Die Pride Zeit und der Christopher Street Day haben eine Geschichte, die bis ins Jahr 1969 zurückreicht und noch heute aktuell ist. Begonnen hat alles in New York, doch was ist damals eigentlich vorgefallen?

Razzien und Verhaftungen von homosexuellen Menschen

Vor dem Stonewall-Aufstand wurden regelmäßig Razzien in Schwulenbars durchgeführt. Dabei wurden die Identitäten der Anwesenden aufgenommen und unter anderem gegenüber der Presse veröffentlicht. Diese Zwangsoutings hatten teilweise schlimme soziale Folgen für die Betroffenen. Ab und zu kam es zu vorläufigen Verhaftungen der Anwesenden, denn Küsse und Händchenhalten der queeren Menschen wurde als „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ ausgelegt.

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1966 veränderte sich die Politik. Im Jahr zuvor wurde der liberale Republikaner John Lindsay zum New Yorker Bürgermeister, während Dick Leitsch die Position des Vorsitzenden der Mattachine Society übernahm. Die Organisation setzte sich für die Anerkennung der Rechte von homosexuellen Menschen in den Vereinigten Staaten ein und beschwerte sich über die Arbeit der Polizei. Diese hatte zuvor durch Lockvogelmethoden und Undercovereinsätzen Homosexuelle zu Straftaten angestiftet. Diese Methoden nahmen schließlich ein Ende und die Verhaftungen aufgrund dieser Polizeiarbeit hörten weitgehend auf.

Der Stonewall-Aufstand

1969 wurden Gay Bars legal. Ausschlaggebend waren Auseinandersetzungen zwischen Homo- und Transsexuellen Menschen und New Yorker Polizisten in der Nacht zum 28. Juni 1996. Es begann um etwa 1:20 Uhr in der Nacht. Zu dieser Zeit führten die Polizeibeamten trotz der Legalisierung der Schwulenbars eine Razzia im Stonewall Inn durch. Diese Bar hatte als Zielpublikum homo- und transsexuelle Personen und lag in der Christopher Street in Greenwich Village. Grund für den Polizeieinsatz war der aktuelle Wahlkampf, den John Lindsay zu verlieren drohte. Er dachte, er müsse in den Bars der Stadt für „Ordnung sorgen“. Die Betreiber des Stonewall Inn hatten keine Schankerlaubnis und es gab Verbindungen zu Organisiertem Verbrechen. Rassismus war neben Homophobie Teil der Geschichte, denn viele POC's und Latinos zählten zum Publikum der Gay Bar. Doch ließen sich an diesem Tag die Kunden des Stonewall Inn die Razzia nicht gefallen. Sie vertrieben die Polizisten mit Gewalt.

Normalerweise wurden die Betreiber der Gay Bars im Sechsten Bezirk vor anstehenden Razzien gewarnt, die üblicherweise am frühen Abend stattfanden und später einen normalen Betrieb ermöglichten. Doch an diesem Tag fand die Razzia spät in der Nacht statt. Wie genau der Aufstand begann, ist heute nicht ganz klar. Doch es kam zu einer Schlägerei, Misshandlungen durch die Polizei und zu versuchter Brandstiftung.

Die Unruhen war der Antrieb für viele andere queere Menschen, ebenfalls gegen ähnliche Razzien Widerstand zu leisten. Es dauerte fünf Tage, bis sich die Situation beruhigte. Dabei verliefen die Proteste nur in der ersten Nacht so extrem gewalttätig.

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Das Vermächtnis – der jährliche Christopher Street Day

Zwar beruhigte sich die Situation vor Ort, doch die homosexuelle Befreiungsbewegung kam jetzt erst richtig in Fahrt. Ende Juli 1969 wurde die Gay Liberation Front (GLF) in New York gegründet. Nur wenig später entstanden ähnliche Organisationen weltweit. 1970 organisierte GLF anlässlich des Jahrestages des Stonewall-Aufstandes, auch Stonewall-Unruhen genannt, einen Marsch. Er begann in Greenwich Village und verlief bis zum Central Park. Daran nahmen zwischen 5.000 und 10.000 Menschen teil. Dieser Marsch war die Geburtsstunde des Christopher Street Days (kurz CSD). Heute wird er nicht nur in New York, sondern weltweit im Sommer zelebriert. Die Gay-Pride-Bewegung stellt sich somit jedes Jahr gegen die Diskriminierung queerer Menschen. Damals ging es darum, Homosexuelle zu entkriminalisieren. Heute soll mehr Selbstbewusstsein geschaffen werden.


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