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Nur schwule Klischees?


Minotaurus420

Empfohlener Beitrag

Geschrieben

Minderheiten wurden und werden stets mit dem klebrigen Gespinst von Klischees überzogen. Ob das besonders niederträchtige Klischee vom Ritualmord an Kindern, wahlweise Katharern, Juden und anderen unterstellt; ob die üble Nachrede von sexueller Zügellosigkeit und Perversionen, ebenfalls wahlweise religiösen, rassischen oder ethnischen Minderheiten zugeschrieben; oder ob persönliche Merkmale, wie Körpergeruch, Haarwuchs, Gangart, Beschaffenheit der Genitalien, angeblich sonderbare Speisevorlieben etc. angeprangert - in allen Gesellschaften und Völkern der Erde gehören die Klischees zum unausrottbaren Bestandteil des öffentlichen Urteils, sozusagen zum kollektiven Bewusstsein. So falsch und so karikaturhaft auch Klischees oft sein mögen, für richtig gehalten werden sie dennoch.

Allerdings resultieren Klischees manchmal aus der Wahrnehmung des Teils der jeweiligen Minderheit, der besonders aus der Normvorstellung der Mehrheitsgesellschaft herausfällt. Das gilt nicht zuletzt für die Minderheit der Schwulen, von denen einige besonders auffällige Verhaltensweisen darbieten. So hat ein gewisser "Hunter" vielleicht gar nicht unrecht, der im Blog der Zeitung TAZ einen Beitrag kommentiert, der sich mit dem unsäglich bornierten, homophoben Artikel des früheren SPIEGEL-Autors Matthias Matussek in der "Welt" beschäftigt. Siehe Verlinkung des TAZ-Beitrages unten.

"Hunter" stellt also unter anderem fest:
"Von Aussen betrachtet ist die schwule Szene leider nur ein Haufen laut kreischender rosa Wattebällchen werfender “Tunten”. Die schwulen Medien, soweit man diese so nennen kann, bestehen zu 95% nur aus sich selbst feiernden Blättchen, die vom 2jährigen Kneipenjubiläum und den neuesten Stylingtipps bestehen. Politische Themen sind nur Randerscheinungen und werden gerne auch mal ignoriert, von Recherche ganz zu schweigen. Eine solche “Community” wird nicht ernst genommen und bietet sich als gutes Opfer selbst an.
Nur ein Beispiel: Wo ist die Berichterstattung über bundesweite Razzien in schwulen Saunen und Anwälten wg Steuerhinterziehung. Jetzt hat sich er Finanzminister NRW persönlich geg. dieses völlig überzogene Verhalten entschuldigt… aber klar.. diese neue CD von Madonna.. ist schon wichtiger.. da muss man ja nix machen ausser den Pressetext kopieren…. schade schade…. wer sich billig verkauft darf sich nicht wundern das er auch nur billig abgespeist wird !"


Wenn wir daraufhin viele Profile, Gesuche, manche Foren auf dieser Seite hier durchsuchen und leider auch das Blog und die sonstigen Informationsseiten von gay.de betrachten, dann hat "Hunter", so schmerzlich das ist, keineswegs unrecht - im Gegenteil. Wenn all das, was im politischen Raum weltweit im Zusammenhang mit Homosexualität passiert (z.B. Russland, Uganda, Bundesverfassungsgericht, Arizona, Demos in Frankreich usw. ) ,hier so gut wie nie oder nur mit extremer Verspätung stattfindet, so muss bedauerlicherweise gesagt werden: Das Klischee vom oberflächlichen, nur an Lifestyle, Äußerlichkeiten und möglichst vielen unverbindlichen Sexkontakten interessierten Schwulen wird auf unangenehme Weise bestätigt und verschärft.

Der Link zum TAZ-Beitrag:
HIER LESEN

Geschrieben

Mein Dauerthema hier in diesem Forum - die dargestellte Außenwirkung homosexuell empfindender Männer und die sich daraus zwangsläufig ergebenden Konsequenzen in der Meinungsbildung - sehr schön aufbereitet! Vielen Dank, vielleicht ergibt sich nunmehr endlich zumindest eine Diskussion daraus.


Geschrieben

Ein paar wenige schrille Typen schaffen eben mehr Aufmerksamkeit, als das der "normale Bi- oder homosexuelle Anteil zusammen vermögen können. Ich kann mich mit den Klischees auch gar nicht identifizieren - mir sind sie schlicht egal. Da ist mir doch mein persönliches Umfeld lieber - da kann ich mir die Leute aussuchen.


Geschrieben

Vergessen wir doch nicht dass diese Provokation früher mal ihr gutes Recht gehabt hat. Man muss sich schon was trauen um in der Öffentlichkeit so aufzutreten. Was ich immer gut finde ist dem Spießer den Spiegel vorzuhalten: Ja, wir sind schwul, wir leben so wie wir wollen & haben soviel Sex mit wechselnden Partnern wie es uns Spaß macht. Also genau das was der Spießer mit seiner Mutti zuhause die einmal pro Woche die Pflichtnummer mit ihm schiebt sich nicht traut. Gay pride eben. Das finde ich gut & es hat auch viel zur Befreiung der Schwulen beigetragen. Hinz & Kunz behalten ihre Vorurteile egal ob Schwule nun schrill oder ganz unaufällig auftreten. Dann lieber schrill! Ein Problem habe ich aba wenn "schrill" auch "dumm" bedeutet.

Geschrieben

Mary und Gordy waren für mich in den 1980-er Jahren ein großes Vorbild. Sie haben es gut verstanden, mit Klischees Kasse zu machen - das Publikum auf eben diese Seite zu ziehen. Und das zur besten Sendezeit bei den öffentlich rechtlichen Sendern. RTL&Co. steckten da noch in den Kinderschuhen. Neben der Goldenen Europa haben sie auch verdient die Goldene Kamera abgeräumt.

Und zur Gegenwart aus meiner Sicht:
Mir liegt das Schrille auch fern. Ich kann mir also ruhigen Gewissens die Fahrten zum CSD und ähnlichen Veranstaltungen sparen. Meine kleine Welt braucht das nicht - jedem das Seine. Es ist aber ein Teil unserer schwulen Kultur und wir sollten lieber dafür dankbar sein, dass sie sich bei uns so frei in ihrer ganzen Vielfalt entwickeln konnte und weiterhin kann, als uns Gedanken darüber zu machen, was jetzt mein Nachbar darüber denken könnte. Ich lasse ihm seine kleinkarierte Welt, für mein Verständnis aber ist sie mir zu hoch.


  • 5 Monate später...
Geschrieben

Ich hatte gestern Gelegenheit, auf Phoenix eine Sendung über Kreuzfahrten zu sehen. Da wurde überFahrten nach Jan Mayen berichtet und auch nach Spitzbergen. Eine Viertelstunde der Sendung war auch einer Mittelmeerfahrt "nur für Gays" gewidmet. Die Reisegäste hatten ausgiebig Gelegenheit zur Selbstdarstellung und sie machten davon regen Gebrauch, In abenteuerlichen Verkleidungen girrten und schwirrten sie daher, ständig in guter Laune, kindisch, dauergeil und albern. Ich habe nicht einen einzigen gesehen, der Haltung bewahrt hätte. Die Klischees sind offenbar nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt.
Nun weiß ich auch, dass das Kamerateam wohl sehr darauf bedacht war, den oft dürren Bericht mit dieser Gay-Einlage zu würzen. Oft spielen Menschen auch verrückt, wenn sie eine Kamera auf sich gerichtet fühlen. Ich fordere auch von keinem kleinbürgerliche Nüchternheit und Verzicht, um nur ja nicht den Vorurteilen der anderen Stoff zu geben.
Ich habe mich nicht fremdgeschämt (weil ich das nie tue), aber ich habe das Ende der Gay-Episode herbeigewünscht. Zu diesen Leuten will man dann doch nicht gehören.


  • Sissy

    Ein Sissy Boy ist ein Junge, der sich in das andere Geschlecht einfühlen möchte. Er kleidet sich typisch weiblich und passt sein Verhalten an. Man kennt diese Veranlagung auch unter dem Namen ...

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