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Zu schwul für Hollywood


Minotaurus420

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Natürlich war das seit Jahrzehnten auch in deutschen Schwulenkreisen bekannt, dass der exzentrische US-Pianist und Showstar Liberace schwul ist, genauso wie Rock Hudson oder der "Psycho"-Darsteller Anthony Perkins. Doch sonst blieb Liberace hierzulande unbekannt, ganz im Gegensatz zu den USA. Jetzt kommt ein Film in die deutschen Kinos, der das Leben und Sterben des Künstlers einfängt. Michael Douglas bekam etliche Emmys, den begehrten Fermsehpreis, für die Hauptrolle; Matt Damon spielt den Geliebten des Liberace. Allerdings wurde der Film von einem TV-Sender in Auftrag gegeben, denn den Hollywoodstudios war der Filmstoff einfach...zu schwul.
Nun hat die Tageszeitung "Die Welt" ein erhellendes Interview mit Michel Douglas über Liberace und die Angst Hollywoods vor Schwulen veröffentlicht.

HIER LESEN

Geschrieben

Die "allgemeine Gemeinschaft" ist bzw. war halt schon immer hetero geprägt.


  • Moderator
Geschrieben

Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag, lieber @Minotaurus

Ergänzend hierzu möchte ich noch ein Video nachreichen das den "echten" Liberace zeigt:
Genauso affektiert und tuntig wie sich der ahnungslose Otto Normalverbraucher Homosexuelle vorstellt.

http://www.youtube.com/watch?v=dioRwB4RvrQ

Geschrieben

So besonders fand ich den Artikel der Welt über Michel Douglas und über seine neue Liberace-Rolle wirklich
nicht. Erhellend ist für mich nur die Familie Douglas. Mich freut besonders, das sich der Vater Kirk (der ewige
Spartacus) mit 96 bester Gesundheit erfreut und Michel seine Krebserkrankung vorerst in Zaun halten kann.
(Bei den vielen Millionen von Dollar und den teuren ärztlichen Möglichkeiten kein Wunder, sowas wird einem
normal Sterblichen niemals geboten.) Das soll kein Neid sein, aber wer hilft und empfindet Mitleid mit den
übrigen vielen Krebskranken ohne großen Bekanntheitsgrad wie Michel Douglas?

Liberece war nur so in den USA möglich. In Las Vegas hatte er sein Publikum für die große Show. Nirgends
auf der Welt gab es zu der damaligen Zeit vergleichbare aufwendige Show-Formate. Alle weltweiten Show -
größen waren für eine längere Zeit in Las Vegas engagiert. Liberece erfüllte mit seiner Extravaganz den
Anspruch von Luxus im Glückspielparadies der Neureichen, die im Geld geradezu schwimmen. Liberece
seine Homosexualität war von keinem Interesse. Liberece war ein Kunstprodukt und auch so wurde er
nur auf der Welt wahrgenommen. Ein Unterhaltungskünstler für die ganz große Show, aber eben nur in dem
Kontext zur damaligen Zeit in den USA.

Für das überwiegend junge Kinopublikum ist die Person Liberece heute unbedeutsam und sehr langweilig.
Dem Film gebe ich in Deutschland deshalb auch wenig Erfolgsaussichten. Die Hollywood-Studios in ihrer
Krise kann ich schon verstehen, denn der Anteil schwulen Kinogänger ist weltweit viel zu gering, als das
man sich auf so ein finanzielles Wagnis ernsthaft einlassen muss. Auch im TV hat der Film eine Chance,
und die ist vllt größer als im Kino und muss kein Nachteil sein, weil ein breiteres Publikum angesprochen
wird. Auf schwulen Kino-Festivals muss sich der Film erst noch beweisen. Gute Kritiken und Preise sind
kein Garant auf den Zuspruch des schwulen Filmzuschauers.


Geschrieben

Aus meiner Sicht hat checker so manches auf den Punkt gebracht.




Liberece war nur so in den USA möglich. (...) Für das überwiegend junge Kinopublikum ist die Person Liberece heute unbedeutsam und sehr langweilig. Dem Film gebe ich in Deutschland deshalb auch wenig Erfolgsaussichten. Die Hollywood-Studios in ihrer Krise kann ich schon verstehen, denn der Anteil schwulen Kinogänger ist weltweit viel zu gering, als das man sich auf so ein finanzielles Wagnis ernsthaft einlassen muss.



Eben - Liberace war nur an seinem Ort und nur zu seiner Zeit möglich. Deshalb sehe ich bei der Ablehnung des Stoffes durch Hollywood auch nicht wirklich die vorgeworfenen homophoben Hintergründe, sondern vorwiegend schlicht (berechtigte) wirtschaftliche. Meiner Ansicht nach wird sich keine ernstzunehmende Zahl von Kinobesuchern für das Thema Liberace interessieren und auch im Fernsehen dürften sich eher die ältere Generation, die selbst in dieser Zeit mit diesem Zeitgeist gelebt hatte, und vielleicht ein paar Liebhaber aus der queeren Szene (die ich ganz bewusst nicht mit homosexuell empfindenden Menschen schlechthin gleichsetze!) für den Stoff interessieren. Ich bin sogar der Meinung, dass die Mehrzahl der jüngeren Generation das Thema sogar explizit ablehnt. Das würde bei einer entsprechenden Verfilmung etwa des Lebens von James Dean sicherlich ganz anders aussehen! James Dean war nicht bloß ein Kind seiner Zeit, sein Thema wäre auch heute noch genauso aktuell wie damals, was man von Liberace nicht behaupten kann. Liberace steht nicht für homosexuelles Empfinden, Liberace steht für queer und für den Sachverhalt, dass man sich zu seiner Zeit und an seinem Ort zwar gerne mit seiner Kunst unterhielt und sich gerade in seiner queeren Welt des unechten Glitzers amüsierte, sein hinter dieser queeren Maske verborgenes homosexuelles Emfinden aber niemals respektierte oder gar würdigte, allenfalls duldete.




Genauso affektiert und tuntig wie sich der ahnungslose Otto Normalverbraucher Homosexuelle vorstellt



Eben deshalb halte ich die Verfilmung auch für einen weiteren Bärendienst für homosexuell empfindende Menschen an sich. Lediglich die immer kleiner werdende Gruppe der Anhänger der queeren Szene dürfte es freuen.


  • Poppen

    Poppen, klingt eigentlich etwas plump, aber immer noch besser als Ficken. Gemeint ist eigentlich nichts anderes als ein anderes Wort für Sex oder miteinander schlafen. Gerade in der schwulen Welt ...

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