlichen Missionare und insonderheit die Angst vor der möglichen sexuellen Signalwirkung des unbedeckten Körpers führte dazu, dass mit als erste Bekehrungsanweisung (teils sogar mit Gewalt durchgesetzt, da Missionare sich der Mithilfe von Soldaten der Kolonialmacht versicherten) Frauern ihre nackten Brüste zu verhüllen und Männer zumindest einen Lendenschurz zu tragen hatten. Ebenso bekämpften die Gottesmänner die als erotische Aufforderungszeichen gedeuteten Schmucknarben, Ohren- und Lippendurchbohrungen, aus Schönheitsgründen spitz zugefeilte Zähne, "wilde" Frisuren und "barbarischen" Schmuck der "Heiden". wobei allerdings die Missionare mitunter auf heftigen Widerstand der "gottfernen Eingeborenen" stießen.
Erfolgreiche Bekehrungen wurden in Missionszeitschriften nicht nur voller Stolz beschrieben, sondern auch durch Vorher-Nachher-Illustrationen (Fotos oder auf Zeichnungen meist englischer Künstler beruhende Lithos und Stahlstiche) verdeutlicht. Dabei fällt auf, dass die sodann Bekehrten in europäischer Kleidung dargestellt sind (lange Röcke und zu Knoten gebändigte Haare bei Frauen; Hemden und Hosen für Männer, bzw. Anzüge für einheimische Prediger)
.
Dazu parallel einhergehend wurden die in vielen Kulturen üblichen in Gemeinschaft bewohnten Langhäuser, separate Männer- und Frauenhäuser und Initiationshütten verboten, weil diese, ebenso wie Tanzfeste und Stammesrituale, als "Orte der Unzucht" und die "den Heiland grämende Sünde" angesehen wurden.

Geschrieben

Ich habe einmal in Freuds "Unbehagen in der Kultur" gelesen, dass der Anfang der Kultur darin bestand, dass der Urmensch darauf verzichtete, das Feuer mit seinem Urinstrahl zu löschen.
Kultur ist offenbar mit der schweren Arbeit der Sublimation der Triebe verbunden. Deshalb laufen wir in Europa nicht mehr mit entblößten Brüsten und Gliedern herum, und auch unser Tanz war voll Zucht, Gesellschaftstanz, bis es dann nach 45 wieder zu einem Einbruch ungezügelter Sexualität kam, der dann prompt zu einem Absinken der Kultur führte. Es scheint, dass wir "Zurück zur Kultur!" müssen, um als Europäer unsere Herrschaft über die wilden, ungezügelt ihren Trieben lebenden Wilden in aller Welt aufrecht zu erhalten.
Mir scheint, dass gerade wr Schwule mit unserem doch schon sehr gedämpften Trieb hier wesntliche Beiträge leisten können und der Kultur zuliebe entschieden sublimieren sollten.


Geschrieben

Ach @Nuwas, eine etwas subtilere Art der Ironie würde ich schon von Ihnen erwartet haben, als nun dieses tantenhaft altjüngferliche Mokieren über das vorgebliche "Absinken der Kutlur". Im Kontrast dazu noch den ethnologisch ziemlich unbedarften Sigmund Freud heranzuziehen, dessen mystisches Geraune über den Urmenschen ( sowas Ähnliches hat Rudolf Blümner mit dem "Urwort" veranstaltet) als Kultur- und Zivilsationstheorie bestenfalls Anekdotencharakter beanspruchen kann, das will mir als ironisches Glanzlicht auch nicht sonderlich brauchbar erscheinen.

Unser Tanz also war "voll Zucht" bis 1945? Da lachen ja die sprichwörtlichen Hühner über solch einen ahistorischen Schlenker. Blättern wir doch einfach einmal zurück und entdecken dabei, dass vor allem die Geistlichkeit und das saturierte Bürgertum ganze Mistfuhren des Abscheus herangekarrt hat und lauthals nach der Polizei rief, um die Sittenverderbnis und Unmoral zu unterbinden, die mit dem Aufkommen des Walzertanzens das Abendland bis in die Grundfesten erschüttere. Erst recht erregten sich die vermufften Gemüter, als der Tango seines Siegeszug in europäischen Tanzsälen Einzug hielt; die baltische Erzählerin Hueck-Dehio hat das in ihrer hübschen Geschichte über Tipsy anschaulich geschildert. Und was für einen Aufstand gab es nach dem Ersten Weltkrieg, als mit dem Jazz auch diese "unansehnlich wilde Hopserei", diese "vulgär zur Schau getragene Sexualität" Tanzmode geworden war. Allzu gut erinnere ich mich selbst an die Brandreden über die Unmoral des Boogie-Woogie, an die Schimpftiraden über "Niggermusik" und an das blanke Entsetzen über die "bare Unkultur" des Rock'n Roll. Der Kölner CDU-Funktionär Adolf Süsterhenn hatte die ungemein einflussreiche "Aktion Saubere Leinwand" ins Leben gerufen, nach deren Maßgabe alle "Stellen" aus Kinofilmen herausgeschnitten werden mussten.

Von ironischem Liebreiz zeugt Ihr Appell, Schwule sollten ihre Triebe sublimieren zugunsten der Kultur. Ei ja doch, jede unterlassene Ejakulation ist ein fundamentaler Beitrag zur abendländischen Kultur! :-D


Geschrieben

@Minotaurus Erstaunlich, dass Sie vom hohen Thron her Freud schulmeistern..Mie scheint, dass seine Thesen mehr Aufmerksamkeit verdienen, auch wenn wir heute keine Freudmarxisten mehr sind. Er war kein Ethnologe, aber oft sehen die Nichtfachmänner richtiger.Oben haben Sie ja auch eine Dreiergruppe von angeblichen Ethnologen zusammengestellt, die außer in Ihrem Arrangement wenig Gemeinsames haben. Fräulein Mead verstand von der Südsee bestimmt weniger als Freud.
Ihre Geschichten über Walzer und Rock etc. kenne ich alle. Dass im 19.Jhdt. einige Bürger den Weltuntergang sich anköndigen sahen, weil es beim Walzer zum Körperkontakt kam, ist schon wahr.Wir werden deshalb nicht die Polonaise zur einzigen legalen Tanzform wählen müssen. Dass aber die heutige Tanzkultur (meist drogenbeflügelt) nun sehr weit vom bisherigen europäischen Lebensgefühl entfernt ist, fällt jedem auf. Sie ist ein Rückfall, den manche auch positiv, nämlich als Revitalisierung der Europäer sehen. Ich nehme mir heraus, in dieser schwitzenden Geilheit der Akteure, die sich in den Schritt fassen und die Hemden vom Leibe reißen, Symptome eines Kulturverfalls zu sehen, den niemand heute ernsthaft bestreiten kann.
Denken wir deshalb etwas freundlicher über die europäischen Missionare, die mehr geleistet haben als die Verbreitung ihrer sexuellen Verklemmtheit.


Geschrieben

@Nuwas, es gilt wie stets, auch die verschiedenartigen Folgen der christlichen Missionarbeit gegeneinander abzuwägen. Dabei sollen die unstreitigen Verdienste um die Entwicklung der fremden Völker keineswegs unterschlagen werden, seien es der Zugewinn für Medizin, Heilwesen und Hygiene, Techniktransfer, Infrastrukturaufbau, Sprachwissenschaft, Alphabetisierung und vieles andere mehr. Andererseits aber kann die massenhafte Zerstörung ganzer Völkerkulturen durch die christliche Missionsarbeit nicht geleugnet werden.

Da dieser Thread sich explizit mit Homosexualität, Sexualität im allgemeinen und der durch Missionare und Kolonialmächte vermittelten Sexualphobie beschäftigt, erscheint mir eine generelle Diskussion über Missionsarbeit an dieser Stelle überflüssig.
_ Ganz entschieden aber muss Ihrem leichtfertigen und zudem falschen Urteil über Freud und die Ethnologin Margret Mead widersprochen werden. Denn im Gegensatz zum herumtheoretisierenden "Vater" der Psychoanalyse, der keinerlei persönliche Erfahrung aufwies, hatte Mead (ähnlich wie Malinowski ebenfalls) in jahrelanger Feldforschung in der Südsee die Gewohnheiten und Gebräuche einer Reihe Völker vor Ort erkundet. Meads minutiöse Beobachtung und Beschreibung z.B. der Berg-Arapesh auf Papua-Neuguinea gehört zu den Meilensteinen der empirischen Wissenschaftsgeschichte. Nicht von ungefähr waren es konservative Kirchenkreise, die sich über die präzisen Beschreibungen der sexuellen Gewohnheiten und Techniken dieser "primitiven" Völker ereiferten. Vielfach wurden in frommen Zeitschriften Aufsätze veröffentlicht, in denen die "moralische Fragwürdigkeit" der ethnologischen Untersuchungen Meads angeprangert wurden.
Den weltweit renommierten Verhaltensforscher Eibl-Eibesfeld, dessen ethnologische Feldforschungen Maßstäbe gesetzt haben, hier abzumeiern wie einen dummen Schuljungen, spricht nicht eben für intellektuelle Souveränität und Solidität. Ich hielte es für angebracht, sich vor dem Posten besser zu informieren.


Geschrieben

@Minotaurus Sie versuchen hier wieder dieselben Methoden, mit denen Sie Crotalus verscheucht haben, nämlich sterile Beschimpfungen, oberlehrerhaftes Getue und Anspruch auf eine wissenschaftliche Kompetenz, die ja in keiner Weise gegeben ist.Wenn Sie mich schon auffordern, mich besser zu informieren, so befolgen Sie diesen Rat doch besser selbst. Sie schreiben nicht einmal den Namen des von Ihnen als"weltweit renommierten" Verhaltensforscher bezeichneten Eibl- Eibesfeldt richtig. Dieser betrachtete sich nicht als Ethnologe, sondern als Biologe.Und wie er über Mead denkt, sagt er Ihnen z.B. auf den Seiten 371ff. seines Werkes "Die Biologie des menschlichen Verhaltens". Ich bewundere das Buch sehr und ebenso seinen Verfasser. Es ist völlig überflüssig, mich daran zu erinnern, dass er eine große Autorität ist.
Meads Bücher waren früher geschätzt. Seit der Freeman-Debatte haben aber viele Leute Zweifel. Sie ging mit einem vorgefassten Konzept an ihre Forschungen (Etablierung des Kulturrelativismus). beherrschte auch nicht die Sprache der Somoaner und lebte in der Vorstellung, dass die Eingeborenen gerade ihr Geheimnisse verrieten. Man wird auch kaum übersehen können, dass ihre Beschreibungen des Sexuallebens der Eingeborenen eher den Wunschträumen einer sexuell beschädigten Amerikanerin entsprechen als der Wirklichkeit.


Geschrieben

@Nuwas. Was soll ich denn davon halten, dass Sie mir einen Flüchtigkeitsfehler vorwerfen, weil ich dem Irenäus Eibl-Eibesfeldt das "T" am Ende versagte (und das, wie ich mit Schrecken feststellte, sogar gleich zweimal)? Darf ich Sie daran erinnern, dass es bislang unter uns Usus war, per PN auf Fehlschreibungen aufmerksam zu machen?
Was nun die Kritik des Verhaltensforschers an Margret Mead anlangt, so bleibt festzuhalten, dass er dort, wo Meads Forschungsarbeiten seine eigenen Argumente stützen,das gerne benutzt. Dass er andererseits ungnädig reagiert auf Ansichten, die sich nicht mit seinen Auffassungen decken, das hat er reichlich strapaziert in seinem Buch über die !Ko-Buschleute und ebenso in seinem Standardwerk "Grundriss der vergleichenden Verhaltensforschung" .

Durchaus üblich ist es im wissenschaftlichen Diskurs, sich mit abweichenden Forschungsergebnissen kritisch auseinanderzusetzen und gegebenenfalls die eigene Position zu revidieren, wie das z.B. eben auch Mead getan hat in Bezug auf Geschlechterrollen. Eibl-Eibesfeldt selbst hat sein Standardwerk mehrfach überarbeitet, um neu gewonnenen Erkenntnissen zu ihrem Recht zu verhelfen. Wissenschaftlich ehrenrührig wäre es allenfalls, auf einmal geglaubten Ansichten weiterhin zu bestehen, obwohl sich diese als Irrtum herausgestellt haben.

Gerade im Bereich der Arbeiten über Homosexualität treten die mitunter sehr krassen Unterschiede in der Beurteilung deutlich hervor. Seit über hundert Jahren beansprucht unglücklicherweise die Psychiatrie die Deutungshoheit über die Sexualwissenschaft. Und leider ist das trotz mancher Anstrengung, beispielsweise durch Volkmar Sigusch, bis heute so geblieben. Die Situation der Homosexuellen in aller Welt wäre weitaus entspannter und komplikationsfreier, wenn sich nicht Wissenschaftler seit dem 19. Jahrhundert vor den homophoben Karren der Religionen (Christentum, Islam, Judentum) hätten spannen lassen und dies immer noch tun. So zeigen neuere Untersuchungen, dass bei Medizinern die Vorbehalte gegen Homosexualität stärker verbreitet sind als beim Bevölkerungsdurchschnitt. Grundverkehrt ist daher der Vorschlag, Jugendliche sollten sich einem Arzt anvertrauen, wenn sie psychische Probleme mit vermuteter Homosexualität haben.


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