„Eigentlich ist es traurig, dass es 2017 noch einen Tag gegen Homophobie geben muss“, beschreibt ein junger schwuler Autor in seinem Beitrag seine Einstellung zum jährlich am 17. Mai weltweit begangenen Aktionstag. Auch beim derzeitigen Evangelischen Kirchentag wurde unter dem Motto 'Totgeschwiegen?' die erste Veranstaltung Homosexuellen gewidmet, die Opfer von Verfolgung wurden und sind, „in der NS-Zeit, aber auch darüber hinaus“, wie die Organisatoren beschreiben. Schwulenhass scheint vor allem unter Rechtsextremisten und religiösen Fanatikern, aber durchaus auch in breiten Teilen der Gesellschaft wieder salonfähig geworden zu sein.

Von Peter Dettmer

„Auch wenn sich das politische Engagement der letzten Jahrzehnte in Deutschland bisher gelohnt hat und queeres Leben zunehmend akzeptierter geworden ist, so gehören Gewalt und Anfeindungen nach wie vor zur Erfahrung vieler Schwulen und Lesben“, beschreiben die Organisatoren zum Tag der Homophobie. Und „Schwule Sau!“ sei noch immer das „Schimpfwort Nummer 1.“ Eine gefährliche Diskriminierung: Laut einer aktuellen Studie der AIDS Hilfe Deutschland schadet diese der Gesundheit schwuler und bisexueller Männer und erhöht deren Risiko, sich mit HIV zu infizieren. Ulf Hentschke-Kristal vom Vorstand der AIDS-Hilfe: „Die Untersuchung zeigt erstmals in Deutschland deutlich den Zusammenhang zwischen Diskriminierung, psychischen Erkrankungen und HIV-Risiken. Wenn wir über Homophobie sprechen, geht es um Chancengleichheit bei der Gesundheit. Politik und Gesellschaft stehen in der Pflicht, alles für Akzeptanz und Respekt gegenüber sexueller Minderheiten zu tun, was in ihrer Macht steht.“

 

Volker Beck: Gewalt gegen Homos explodiert

Aktuellen Zahlen zufolge ist die Gewaltkriminalität und Übergriffe gegen Homosexuelle im Vorjahr regelrecht explodiert. „Alleine in der Bundeshauptstadt hat es im vergangenen Jahr 259 Fälle mit trans- oder homophoben Hintergrund“, beschreiben die Aktivisten vom Berliner schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo die Situation. Eine Entwicklung, die auch der Bundestagsabgeordnete Volker Beck auf seine entsprechende Anfrage bestätigt sieht: „Die genannten Zahlen decken nicht einmal ansatzweise den Umfang homophober Straf- und Gewalttaten in diesem Land ab", so der Grünen-Politiker in einem Interview der Süddeutschen Zeitung.

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Homophobie zeigt sich vielfältig: Ignorieren, verächtliche Blicke und Worte – bis hin zu blindem Hass und Gewalt. Foto: Deutsche Aids Hilfe

Mit vielfältigen Ideen und Aktionen stemmen sich die Vertreter der Community gegen den Trend der neuen Homophobie. Alexander Freier wurde im Alter von 15 zusammengeschlagen, weil er schwul ist. „Die Menschen kennen oft keine Schwulen und haben verschrobene Bilder im Kopf. Ein einziger echter Schwuler bringt manchmal jahrelang gepflegte Vorurteile zum Einsturz“, erläutert der heute 24-Jährige seine Motivation, die Kampagne Mir reicht's! - Meine Würde ist unantastbar! der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) zu unterstützen.

 

Maneo-Kussmarathon gegen Homophobie

Mit ihrem Kuss zeigen die Teilnehmer in jedem Jahr am 17. Mai Präsenz und setzen ein Zeichen: "Protect every kiss!"

Unter dem Motto protect every kiss! veranstalten die Aktivisten von Maneo seit 2007 jährlich am 17. Mai in Berlin den Kussmarathon. Dabei suchen die Teilnehmer gezielt Orte auf, die „kein leichtes Pflaster“ für offene Homosexualität bilden. Mit einem Kuss zeigen die Teilnehmer Präsenz und setzen ein gemeinsames Zeichen. „ Auch wenn sich das politische Engagement der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland gelohnt hat und queeres Leben zunehmend akzeptierter geworden ist, so gehören Gewalt und Anfeindungen doch nach wie vor zur Erfahrung vieler Schwulen und Lesben. Ihre stärkere Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit empfinden viele Menschen als Provokation“, wissen die Organisatoren der Protestaktion.

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Landesbischof für die Homo-Ehe

Im Rahmen des Evangelischen Kirchentags wurde die Homophobie vielfach thematisiert. In einem Video beschreiben die jungen Christen: „Das gesunde Volksempfinden glaubt, dass wir noch immer bestraft werden müssen, weil wir uns lieben...“ Und der Ratsvorsitztende der Evangelischen Kirche in Deutschland und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm brach eine Lanze für die Homo-Ehe: „Es entspricht zutiefst unseren biblischen Grundlagen, wenn auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften die Möglichkeit haben wollen, auf Dauer verbindlich miteinander zu leben." Vom Veranstaltungszentrum Regenbogen - für Lesben, Schwule und andere Identitäten, das jeweils während der Evangelischen Kirchentage und der Katholikentage organisiert wird, ging eine Resolution aus, die unter anderem fordert, eine innerkirchlich gleiche Rechtsstellung zu erwirken beispielsweise in Bezug auf kirchliche Eheschließungen und auf Dienstverhältnisse sowie „aktiv und öffentlich Widerspruch einzulegen gegen jede Form der Herabsetzung und Aussonderung in Kirche, Diakonie, Erziehung, Bildung und Gesellschaft.“

Prof. Dr. Margot Käßmann ist Botschafterin für das Lutherjahr 2017. Die Theologin im Gespräch mit gay.de-Autor Peter Dettmer: "Martin Luther wäre 2017 political incorrect."

Für Martin Luther waren Homos pervers

Im Lutherjahr 2017 ist das keine selbstverständliche Einstellung, schätzte doch der Reformator in seinem Kommentar zum Römerbrief Homosexualität als „sittliche Abirrung der Menschen infolge ihres Gottesverlustes“ ein. An anderer Stelle wurde Luther deutlicher: Die heterosexuelle Ehe sei gottgewollt und in der Schöpfungsordnung begründetes Heilmittel gegen jede Art von sexueller Zügellosigkeit und Perversion, wie sie auch homosexuellen Akte darstellen. Am deutlichsten wird der Reformator in seiner Vorlesung zum Buch Genesis: Das homosexuelle Ansinnen der Bewohner Sodomas wertet er als 'contra naturam' (widernatürlich) sowie „perversitas“. Ihre eigentliche Wurzel habe diese Verkehrung in der Anstiftung des Teufels. Damit stellt sich Martin Luther in eine Linie mit den katholischen Theologen seiner Zeit. "Der Reformator ist halt nicht everybody's darling", beschreibt Prof. Dr. Margot Käßmann diese Einstellung. Trotzdem appelliert die Lutherjahr-Botschafterin zum Reformator zu stehen. "Ich finde wir können feiern, dass wir heute auch die Schattenseiten von Luther sehen, ansprechen, darüber reden wie es war, warum das so war und auch zu sagen: Da irrte Martin Luther – diese Freiheit haben wir 2017."


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16 Kommentare

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mausi2

Geschrieben · Melden

Ich wohne in einem 6 Familien Haus habe mich bei meiner Nachbarin auch geautet da meinete sie nur das ich Pervers bin . Da habe ich mal gefragt wie es sei wenn sich das 2 Frauen  sich Lieben da sagte sie auch sie seien  auch Pervers sie ist so 67 Jahre alt!

Danach habe ich mich im Hause bei einer 87 Jahre Fau geautet da sagte sie du bist immer noch

der gleiche Mann als voher

 

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mausi2

Geschrieben · Melden

Habe mich auf der Arbeit geautet am anfang gab es nur Blödesprüche zuhören die haben mich nicht beleidigt , auf der Arbeit sind wir 11 Männer und 2 Frauen von den Frauen habe ich nichts gehört.  Unter den Männern gibt es ausser mir noch einen dem habe ich auch gesagt nur der hat mich schief angeschaut und  wollte es nicht glauben , fragte mich stimmt das Ja habe ich gesagt das stimmt

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KleinerMann38

Geschrieben · Melden

Hallo habe selbst viel erlebt wegen irgendwelchen Beschimpfungen. Irgendwann habe ich ein dickes Fell bekommen und habe alles in mich gefressen. Muss PeterPan306 mit seinem letzten Satz echt recht geben. Leider gibt es auch jetzt noch im 21 Jahrhundert Männer die sich einfach nicht trauen dazu zu stehen das es so ist wie es ist. Meine persönliche Meinung ist einfach: Was juckt es mich was andere in ihrem Schlafzimmer treiben. Sollen doch alle machen was sie wollen Hauptsache ist doch das man glücklich ist. Egal ob mit Frau oder mit Mann... Einfach schade in manchen Situationen

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martibi

Geschrieben · Melden

Eigentlich ist das Wort Schwul heute kein Schimpfwort mehr, außer, wie in diesem Fall kommt das Wort Sau hinzu. So was geht heutzutage gar nicht mehr. Ein Arbeitskollege meinte auch, mich beleidigen zu müssen und noch andere waren dabei. Abends hatte ich dann die E-Mail an den Vorstandsvorsitzenden meiner Firma fertig. Grund: Sexuelle Diskriminierung. Eine Chance habe ich ihm noch gegeben: Kopie der E-Mail an ihn geschickt, mit Ultimatum, sich zu entschuldigen. Kurz vor Ablauf hat er mich angerufen und sich entschuldigt. Angenommen! Jetzt ist er Hand zahm. :-). Die Vorgeschichte war, das ich mich vor meinen ganzen Kollegen geroutet habe, weil ich die Schnauze voll hatte, mich immer verstecken zu müssen. So was spricht sich sehr schnell rum und alle sind jetzt lieb zu mir. Hat einen großen Vorteil: bei so vielen Leuten in einer Firma, kann es gar nicht anders sein, das eine oder andere schwul oder BI ist. Meistens ja versteckt. Ach...und passiert jetzt? Gerade heute wieder gemerkt, es gibt da so gewisse positive Spannungen... Cool. Hätte ich so auch nie gedacht. Leute, lasst euch nix gefallen. Und ein wenig kämpfen und mit ein bisschen Mut klappt das. Und die täglichen kleinen Spaeschen, die muss man aushalten können. Dann klappt das schon.

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kamftiger

Geschrieben · Melden

ich bin seit dem ich 13 schwul, habe schon viele Wörter hören musen da ist dies " fast hamlos"

Kämpfe/ Schlägereinen hatte ich schon viele , bei den Worten auf Druchgangsverkehr stellen

und bei besondere Körpermerkmale mercken , wenn es möglich ist PKW-Kennzeichen merken u.a.

lg

frank

Leipzig-Ost

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Wichtel79

Geschrieben · Melden

Was sind schon Wörter? Sie können verletzend sein wenn man Sie zulässt. Man hat mir schon so viel gesagt... Mal lasse ich mich darauf ein und mal nicht, aber am ende... Hat es nichts gebracht. Also ignorieren, spart Zeit und Nerven. Man muss sich fragen, lässt man sich auf den Bodensatz ein oder ist man besser als der andere?!

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Torsten296

Geschrieben · Melden

Habe die Erfahrung gemacht, das mich Männer als Schwule Sau anreden, weil sie es exotisch fanden. Also nicht als Schimpfwort

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Geschrieben · Melden

Bin selber oft so beschimpft worden. Oft wusste der gegenüber nicht, das ich auf Männer stehe. Es wird mit dieser Beschimpfung etwas Negatives verbunden. Höre nicht drauf. Finde es nur peinlich! Ich habe meinen Weg gemacht und steh offen dazu. Wünsche mir nur, das die Beschimpfungen aufhören und das sich mehr Männer trauen, offen zu Ihrer Neigung zu stehen.

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Passion66

Geschrieben · Melden

Stelle immer wieder fest dass es bei Frauen nicht so schlimm gesehen wird......von Hetero Männern !!! Doch wenn man über Bi oder Homosexuelle spricht wird gleich mit dem Kopf geschüttelt .....wollen die wenigsten etwas drüber wissen 😣

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schotka

Geschrieben · Melden

tja, auch die Evolution macht mal ne pause und lieber eine schwule, als eine dumme sau sein

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martibi

Geschrieben · Melden

An sich ist das Wort *schwul* kein Schimpfwort mehr, besser noch als homosexuell ( das hört sich wie eine Krankheit an ). Der Zusatz *Sau* dazu ignoriere ich. Wenn es Arbeitskollegen sein sollten, hätten sie jetzt ein Problem *fg. Kann ich hier gut anführen, weil ich habe mich die Tage voll bei meinen 100 Arbeitskollegen geoutet, das im gewerblichen Bereich. Gab zwar die nächsten 2 Tage bisschen Querelen, die ich aber mit Witz und Schlagfertigkeit entgegnet bin. Und was ist jetzt? Alle haben sich dran gewöhnt und gut ist :-)

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kamftiger

Geschrieben · Melden

man muß ein dickes Fell zulegen , bei mir macht das WORT schon Durchgangsverkehr ,wenn das zu mir noch jemand sagt , sehe ich das als Kompliment an... es sagt mir ja nichts neues

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Minifutzi

Geschrieben · Melden

Das Wort "schwul" an sich hat schon ne negative Bedeutung, meist sowas wie "das ist doof/scheiße". Hört man immer noch aufm Schulhof.

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Tommy195

Geschrieben · Melden

Als wenn es keine anderen Probleme gibt um die man sich kümmern müsste. Sollte dass mir gegenüber jemand äußern hoffe ich spontan äußern zu können dass ich wohl ehr ein Eber währe.

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Karsten29

Geschrieben · Melden

Wer so etwas sagt solle erstmal überlegen ob nicht in seinem Freundeskreis oder Familie auch einer ist der auf Männer steht und sich wegen solcher dummen Sprüche sich nicht traut sich zu outen. Erst Gehirn einschalten und dann reden !!!!!

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funkysun

Geschrieben · Melden

Schluss damit endlich ein für alle Mal Gleichberechtigung für jeden

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