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Wenn die Sexualität umschlägt und die Unterdrückung krank macht...


Lassinhio

Empfohlener Beitrag

FenchelT76
Am 15.7.2026 at 19:40, schrieb Lassinhio:

Hey zusammen, 

 

Ich weiß überhaupt nicht, ob der Thread hier richtig ist und ob ich hier auf der Plattform überhaupt richtig bin. Ich bin mittlerweile aber an einem Punkt angekommen, wo ich nach Hilfe ausschau halte und jeden Strohhalm versuche zu catchen. Doch worum geht's überhaupt?:

Ich bin 30 Jahre jung komme aus dem hohen Norden und hätte mich bislang immer als hetero Typen beschrieben, der aber auch immer wieder Männer in seinem Umfeld als attraktiv empfunden hat. Ich hatte in den letzten Jahren ausschließlich Verkehr bzw Beziehungen mit Frauen und war grundsätzlich glücklich. Doch seit knapp 4 Jahren hat sich bei mir etwas geändert. Das Interesse an Frauen nahm stark ab und der Blick ging häufiger zum männlichen Geschlecht. Auch bei der Auswahl der Filme für abendliche Unterhaltung ging vermehrt in die Richtung. Was ich Anfangs als eine Art  Verarbeitungsphase nach ein paar gescheiterten Beziehungen zu Frauen abgetan habe, wurde allerdings immer intensiver. Vor knapp einem Jahr bin ich auf snappchat durch Zufall auf jemanden mit ähnlicher Geschichte getroffen. Der Kontakt fühlte sich immer gut an. 

Jetzt kommen wir aber zum größten Problem. Ich komme aus einem hoch konservativen Elternhaus, bin in einem Freundeskreis integriert in dem "schwul" noch des häufigere abwertend genutzt wird und in einem beruflichen Umfeld (Leistungssport), wo Homisexualität ein absolutes Tabuthema ist. 

Dementsprechend wäre ein outen bzw überhaupt erstmal ein Versuch zu testen, ob es mehr als ein Verlagen ist mit der Gefahr, dass es rauskommen könnte, für mich unmöglich, da es mein komplettes Leben in 1000 Teile sprengen könnte. 

Ich merke aber auch, wie es mich seit geraumer Zeit immer mehr belastet, physisch und psychisch. Ich war schon an Punkten angekommen, an denen ich nicht ankommen möchte. 

Einfach so weiter machen geht auch nicht. Das ist mir vor ein paar Wochen auf einem Festival klar geworden, als ich jemanden kennengelernt habe, der scheinbar auf meiner Stirn lesen konnte, dass ich ihn echt attraktiv fand, er crazy wholesome zu mir war, ich ihn dann aber abstoßen musste, obwohl eigentlich alles in mir sagte "gib dem ganzen eine Chance". 

Wie kann ich damit am besten umgehen? Gibt es hier eventuell Personen, die ähnlichen Weg hinter sich haben?

Wenn jemand bis hier her gelesen hat und noch Lust hat mir Erfahrungswerte mitzugeben, fühlt euch gedrückt

 

Best 

Lassinhio

Toll wie du es auf den Punkt bringst. Mir geht’s exakt genau so, ich fühle mich nur noch Männern hingezogen. Eigentlich das schönste was es gibt, wenn da nicht das gesellschaftliche Leben wäre 

  • 2 Wochen später...
Am 15.7.2026 at 19:40, schrieb Lassinhio:

Jetzt kommen wir aber zum größten Problem. Ich komme aus einem hoch konservativen Elternhaus, bin in einem Freundeskreis integriert in dem "schwul" noch des häufigere abwertend genutzt wird und in einem beruflichen Umfeld (Leistungssport), wo Homisexualität ein absolutes Tabuthema ist. 

Dementsprechend wäre ein outen bzw überhaupt erstmal ein Versuch zu testen, ob es mehr als ein Verlagen ist mit der Gefahr, dass es rauskommen könnte, für mich unmöglich, da es mein komplettes Leben in 1000 Teile sprengen könnte. 

Erinnert mich irgendwie an mein Psychologie Studium. Da hatten wir oft derartige Fälle für Sachanalysen. Daher kann ich dir vielleicht helfen.

Bei dir ist es primär die Angst vor einem "anderen Leben", welche dich in vielen Dingen hemmt und dich so in deinem eigenen Leben zur Nebenrolle macht. Du willst, dass deine Eltern stolz auf dich sind. Du willst in einem Freundeskreis anerkannt werden. Du willst beruflichen, sportlichen Erfolg genießen. Das alles ist völlig legitim. Problematisch wird es, wenn du dich selbst all diesen Anforderungen unterwirfst und dich damit immer mehr zurück nimmst. Ja, das kann auf Dauer krank machen. Daraus können sich Traumata und im schlimmsten Fall sogar Depressionen entwickeln. Gerade bei Depressionen sind die Ursachen fast immer darin zu finden, dass sich Menschen immer wieder im eigenen Leben ganz hinten anstellen. Sie wollen gefallen, irgendwo dazu gehören und niemanden enttäuschen oder gar zur Last fallen.

Die einzige Lösung: Oute dich! Was hast du zu verlieren? Gehen wir die schlimmsten Szenarien durch: 

1. Deine Eltern verstoßen dich und wollen nichts mehr von dir wissen. 
Das halte ich für fast ausgeschlossen. Ich kann verstehen, dass es hier durchaus zu "Enttäuschungen" kommen kann. Manche Eltern wünschen sich eben irgendwann Enkel. Andere sind beim Thema "Homosexualität" einfach unerfahren. Dennoch würde niemand sein homosexuelles Kind verstoßen. Ich selbst habe auch einen Sohn. Klar hätte ich gern Enkel. Klar möchte ich ihn gern mit einer tollen Frau an seiner Seite sehen. Und ja, es würde mich sicher auch beschäftigen, wenn er auf Männer steht. Dennoch würde ich ihn deswegen nicht weniger lieben, nicht weniger für ihn da sein oder dergleichen. Er ist der mit Abstand wichtigste Mensch in meinem Leben. Das wird bei deinen Eltern nicht anders sein. Sie werden sicher Zeit brauchen um das alles zu verarbeiten. Aber das wird sich alles mit der Zeit klären.

2. Deine Freunde wenden sich von dir ab.
Time to say Good bye! Du wirst neue Freunde finden. Freunde, welche dich so mögen wie du bist und in deren Gegenwart du so sein kannst wie es dir gefällt und es dich glücklich macht. Natürlich wünsche ich dir nicht, dass das passiert. Aber falls es soweit kommt, ist das kein Weltuntergang. 

3. Homosexualität ist im Leistungssport kein generelles Tabuthema. Da bist du vielleicht im falschen Verein oder reagierst als "Betroffener" etwas zu sensibel oder übervorsichtig. Auch hier wirst du schnell eine gute Lösung finden. 

Meine Oma hat damals immer gesagt: Egal wie tief du in der Scheiße steckst, das Leben geht weiter. Dein Leben endet nicht, wenn du dich outest. Es ändert sich. Vielleicht nur ein bisschen. Vielleicht sogar sehr. Aber es geht weiter. Es wird ein Leben, welches du selbst in der Hand hast und in dem du definitiv glücklicher wirst als wenn du deine aktuelle Lebenssituation immer weiter spielst. Wo willst du dich in 10 Jahren lieber sehen? In einer lieblosen Zweckbeziehung lebend um deine Eltern "stolz" und deine Freunde "neidisch" zu machen oder in einer glücklichen liebevollen Beziehung, welche vielleicht nicht allen gefällt, aber dein Leben jeden Tag bereichert? Ich persönlich hätte lieber keine Freunde und dafür eine rundum glückliche Beziehung mit allem was dazu gehört, als viele Freunde, denen ich etwas vorspielen mit um "integriert" zu bleiben. Menschen kommen und gehen. Du bist 30 Jahre alt? Frag mal Leute mit 40 oder 50 Jahren, wie viele Freunde sie heute noch von denen haben, welche sie mit 30 hatten. 
 

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