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Neonazis und Schwulenjagd


Minotaurus420

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Na? Heute schon das Illusionsbonbon gelutscht? Noch immer des Glaubens, dass alte und neue Nazis harmlos sind, dass Russland weit entfernt ist?
Auch hier bei uns werden oft Schwule für Kinderschänder gehalten. Und zur Grundausstattung von deutschen Neonazis gehört Schwulenfeindlichkeit. Passen wir also auf, dass wir nicht Zustände bekommen wie derzeit in Russland.
Tagesschau.de berichtet mit Bildern über die aktuelle Schwulenjagd gewalttätiger russischer Nazis.

HIER LESEN

Geschrieben

Dazu habe ich einen Artikel über einen schwulen, russischen Neonazi gefunden. Im Interview glänzt er allerdings nicht durch übermäßige Intelligenz

Geschrieben

Da wird sich wohl keiner der Illusion hingegeben haben, dass die homophobe russische Politik keine braunen Früchte tragen wird. @stone0177: Mit übermäßiger Intelligenz glänzt kein Neonazi, egal, welche sexuelle Orientierung er auch haben mag. Sie sind geistig und sozial eben degeneriert.


Geschrieben

Natürlich bin ich gegen Schwulenfeindlichkeit und erst recht gegen "Schwulenhatz". Trotzdem muss man fragen, wieso hier immer wieder Russland ins Visier genommen wird. Es ist ganz unverkennbar, dass der amerikanischen Politik an einem Wechsel des politischen Personals in Moskau gelegen ist. Sie möchte die Kette der schönen "bunten" Revolutionen komplettieren und auch im Nahen Osten Syrien und den Iran sturmreif schießen. Es geht nicht um Schwulenrechte, es geht um die Labilisierung Russlands. Da akzeptiert man auch einen Krawallpolitiker wie Nawalnyj. Muss eigentlich gay.de immer seinen kleinen propagandistischen Beitrag zu dieser schäbigen Propagandaoffensive leisten?
Weiterhin stört mich der unbedachte Gebrauch des politischen Kampfbegriffs "Nazi", der vor hundert Jahren geprägt wurde. Was soll damit gedacht werden? Die meisten heutigen "Nazis" wären zur Zeit des Nationalsozialismus kaum in Freiheit geblieben. Was ist alles "Nazi":? Einer, der seine Eltern mag, der seine Heimat liebt, der an der Kultur seines Volkes hängt, der vielleicht noch an Gott glaubt, der am Stammtisch die Weltprobleme löst, der sich nicht neben einen Farbigen setzen will, Leute mit Springerstiefeln traktiert, Krawall und Gewalt liebt, Stadien unsicher macht,heimlich mordet, ohne sein Motiv zu nennen?? Der Begriff "Nazi" ist vollkommen inhaltsleer, ein Begriff zur Diffamierung des politischen Gegners.


Geschrieben


Muss eigentlich gay.de immer seinen kleinen propagandistischen Beitrag zu dieser schäbigen Propagandaoffensive leisten?




Ich würde solche Nachrichten im Blog begrüßen!
Du hast wohl Minotaurus mit GAY.DE verwechselt, der den Thread erstellt hat. :P


Geschrieben

Ich kannte den Blog gar nicht. Minotaurus bestimmt ganz enorm das Bild von gay.de-so oder so. Mir ging es um etwas (mir sehr) Wichtiges: Man darf auch bei der Verfolgung berechtigter Interessen nicht das politische Umfeld aus den Augen verlieren, sonst flirtet man mit falschen Freunden, die einen zuletzt verachten. Denn die Abneigung gegen Schwule ist in Amerika nicht kleiner als in Russland.


Geschrieben

Die Politik in den USA ist aber entschieden eine ganz andere!
Neonazis gibt es fast überall, in Russland jedoch lässt man sie gewähren.


Geschrieben

Es ist richtig, @Nuwas, dass auch in den USA keine Verbote für Nazigruppierungen existieren. Wenn Interesse besteht, sich darüber genauer zu informieren, dann kann hier eine Liste der Top 100 (samt direkt anklickbarer Webseiten) solcher in den USA und anderen Ländern vorhandenen Gruppierungen eingesehen werden.

Was die derzeitige Fokussierung auf Russland anbetrifft, so sei zum einen darauf hingewiesen, dass der russische Sportminister bekräftigt hat, es werde auch, entgegen der Meldung des IOC, bei den olympischen Winterspielen in Sotschi das Strafgesetz gegen "Propaganda für Homosexualität" nicht ausgesetzt. Diese Entscheidung Russlands hat international zu harschen Kommentaren vieler Regierungen und Sportverbänden geführt, wie sich unschwer den Nachrichten entnehmen lassen konnte.
Zum anderen ist mit der vermehrten Internetpräsentation abscheulicher Videos von Homosexuellenverfolgung durch russische Nazis eine neue Stufe der Eskalation von Homophobie erreicht worden.

Und noch eins: Das von der Duma, dem russischen Parlament, erst neulich mit überwältigender Mehrheit verabschiedete Gesetz gegen "Propaganda für Homosexualität" hat nun nichts, aber auch gar nichts mit irgendwelchen möglichen Absichten US-amerikanischer Politik zu tun. Was soll denn das Verquicken der regierungsoffiziellen Homophobie Russlands mit dem angeblichen "sturmreif schießen" von Syrien und Iran? Politische Argumentation, verehrter @Nuwas, sollte ein Mindestmaß an nachvollziehbarer Sachlogik aufweisen. Für Russlands schwulenfeindliches Gesetz ist ausschließlich Russland verantwortlich und niemand sonst!

Nachtrag:
Zur Information für all diejenigen, die immer noch nicht kapiert haben, was es mit dem russischen Gesetz und den Reaktionen darauf für eine Bewandtnis hat, hier ein Artikel aus der TAZ: LESEN!

Geschrieben

Nichts für ungut Minotaurus, aber die von Dir verlinkte Seite ist nicht ganz koscher.
Das liegt wohl am braunen Sumpf, den man dort vorfindet.

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Geschrieben

@Minotaurus Ich will nur kurz erläutern, welchen Zusammenhang zwischen Russland und Syrien ich sehe.Unterschiede sehe ich selbstverständlich auch.- Die Welt erlebt derzeit eine Krise ungeheuren Ausmaßes. Die amerikanische Regierung erkennt darin die große Chance einer Umgestaltung der Welt im Sinne ihrer Interessen. Dieser Umgestaltung stehen nun aber einige Mächte im Wege:Russland, China und das, was in der islamischen Welt noch steht nach den vom Westen und seinen Handlangern angezettelten und bezahlten "Revolutionen, den hunderttausendfachen Morden und dem Chaos, das dem gefolgt ist. Das zentrale Mittel ist die Instrumentalisierung der sogenannten Menschenrechte, in deren Namen überall interveniert wird. Dabei wird das bislang geltende Völkerrecht kreativ umgestaltet, natürlich zu Zwecken oben genannter Mächte.
Einen ganz kleinen Teil in diesem Prozess bildet auch die Bewegung zur Emanzipation der Schwulen.Ihre Vorkämpfer sind leider vorab die Vertreter der kaputten, libertinären, hollywoodisierenden US-Kultur, so z.B. LadyGaga. Wir begrüßen natürlich jeden Bundesgenossen und seien auch seine Motive und seine Steuerung noch so unklar. Der Kampf gilt aber nicht den Schwulenrechten, sondern der Durchsetzung des globalisierten Weltsystems, dem es an Lämmern und "Hirten" nicht fehlen wird.
Wir klagen mit Recht über das grausame Ende Garcia Lorcas ,der entfesseltem Schwulenhass zum Opfer fiel.. Weiß man eigentlich, wie Gaddafi zu Tode gekommen ist? Auf die gleiche Weise, diesmal freuten sich die "Menschenrechtler".- Ich weiß, was kommt:"Verschwörungstheorie!!!".Die Leute werden aufwachen, wenn sie das umgestaltete Europa "des Friedens und der Menschenrechte"haben. Aber dann wird es zu spät sein.


Geschrieben

Die Leute werden nicht aufwachen, da sie ja die Gestaltung der "schönen neuen Welt" selbst nach Kräften vorantreiben: halb zog es ihn, halb sank er hin. Dazu gehört natürlich die Schwulenemanzipation in dem gedankenarmen, hollywoodesken Stil, den wir jetzt erleben. Was von Orwell noch als die Schreckensvision der Dauerberieselung und der Überwachung selbst privatester Daten dargestellt wird, haben unsere lieben Mitmenschen längst freiwilig via Internet eingerichtet. Aber zu spät ist es nie, solange Himmel und Erde bestehen. Widerstand ist immer möglich, und wenn es die "innere Emigration" ist, in der auch ich mich übe. Und ich frage mich, ob sie nicht wirksamer ist als politische Aktion, an der man seine Kräfte abarbeitet und doch zu nichts kommt.




Ich betrachte sie eher als den degenerierten Abfall der Gesellschaft.



@Silberblick, Lady Gaga aber nicht?


Geschrieben

@Nuwas Ob Christen, Moslems, Atheisten oder Juden, Faschisten, Kommunisten oder Fanatiker anderer Sorten: Erklärte Schwulenfeinde gibt es überall. Aber was nun Ihren Hinweis auf den schwulen Dichter Federico Garcia Lorca soll, der faschistischen Mördern zum Opfer fiel, das möchte ich bitte mal erklärt haben. Ganz kraus aber wird es, wenn in Ihrem Beitrag gleich im darauffolgenden Satz der libysche Diktator Gaddafi und dessen ungeklärter Tod ins Spiel gebracht wird. Was für ein absurdes, geradezu obszönes Unterfangen.


Geschrieben

@Silberblck und @Minotaurus Man sollte sich nicht künstlich dumm stellen. Ich will gerne Argumenten antworten.. Dann müssen es aber Argumente sein!
Die Auftritte der unsäglichen Lady Gaga sind Teil der amerikanischen "Kulturoffensive", die ich oben zu kennzeichnen versucht habe.. Ebenso natürlich Pussy Riot , die Band , deren Namen hier ja mit "Kätzchenspiel" übersetzt wurde, während die Süddeutsche Zeitung das (wie wir oben gesehen haben) sehr deutlich mit "Fotzenaufstand" übersetzt.Ich bin damals hier gescholten worden, den provozierenden Namen in obszöner Weise übersetzt zu haben.Die feinen Seelen mögen sich an Herrn Prantl halten. Ich versuche hier immer wieder die Schwulen vor falschen Freunden dieser Art zu warnen. Schwule werden sich emanzipieren können, ohne auf die Beihilfe von Vertretern dieser Afterkultur angewiesen zu sein. Den Auftraggebern dieser Art "Kultur" geht es nämlich immer darum, ein Land sturmreif zu machen.
Ich wollte hier nicht auf die Umstände des Todes von Gaddafi zu sprechen kommen. Nun denn! Man hat ihm eine Eisenstange in den After gestoßen. Das sind die Verbündeten des Westens, die Förderer der Kultur, die auch uns Schwulen zur Freiheit verhelfen werden. Mit der Eisenstange. Ach so, davon weiß man nichts in der veröffentlichten Meinung.Ist alles "ungeklärt" und bleibt auch so.
Noch einmal ganz deutlich: Aus dem Dreck der derzeitigen Kämpfe kann für Schwule nichts gewonnen werden. Daher sollten wir nicht Kombattanten bei neuen Kreuzzügen sein,erst recht nicht Seit an Seit mit Vertreterinnen solcher Art westlicher "Kultur".


Geschrieben

Nein, @Nuwas, die "Kulturleistung" der USA in Abu Gharaib, Baghram und Guantanamo ist keineswegs vergessen. Und als geschichtsbewusste Personen ist uns selbstverständlich auch nicht entgangen, dass der englische König II mit einem glühenden Eisenpfahl in den Hintern getötet worden ist. Was aber bitte hat das jetzt hier zu suchen? Es geht um die gewalttätige Homosexuellenverfolgung durch russische Neonazis, die auch durch noch so beredsame Spekulationen über US-amerikanische Politik nicht kleingeredet werden kann. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun! Ist das nun endlich angekommen?


Geschrieben

Ich verbitte mir Ihr "Ist das nun endlich angekommen". Sprechen Sie in diesem Stil mit Ihren Domestiken.- Bei Ihnen ist nichts angekommen. Ich mache darauf aufmerksam, dass seit einigen Jahren eine Diffamierungskampagne gegen die russische Regierung abläuft. In diesem Zusammenhang verweist man jetzt auf eine unbefriedigende Tätigkeit der russischen Justiz gegen schwulenfeindliche Videos in einer Community. Letzteres mag sehr bedauerlich sein, aber ähnlich ungesühnte Aktionen sind im Netz ohne Zahl. Wenn sich die Aufmerksamkeit auf Russland richtet, folgt das einer ganz eindeutigen, die dortige Regierung ins Wanken bringenden Zielrichtung.
Ist das jetzt angekommen?


Geschrieben

Man muss nicht Schwule verfolgen und misshandeln, um peinlich und obszön zu sein. Wer Verbündete wie Lady Gaga nötig hat, um "befreit" zu werden, dürfte über keine allzu große eigene Substanz verfügen. Diese ganzen Auftritte sind nichts als Publicitysucht, um die Verkaufszahlen in die Höhe zu treiben: Lady Gaga und ihre schwulen Fans. Wie kann man nur so dämlich sein, diesem Gekrähe Ernsthaftigkeit beizumessen.

Verbale Solidaritätsbekundungen sind immer schnell herausgehauen. Militante Tierschützer müssen wenigstens noch zeigen, dass ihnen am Schicksal der Tiere gelegen ist, so wie seinerzeit Brigitte Bardot; bei Schwulenschützern genügt es, wenn sie einfach nur quatschen, und der Beifall der communis opinio ist ihnen sicher.




Sprechen Sie in diesem Stil mit Ihren Domestiken.



@Nuwas, damit sind doch sicher auch die Domestiken in dieser Community gemeint?


Geschrieben

@Empedokles: Wenn Du der Meinung bist, unser Protest würde mehr bewegen, als der einer "Lady Gaga", bin ich schon froh. Selbstverständlich geht das bei ihr auch einher mit PR - gar keine Frage. Ebenso gut aber hätte sie auch ihre Klappe halten können. Wäre das besser? So oder so: Ich kaufe nichts von ihr, ich trinke aber auch keinen russischen Wodka. :P


Geschrieben

Im Gegensatz zu @Nuwas und dem von ihm einst so verehrten @Empedokles (vormals Colin) haben die PR-Strategen von Firmen und Politikern schon längst erkannt, welchen Wert die sogenannten Testimonials haben, also jene Personen, die über einen hohen Bekanntheitsgrad in breiten Bevölkerungsschichten verfügen. Nun haben manche Menschen seit altersher es auch vermocht, durch gezielte Eigenvermarktung sich zu einer beachteten Leitfigur herauszukristallisieren, wobei keineswegs immer gesagt ist, dass hinter solchen Publikumsgunst eine bedeutende Leistung steckt. Unstreitig aber wird den öffentlichen Äußerungen derartiger Publikumshelden und -dinnen weitaus mehr Aufmerksamkeit zuteil als dem Nobody.

Nun wissen Politiker aller Couleur in Ost und West sehr genau um die Gefahr (insbesondere angesichts der Schnelligkeit von Fangemeinden bei Facebook, Twitter und Co.) , die in der öffentlichen Missbilligung durch eine Person mit Millionen umfassender Anhängerschaft schlummern kann. Das war zu Jewtuschenkos und Okudschawas Zeiten in der Sowjetunion so, bei Bob Dylan und Bruce Springsteen in den USA, bei Charles Trenet in Frankreich, und ist es heutzutage noch weit stärker bei Popdiven wie Madonna und Lady Gaga - womit jeweils über keinerlei künstlerischen Wert oder Unwert etwas ausgesagt ist. Entscheidend ist der Bekanntheitsgrad der Person.
Und wenn nun Lady Gaga, aus welchen Gründen auch immer, ihre weltweite Berühmtheit zu geharnischtem Protest gegen Homophobie (nicht nur in Russland) einsetzt, dann ist sie damit fast automatisch in den Schlagzeilen der Weltpresse. Diese Popsägerin, die sich selbst als Gesamtkunstwerk betrachtet, mag in manchen Augen eine alberne Zimtziege sein, ihre Meinungsmacht aber ist riesengroß. Wenn diese nun verwendet wird, um Homosexuellenfeindlichkeit anzuprangern, dann kann das allen offenen oder heimlichen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen nur recht sein.


Geschrieben


Wenn diese nun verwendet wird, um Homosexuellenfeindlichkeit anzuprangern, dann kann das allen offenen oder heimlichen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen nur recht sein.




Das ist der entscheidende Punkt, aber es soll ja Leute geben, die sich lieber Bushido reinziehen.


Geschrieben


ihre Meinungsmacht aber ist riesengroß. Wenn diese nun verwendet wird, um Homosexuellenfeindlichkeit anzuprangern, dann kann das allen offenen oder heimlichen Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen nur recht sein.



Ein unübersehbarer Ausdruck geistiger Korruption, lieber @Minotaurus. Etwas anderes erwarte ich aber natürlich nicht ernsthaft. Was um Himmels willen hat der einzelne Schwule, was die einzelne Lesbe davon, wenn Vertreter einer rein kommerziellen Popkultur, denen selbstverständlich kein Wort zu glauben ist, sich für seine/ihre Rechte einsetzt? Über Figuren wie Lady Gaga weht der Wind in wenigen Jahren dahin. Ihre wenig intelligenten, passiv-konsumierenden „Fans“ werden durch den einen oder anderen schwulenfreundlichen Spruch ihres Idols kaum bewogen werden, sich mit der Problematik irgendwelcher Gesetze in Russland auseinanderzusetzen, schlichtweg weil sie sich mit gar nichts auseinandersetzen. Und die übrigen, denen Lady Gaga weder als Persönlichkeit noch als „Künstlerin“ zusagt, hören gar nicht hin. Die „Meinungsmacht“ dieser seltsamen Frau ist nicht riesengroß, sie ist überhaupt nicht vorhanden. Dass irgendjemand sich ihre Musik anhört, um sich von ihr auch politisch-moralisch formen zu lassen, vermeint doch niemand im Ernst: „Ei, die Lady Gaga findet Schwule nett, da muss ich ja auch umdenken!“ Eine Pop-Ikone als Heiliger Franziskus – wer’s glaubt, wird selig.


Geschrieben

Der erhebliche Nachteil sich für vergeistigt haltender Personen ist der, mit angewidertem Stirnrunzeln die Popkultur zu beäugen und deren Bedeutung und weltweiten Einfluss sträflich zu unterschätzen. Nun machen zwar seit Jahren Kultursoziologen (Namen erspare ich mir, um dem dümmlichen Vorwurf des Zettelkastens zu entgehen) darauf aufmerksam, wie die Popkultur weite Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens infiltriert hat, denn Pop beschränkt sich keineswegs nur auf Musik, Mode, Parfums, Design, Medien und sogenannte Events. Wie ein unterirdisches Pilzgeflecht ist Pop eingedrungen sogar in Literatur, Philosophie, Bildungsdiskussion und nicht zuletzt in die Politik, wie sich am besten ablesen lässt daran, dass dieser Tage Barack Obama eine Talkshow dazu benutzt hat, um die Absage an ein Treffen mit dem russischen Präsidenten zu verkünden.

Ein Grund zu Jubel und Entzücken ist diese weltweite Pop-Infektion ganz gewiss nicht, deren Ausläufer schon die erbärmlichste mongolische Jurte und manchen Indiostamm im brasilianischen Regenwald erreicht haben. Es hat also beileibe nicht etwas mit "geistiger Korruption" zu tun, Pop als soziokulturelle Weltmacht anzuerkennen. Ein Werturteil ist damit nicht verbunden. Wenn also eine Pop-Ikone wie Lady Gaga sich im politischen Minenfeld der Homophobie eindeutig positioniert, so hat sie damit für Millionen Fans einen Grad der Deutungshoheit errungen, der sich - wie die russischen Abwehrreaktionen sehr deutlich zeigen - politisch auswirkt. Das zu unterschätzen, für eine unbeachtliche Augenblicksmarotte zu halten, gar zu leugnen, dass Pop seit über 40 Jahren zum weltumspannenden, kulturverändernden Phänomen wurde, das ist wohl eher ein Zeichen geistiger Frühverkalkung realitätsfremd gewordener Einsiedler.


Geschrieben

Obama hat seine Anreise in erster Linie wegen Edward Snowden abgesagt, der ja von den Russen unlängst für ein Jahr Asyl bekommen hat. Jedoch fast im gleichen Atemzug hat er die homophobe Politik Russlands deutlich kritisiert, vielleicht ist das unserem verehrten Empedokles lieber, oder hat er auch gegen dessen Kritik etwas einzuwenden? Aber bevor Du mir jetzt darauf antwortest, bedenke: Obama steckt womöglich mit Lady Gaga unter einer Decke und sie wollen die russische Neonazi-Szene infiltrieren.

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Geschrieben

@Minotaurus Sie tragen Eulen nach Athen, rennen mit Schwung offene Türen ein, wenn Sie uns beibringen wollen, dass Pop-Kultur zum "weltumspannenden, kulturverändernden Phänomen" geworden ist. Anders als Sie sehe ich darin keinen naturwüchsigen Vorgang ("wie ein unterirdisches Pilzgeflecht") , sondern halte diese Verflachung und Verwüstung der Kultur für durchaus planvoll gestaltet. Denn hat man einmal die Menschheit ihrer kulturellen Ressourcen und ihrer Vielfalt beraubt und Kultur zum weltweiten Einheitsbrei untersten Niveaus umgestaltet, fällt das Herrschen weit leichter. Glücklicherweise sehen Sie in diesem Vorgang noch keinen "Grund zu Jubel und Entzücken", enthalten sich in vornehmer Neutralität des Werturteils, stimmen sich aber offenbar unverkalkt auf das Jugendliche ein und beugen sich der normativen Kraft des Faktischen.
Das tue ich nicht, stelle lieber den ungeheuren Niveauverlust im Zuge der Hollywoodisierung traurig fest und beklage den Einfluss genannter Ikonen. Wollte eine Lady Gaga doch die vielen gesellschaftlichen Missstände in ihrer Heimat anprangern, so könnte ja noch etwas Gutes mit ihrem Unsinnswust verbunden sein.Sie wirft sich aber auf die Durchsetzung der "Menschenrechte" in anderen Weltgegenden, und da sollte für uns der Spaß aufhören.. Denn wo heute "Menschenrechte" eingefordert werden , da hageln morgen Bomben vom Himmel und Regimewechsel wird in die Wege geleitet. Die Zahl der Opfer ist dabei unerheblich, sie sterben ja für die gute Sache der "Globalisierung"-
Deshalb sehe ich es Russland nach, dass seine Schwulen noch nicht in aller Öffentlichkeit ihre Anliegen propagieren können. Russland leistet auch mit der Asylgewährung für Snowden, der der Welt die ungeheure Gefahr der amerikanischen Aushorcherei gezeigt hat, der Weltkultur einen großen Dienst. "Schwulsein über alles" kann nicht die Parole sein, man muss sich seine Verbündeten und ihre Absichten schon genauer ansehen:


Geschrieben

Was ist das nur für ein hanebüchener Unfug, @Nuwas!
Als ob das Asyl für Snowden eine Rechtfertigung dieser Menschen verachtenden russischen Politik wäre, die auch da wegsieht, wo an Schwulen Gewalt verübt wird - ich glaub´s wohl nicht!


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